Neues Transferfenster der FIFA - Wie wirkt sich der Ukraine-Krieg auf den Transfermarkt aus?

Mi 16.03.22 | 18:16 Uhr | Von Fabian Friedmann
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Die Mittelfeldspieler Marlos (links, Donezk) und Oleksandr Karavayev (Dynamo Kyjiw) kämpfen in einem Meisterschaftsspiel der ukrainischen Premier Liga um den Ball. (Bild: IMAGO / Ukrinform)
Bild: IMAGO / Ukrinform

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg hat die FIFA das Transferfenster für ausländische Spieler in Russland und der Ukraine bis zum 7. April geöffnet. Könnten einige nun zu Berliner Vereinen wechseln? Der Transfer-Experte Marius Soyke ist skeptisch.

Ausländische Profis aus den Ligen Russlands und der Ukraine können seit dem 7. März ihre Verträge kündigen, sind sofort ablösefrei und dürfen sich einem anderen Klub anschließen. Dazu wurde von der FIFA eigens für diese Spieler ein Sonder-Transferfenster bis zum 7. April geschaffen. "Die Spieler dürfen aber nur einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022 abschließen", erklärt Marius Soyke vom Fußball-Portal transfermarkt.de. Danach müssten sie theoretisch wieder zurückkehren.

"Ich denke aber, dass die FIFA darüber hinaus eine neue Regelung finden wird“, glaubt Soyke. Schließlich sei absehbar, dass auch nach dem 30. Juni, egal wie sich der Krieg in der Ukraine entwickele, kein Fußball dort gespielt werden könne. Anders sieht es für die russische Liga aus. Dort könnte man theoretisch spielen, wobei die meisten ausländischen Spieler ihre Vereine definitiv verlassen wollen. "Bis Ende Juni wird jetzt von der FIFA wohl auf Zeit gespielt. Und dann öffnet sich ohnehin ein neues Transferfenster", sagt Soyke.

Hertha und Union dürfen keine Spieler verpflichten

Die neue FIFA-Regelung stößt auf Kritik, zum Beispiel von der Spielervereinigung Fifpro. Sie wollte, dass die Spieler in Russland ihre Verträge einseitig kündigen können, um dann einen längerfristigen Vertrag bei einem anderen Verein abschließen zu können. Darauf wollte sich die FIFA aber nicht einlassen, "weil man sich wohl alle Möglichkeiten offenlassen will", vermutet Marius Soyke.

Für die beiden Bundesligisten Hertha BSC und Union Berlin werde es keine kurzfristigen Verpflichtungen geben können, erklärt der Transfer-Experte, denn die DFL will für ihre Profiligen (1 und 2. Liga) den FIFA-Beschluss nicht übernehmen. Man wolle die "sportliche Integrität des laufenden Wettbewerbs nicht gefährden", hieß es in einer Stellungnahme des DFL-Präsidiums. "Es wird aber ausdrücklich ermutigt, dass solidarische Maßnahmen ergriffen werden können", sagt Soyke. Das beziehe sich vor allem auf geflüchtete Spieler, die bei den deutschen Bundesligisten mittrainieren dürfen.

Sportlich und finanziell kaum zielführend

Borussia Dortmund hatte zuletzt drei Fußballern aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine erlaubt, sich im Training fitzuhalten. Bestätigte Namen sind Raymond Frimpong Owusu und Alan Aussi, die bis Saisonende bei der U23 teilnehmen. Den dritten ukrainischen Spieler nannte der BVB nicht, bestätigte aber die Aktion am Dienstag. Theoretisch könnten die Spieler für die U23 in der 3. Liga auflaufen, denn für Drittligisten gilt der DFL-Beschluss nicht, aber der BVB habe nicht geplant, diese Spieler unter Vertrag zu nehmen.

Hier liege auch die Krux, meint Soyke. Ein Drittligist wie etwa Viktoria Berlin muss sich genau überlegen, ob ein solcher Wechsel sportlich und finanziell überhaupt Sinn ergibt. Denn durch Corona seien viele Dritt- und Regionalligisten schon "sehr auf Kante genäht", weshalb nicht viele Vereine kurzfristig Spieler verpflichten könnten. Hinzu kommt, dass laut DFB-Spielverordnung nicht mehr als drei Nicht-EU-Ausländer auf der Spielberechtigungsliste der Vereine stehen dürfen. Zahlreiche ausländische Profis, die in der Ukraine oder Russland ihr Geld verdienen, kommen aber aus Afrika oder Südamerika.

Und gerade bei den Spielern aus der Ukraine stellt sich die Frage nach der Fitness, denn der letzte reguläre Spieltag der ukrainischen Premier Liga fand Mitte Dezember 2021 statt, und auch die letzten Trainingseinheiten dürften schon einige Wochen her sein. Rein sportlich machten solche Wechsel kurzfristig vermutlich nicht allzu viel Sinn, denn bis man die Spieler fit bekomme, sei die Saison bei uns schon fast wieder vorbei, "aus einem solidarischen Blickwinkel sollte man es aber dennoch unterstützen", sagt Soyke.

Hertha wartet auf nächste Rate des Cordoba-Transfers

Einige Spieler, die vor Kurzem noch in Russland angestellt waren, hätten laut Soyke das Transferfenster bereits genutzt, wie etwa der polnische Mittelfeldspieler Grzegorz Krychowiak, der vom russischen Erstligisten FK Krasnodar zu AEK Athen nach Griechenland gewechselt ist. Krychowiaks ehemaliger Teamkollege ist der Ex-Herthaner Jhon Cordoba, der noch im Juli 2021 für 20 Millionen Euro Ablöse nach Krasnodar verkauft wurde. Der Kolumbianer ist aber aktuell verletzt, weshalb ihn wohl kein europäischer Top-Klub kurzfristig unter Vetrag nehmen würde, meint Marius Soyke.

Weil Cordobas Ablöse nicht auf einmal überwiesen wurde, ergibt sich nun ein ganz anderes Problem für Hertha BSC: Durch den Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-Zahlungsverkehr müssen die Berliner aufgrund des Zahlungsstopps länger auf die zweite von möglichen drei Ratenzahlungen warten, wobei es aktuell "um wesentlich Wichtigeres als noch ausstehende Restzahlungen" gehe, wird Hertha-Finanzchef Ingo Schiller in der Bild-Zeitung zitiert: "Nämlich um die Menschen in der Ukraine und ein möglichst schnelles Ende dieses Krieges."

Sendung: rbb24, 16.03.2022, 21:45 Uhr

Beitrag von Fabian Friedmann

3 Kommentare

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  1. 3.

    Doch, Sorgen haben wir genug. Was wir brauchen ist mehr Widerstand gegen einen solchen Menschenhandel. Ob Prostituierte oder Fussballspieler, wo ist da der Unterschied?

  2. 2.

    @Christian: Man kann auch mehrere Sorgen zugleich haben, ging Ihnen das noch nie so?

  3. 1.

    Haben wir wirklich keine anderen Sorgen????????

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