Analyse | Union holt gegen Stuttgart nur einen Punkt - Zu passiv für den Sieg

Sa 12.03.22 | 21:39 Uhr | Von Lukas Witte
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Das Team des 1. FC Union nach dem 1:1 gegen Stuttgart. (Bild: IMAGO / Matthias Koch)
Bild: IMAGO / Matthias Koch

Der 1. FC Union ließ sich gegen Stuttgart den Sieg in letzter Minute wegschnappen. In einem körperbetonten Spiel sah es lange nach einem Arbeitssieg für die Köpenicker aus, doch am Ende wurden sie vor allem für ihre Passivität bestraft. Von Lukas Witte

Es lief die 90. Minute im Stadion an der Alten Försterei. Der Stuttgarter Stürmer Sasa Kalajdzic fiel auf die Knie und jubelte – die Mienen der Union-Fans waren versteinert. Es war das Ende eines intensiven und körperbetonten Spiels, mit dessen Ausgang die Köpenicker nach langer Führung alles andere als zufrieden waren. Doch das Unentschieden gegen die Gäste aus dem Tabellenkeller war keinesfalls unverdient.

Knoche als Dirigent der Abwehr

"Ich hätte erwartet, dass sie offensiver spielen", sagte Unions-Geschäftsführer Profifußball Oliver Ruhnert über die Stuttgarter am Sky-Mikrofon in der Halbzeitpause. In der Tat präsentierte sich der VfB über weite Strecken der ersten Halbzeit harmlos. Vor dem Köpenicker Tor fanden die Gäste überhaupt nicht statt. Das lag vor allem an der überragenden Defensiv-Arbeit der Hausherren. Die Stuttgarter hatten keine Räume, um in den Kombinationsfußball reinzukommen und sich gefährlich nach vorne zu arbeiten. Immer wieder probierten sie es über den linken Flügel, doch Union hielt hinten alles dicht. Dafür sorgte vor allem Robin Knoche in der zentralen Innenverteidigung, der seine Abwehrreihe und Nebenspieler Jaeckel und Baumgartl immer wieder hervorragend führte und dirigierte.

Im Angriff präsentierten die Berliner das gewohnte Spiel. Mit wenig Ballbesitz suchten sie immer wieder die schnellen Umschaltmomente nach vorne und sorgten so für Druck auf das Stuttgarter Tor. Zwar gelang es Union nicht, aus dem Spiel heraus den Führungstreffer zu erzielen, doch die harte Arbeit in der Offensive wurde letztendlich kurz vor der Pause mit ein bisschen Glück belohnt. Der Stuttgarter Mavropanos streckte in der 40. Minute die Hand im Strafraum zu weit raus – der Elfmeter war unstrittig. Taiwo Awoniyi verwandelte sicher zu seinem elften Saisontreffer und scheint langsam wieder zu altem Selbstvertrauen zurückgefunden zu haben. "Jetzt ist er wieder da. Nach dem Afrika-Cup hat er ein bisschen gebraucht. Heute ist er wieder sehr engagiert und das tut ihm bestimmt gut", sagte Ruhnert über den nigerianischen Stürmer in der Pause.

Harter Körpereinsatz setzte Union zu

Mit dem Wiederanpfiff änderte sich das Bild. Die Gäste aus dem Schwabenland kamen deutlich aggressiver aus der Kabine und spielten körperbetonten Fußball. Zur Pause führte Union die Foulstatistik noch mit zwölf zu sechs an, was anscheinend Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo dazu brachte, in der Halbzeitansprache mehr Härte von seiner Mannschaft zu fordern. Die Partie wurde hitzig und vor allem die Berliner waren mit der Leistung von Schiedsrichter Robert Hartmann unzufrieden. "Was einige auf dem Platz gemacht haben ist eine Frechheit! Es war keine Linie beim Schiedsrichter zu erkennen. Alle 50:50-Zweikämpfe wurden für Stuttgart entschieden", sagte Union-Verteidiger Timo Baumgartl nach dem Abpfiff. Zumindest in der Statistik zeichnete sich am Ende des Spiels tatsächlich ein Ungleichgewicht ab. Die Schwaben bekamen 24 Foulpfiffe zu ihren Gunsten, bei Union waren es nur zehn.

Passivität kostete den Sieg

Mit dem harten Körpereinsatz taten sich die Berliner sichtlich schwer und agierten deutlich passiver. Das Spiel fand in der zweiten Halbzeit komplett auf Augenhöhe statt, war allerdings auch nur noch für echte Fußball-Liebhaber schön anzusehen. Viele Fouls und wenig Chancen bestimmten das Spielgeschehen bis zur Schlussphase. Weder Stuttgart noch Union kombinierten sich zu gefährlichen Abschlüssen und so sah es lange Zeit so aus, als würden die Gastgeber einen Arbeitssieg über die Zeit bringen können. Denn hinten stand Union weiter sicher.

Als Stuttgart begann nach vorne mehr Risiko zu gehen und die Flügel zu überlagern, ergaben sich durchaus Räume für Union, um noch einmal Druck zu machen und die Führung auszubauen. Doch es gelang ihnen nicht, diese freien Räume zu nutzen und Konter intelligent auszuspielen. Stattdessen präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Urs Fischer passiv und zurückhaltend. Der Fokus lag nun einzig auf der Defensive und vom Mut nach vorne aus der ersten Halbzeit war nicht mehr viel zu sehen. Diese Passivität kostete sie am Ende den Sieg.

Die 40 Punkte-Marke bleibt vorerst ungebrochen

Denn die Stuttgarter aus dem Tabellenkeller bewiesen am Ende großen Kampfgeist und hatten mit Sasa Klajdzic auch einen Stürmer vorne drin, der für solche Situationen gemacht ist. Dieser traf erst den Pfosten (85.) und dann das Tor (90.). Es war der Last-Minute-Ausgleich für den VfB und das Endergebnis. Und nach dem Spielverlauf war dieses auch völlig verdient. "In der zweiten Halbzeit hat es Stuttgart einfach besser gemacht", sagte Christopher Trimmel nach der Partie. "Es war am Ende bitter. Wir haben es einfach nicht geschafft, frühzeitig das zweite Tor nachzulegen", ergänzte Grischa Prömel.

Und so schaffte es Union auch an diesem Spieltag nicht, die 40-Punkte-Marke zu knacken. Im Jahr 2022 fällt es den Köpenickern bisher schwer, an den Erfolg aus der Hinrunde anzuknüpfen. "Es ist klar, dass wir solche Spiele dann auch gewinnen müssen und den Sieg nach Hause bringen müssen", analysierte Prömel. Besorgt ist man in der Mannschaft wegen des Remis aber trotzdem nicht. "Unser Ziel bleibt und ist der Klassenerhalt. Da arbeiten wir hart dran. Das wir nicht jedes Spiel gewinnen können, das wussten wir vorher", sagte Trimmel.

Trotzdem wird es für Union in dieser Saison auch zukünftig eher um den europäischen Wettbewerb als um den Abstieg gehen. Dem Stadtrivalen Hertha BSC haben sie immerhin auch mit dem Unentschieden einen mitgeben können. Durch den Punktgewinn zogen die Stuttgarter an den Blau-Weißen vorbei und beförderten diese auf einen direkten Abstiegsplatz. Und die Köpenicker haben jetzt im nächsten Spiel die Chance, für eine große Überraschung zu sorgen. Nächsten Sonnabend geht es für die Eisernen zum Rekordmeister nach München. Dort haben sie nichts zu verlieren und so die Möglichkeit, wieder frei aufzuspielen und die Passivität vom Stuttgart-Spiel vergessen zu machen.

Sendung: rbb24, 12.03.2022, 21:45 Uhr

Beitrag von Lukas Witte

2 Kommentare

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  1. 2.

    Es geht nicht UM den Abstieg, Herr Witte, sondern immer dagegen. Auch wenn Union damit aktuell nun wirklich nichts zu tun hat. Die Aussagen von Baumgartl, der Schiri hätte ständig für die Stuttgarter gepfiffen, war dafür unterirdisch und an der Realität vorbei.

  2. 1.

    Von einem hohen Sieg für ihrer Unioner sollten sie besser nicht ausgehen Herr Witze.
    Mit der Leistung von heute gibt es eine Klatschen.
    Auf geht's FCB

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