Vor Europapokal-Partie bei Trentino - BR Volleys gehen mit coolem Carle in die entscheidende Saisonphase

Mi 09.03.22 | 08:35 Uhr | Von Shea Westhoff
Timothee Carle
Video: rbb24 | 09.03.2022 | Jonas Schützeberg | Bild: imago images/Nordphoto

Im anstehenden Viertelfinale der Königsklasse wird es für die BR Volleys auf nervenstarke Spieler wie Timothée Carle ankommen, der bei den Berlinern zu einem echten Schlüsselspieler gereift ist. Von Shea Westhoff

Das Hinspiel bei Itas Trentino sehen Sie am Donnerstag (10.03.) um 20:30 Uhr live im Videostream auf rbb24.de.

Das Team der BR Volleys befand sich in größter Bedrängnis: Mit 0:2-Sätzen lagen die Berliner auswärts beim russischen Topklub Zenit St. Petersburg zurück. Es war Mitte Februar, fünfter Spieltag der Gruppenphase. Die Mannschaft von Trainer Cédric Énard war eigentlich angereist, um gegen ihren ärgsten Vorrunden-Konkurrenten den Gruppensieg perfekt zu machen. Doch bis in den dritten Durchgang hinein präsentierte das Team eine unkonzentrierte, fahrige Vorstellung.

Mentalitätsspieler wichtiger denn je

Es war allen voran der 1,98m lange Timothée Carle, der dem Gegner dann Paroli bot: Mit einem starken Block und zwei kurz aufeinander folgenden Servicepunkten sorgte der Außenangreifer dafür, dass seine Mannschaft dranblieb. Plötzlich wendeten sich die Dinge, die Gästemannschaft spielte wie befreit auf.

Wenige Minuten später verwandelte der Franzose höchstpersönlich den Satzball zum 1:2-Anschluss. Die nervenstarke Perfomance des 26-Jährigen wirkte wie ein Signal ans Team: Hier geht noch was. Am Ende gelang tatsächlich noch der 3:2-Sieg. Carle hatte entscheidenden Anteil daran, dass seine BR Volleys vorzeitig ihren ersten Gruppensieg in der Champions League feiern durften, beim Favoriten St. Petersburg.

"Persönlich konzentriere ich mich auf den Titel", sagt Carle selbstbewusst im rbb-Gespräch. "Es ist wichtig für mich und den Klub. Auch die Champions League ist ein bedeutendes Ziel." Wenige Tage vor Carles starkem Auftritt waren die Volleys noch im DVV-Pokal gegen Friedrichshafen ausgeschieden. Das völlig überraschende Aus verdeutlichte einmal mehr, wie wichtig Mentalitäts-Spieler wie Timothée Carle für das Topteam aus Berlin sind. In der Liga ziehen die Berliner nämlich als einsamer Tabellenführer schlafwandlerisch von Sieg zu Sieg. Harte Proben wie K.o.-Spiele können das Team deswegen schnell vor ungewohnte Probleme stellen.

Lospech für trotz Lostopf eins

Für St. Petersburg waren die Volleys indes vorerst die letzte Station auf europäischer Bühne. Die Russen, die als Gruppenzweite zwar sportlich ebenfalls fürs Viertelfinale qualifiziert gewesen wären, wurden vom europäische Volleyball-Dachverband CEV Anfang März vom Wettbewerb ausgeschlossen. Der Verband erläuterte dies im entsprechenden Tweet zwar nicht näher, doch Grund für den Ausschluss sind natürlich die militärischen Angriffe Russlands auf die Ukraine. Genau wie St. Petersburg wurde auch Dynamo Moskau disqualifiziert.

Und so ergibt sich für die BR Volleys eine eigentümliche Situation: Ausgerechnet in seiner stärksten Europapokal-Saison, in der sich der Klub nach der Gruppenphase sogar im ersehnten Lostopf eins wiederfand, hatte er Lospech – weil er kein Freilos erwischte: Die beiden Mannschaften nämlich, die im Viertelfinale ursprünglich gegen die russischen Teams hätten antreten müssen, dürfen sich aufgrund deren Diqualifikation nun über ein Freilos ins Halbfinale freuen. Das betrifft Perugia aus Italien sowie das polnische Kedzierzyn.

Um in die Runde der letzten vier einzuziehen, müssen die Volleys hingegen ausgerechnet am Vorjahresfinalisten Itas Trentino vorbei, aktuell Tabellendritter der italienischen Serie A. Bereits in der vorigen Saison standen sich beide Mannschaften im Viertelfinale gegenüber. Trentino setzte sich mit 3:1 und 3:0 deutlich durch. Immerhin haben die Berliner fürs Rückspiel Heimrecht (16.03.). Das Hinspiel findet am Donnerstag um 20:30 Uhr statt (live im Videostream auf rbb24.de).

Timmothée Carles robustes Nervenkostüm dürfte gegen die Italiener jedenfalls gefragter sein denn je.

Sendung: rbb24, 09.03.2022, 22 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

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