FIVB sagt Volleyball-WM in Russland ab - "Die Entscheidung ist nur dem internationalen Druck zuzuschreiben"

Di 01.03.22 | 19:44 Uhr
  3
Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, auf einer Pressekonferenz. Quelle: imago images/Andreas Gora
Bild: imago images/Andreas Gora

Am Dienstag hat der Volleyball-Weltverband als Konsequenz auf den russischen Krieg gegen die Ukraine die WM in Russland abgesagt. Die Entscheidung erfährt viel Unterstützung. Scharfe Kritik am Weltverband gibt es dennoch.

Im Sommer sollte in Russland die Volleyball-Weltmeisterschaft stattfinden. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich der Weltverband "Fédération Internationale de Volleyball" (FIVB) am Dienstag dazu entschlossen, den Wettbewerb abzusagen.

Für Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys und Sprecher der Sportmetropole Berlin, kommt dieser Schritt viel zu spät. Auch der Berliner Nationalspieler Ruben Schott hatte den Verband in den letzten Tagen bereits scharf kritisiert.

Niroomand: "Nur dem internationalen Druck zuzuschreiben"

Dass der Weltverband die WM in Russland erst am Dienstag abgesagt hat, sei peinlich, beschwert sich der Volleys-Manager im Telefongespräch mit rbb|24. "Das ist nur dem internationalen Druck zuzuschreiben." Bereits am Sonntag zeigte sich Niroomand auf der Homepage der BR Volleys sehr verstimmt über die FIVB. Im Gespräch mit rbb|24 sagte der 69-jährige Sportfunktionär, dass der Dachverband nur auf eigene Interessen ausgerichtet sei. Über Jahre habe man eine peinliche Ignoranz erlebt und es sei beschämend, dort Mitglied sein zu müssen.

Die allgemeine Aussage, dass Sport immer unpolitisch und neutral bleiben müsse, konterte Niroomand entschlossen - das sei "totaler Blödsinn". "Sport darf nicht parteipolitisch sein, sondern muss eine klare Werte-Positionierung innehaben."

Mit dieser Meinung steht der Volleys-Manager nicht allein da. Auch der Berliner Nationalspieler Ruben Schott kritisierte das Zögern des Weltverbandes in den letzten Tagen öffentlich bei Twitter. "Wach auf FIVB! Ich weiß nicht, in welcher Welt ihr lebt, aber Sport wird in vielerlei Hinsicht als politisches Instrument benutzt", schrieb der 27-Jährige auf der Social-Plattform.

Schott: "Es kommt ein bisschen zu spät"

Nach der Entscheidung der FIVB, die WM in Russland nun doch abzusagen, erneuerte Schott seine Kritik. "Es ist auf jeden Fall ein wichtiger und richtiger Schritt. In meinen Augen, aber auch in den Augen vieler Athleten und Verbänden", sagte Schott dem rbb. "Es kommt aber ein bisschen zu spät. Man hätte schon vorher ein Statement setzen können. Die Frage ist auch, aus welchen Motiven die Entscheidung entstanden ist", ergänzte Schott.

Die Aussage, dass Sport unpolitisch sei, hält auch der 27-Jährige für veraltet. "Sport wird immer wieder gerne für politische Zwecke instrumentalisiert", sagte Schott. "Das sieht man doch auch bei Olympischen Spielen. Auch wenn das IOC gerne behauptet, Sport und Politik gehörten nicht zusammen." Die Verbände würden sich gerne mit Idealen und Werten schmücken, diese müssten dann aber auch konsequent umgesetzt werden, so Schott.

Angesprochen auf den russischen Weltstar Sergei Grankin, der seit 2019 bei den Berliner Volleyballern spielt, entgegnet Manager Niroomand, dass er sich lange mit dem russischen Zuspieler unterhalten habe. Grankin sei wie jeder Mensch nicht glücklich über die Umstände. Selten habe der Volleys-Manager einen so vorbildlichen Sportler wie Grankin erlebt und Niroomand sicherte ihm jede Unterstützung zu. Selber äußern wolle sich Grankin nicht.

Sendung: Inforadio, 01.03.2022, 12:16 Uhr

3 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 3.

    Auch wenn das die meinungsbildende Presse und der öffentlich rechtliche Rundfunk schon gar nicht hören wollen,ist die Fußball WM in Katar in Stadien die auf dem Blut toter Fremdarbeiter gebaut wurden, wohl mindestens so zu hinterfragen, wie jetzt der Ausschluß russischer Bürger von allen internationalen Sportveranstaltungen.Da tut man sich offensichtlich sehr schwer.Bayern München läßt sich weiterhin sponsern, und Herr Schröder soll aus dem BVB ausgeschlossen werden.





  2. 2.

    Das ist Richtig, aber dann dürften in USA, Großbritannien und Frankreich auch keine sportliche Wettkämpfe auf internationaler Ebene stattfinden. Denn sie haben auch ungerechte Kriege, im 20. Jahrhundert, durchgeführt.

  3. 1.

    Alles Internationale - auch Kultur, Sport, Wirtschaft - sollte parteipolitisch unabhängig, aber wertemäßig bezüglich Menschenrechte nicht unabhängig sein, sondern einen klaren Standpunkt für Menschenrechte und gegen Menschenrechtsverletzungen beziehen!

    Kultur, Sport und Wirtschaft darf sich nicht dazu missbrauchen lassen, Diktaturen, Diktatoren und Angriffskrieger zu unterstützen!
    Kltur, Sport und Wirtschaft darf sich nicht für Werbung für Diktatoren einspannen lassen, so wie z.B. in China geschehen. Das gleiche gilt gegenüber Diktator und Angriffskrieger Putin!

    Warum gründen die Sportler keinen Werte-Sportverband als Alternative zu den vorhandenen bloßen Wirtschaftssportverbänden, denen es skrupellos nur um Geld - auch auf Kosten von Menschenrechten - geht.

Nächster Artikel