Sicherheit beim Hauptstadtderby - Polizei begleitet Rückkehr der aktiven Fanszenen mit Großaufgebot

Fr 08.04.22 | 16:28 Uhr | Von Friedrich Rößler
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Die Fankurve von Hertha BSC mit einer Choreografie im Berliner Olympiastadion am 18.05.2019 gegen Bayer Leverkusen(Bild: imago images/Bernd König)
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Video: rbb24 | 07.04.2022 | Sebastian Meyer | Bild: imago images/Bernd König

Zum ersten Mal findet das Hauptstadtderby in der Bundesliga im ausverkauften Olympiastadion statt. Die Polizei hat sich auf gut 74.000 Fußballfans vorbereitet - und auch auf die beiden Fußmärsche der aktiven Fanszenen. Von Friedrich Rößler

Sie sind wieder da - die aktiven Fanszenen beider Berliner Bundesligisten. Da seit 1. April 2022 sämtliche Corona-Schutz-Maßnahmen für Stadionbesucher entfallen, fühlen sich auch die organisierten Fans von Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin wieder in den deutschen Fußball-Arenen wohl. Jetzt könne man wieder eine "freie und lebendige Fankultur" ausleben und wie gewohnt auftreten. So kündigte jedenfalls die Ostkurve von Hertha BSC [foerderkreis-ostkurve.de] ihre Rückkehr an.

Die organisierte Fanszene aus Köpenick feierte ihre Rückkehr am vergangenen Spieltag zu Hause gegen den 1. FC Köln lautstark und farbenfroh. Neben akustischer Unterstützung von den Rängen fiel der Fanblock auf der Waldseite im Stadion An der Alten Försterei auch durch ein rot leuchtendes Pyrotechnik-Spektakel auf. Nach dem Unioner Heimsieg blieb das unerlaubte Abbrennen von Feuerwerkserzeugnissen allerdings nicht als Fankrawall im Gedächtnis, sondern eher als gelungene Choreografie der zurückgekehrten Fanszene.

Krawall-Derby 2019

Das war 2019, als sich beide aktiven Fanszenen der Berliner Bundesligisten zuletzt gegenüberstanden, nicht der Fall. Damals drohte ein Platzsturm der Köpenicker Anhänger, da aus dem Gästeblock immer wieder pyrotechnische und andere Gegenstände auf das Spielfeld flogen. Die Bilder von damals hatten wenig mit gelungenem Fanfest und sportlichem Wettkampf zu tun. Im Nachgang startete eine Diskussion darüber, wer eigentlich genau in den Fankurven der Klubs stehe und wieso es zu solchen Aktionen kommen konnte.

Daher ist die Berliner Polizei vor dem erneuten direkten Aufeinandertreffen beider Fanszenen gewarnt und wird mit mehr als 1.000 Einsatzkräften vor Ort sein. Zunächst gehen die Berliner Ordnungshüter von einem Spiel der Begegnung und nicht der Auseinandersetzung aus und hoffen, dass der sportliche Wettkampf im Vordergrund steht. "Das beweisen die Tausenden von Fans immer wieder aufs Neue", sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz dem rbb in einem Interview. Doch man habe sich auch auf andere Szenarien vorbereitet, gerade was die angekündigten Fanmärsche beider Lager zum Olympiastadion betrifft.

Strikte Fantrennung bei An- und Abreise

"Deshalb haben wir einen relativ hohen Kräfteeinsatz, um die Fans auf den Strecken zu begleiten und wohlgemerkt auch voneinander zu trennen.", ergänzte Cablitz. Das gelte auch für die Anreise. Wie gewohnt sollen die Auswärtsfans über den S-Bahnhof zum Olympiastadion gelangen und die Heimfans über den U-Bahnhof. Allerdings ist der U-Bahnhof Olympiastadion wegen Bauarbeiten gesperrt, sodass die Fahrt der Herthafans eine Station später am Bahnhof Neu-Westend enden wird.

Der Großteil der blau-weißen Anhänger wolle sich aber laut Ankündigung der Hertha-Ultras "Harlekins" am Sonnabend um 13 Uhr im Park Lietzensee Zugang vom Kaiserdamm treffen, um den Weg zum Olympiastadion von dort aus gemeinsam anzutreten. Die Berliner Polizei wisse das und würde den Hertha-Fanmarsch begleiten, so Sprecher Cablitz: "Wir haben szenekundige Beamte, die auch schon mal die Fühler ausstrecken, wie mobilisiert man, was ist geplant eventuell und das passiert schon deutlich vorher, sodass man uns vorher schon wahren nehmen kann."

Wer steht in der Fankurve?

Diese Vorgehensweise der Berliner Polizei scheint sich auch in Köpenick rumgesprochen zu haben. Die Unioner Fanszene hat ihren Treffpunkt, 14 Uhr Savignyplatz, für den Fanmarsch zum Olympiastadion erst am Freitag um 16 Uhr öffentlich bekannt geben. Wahrscheinlich um ein bisschen zu stänkern. Die geplanten alternativen Anreisewege lösen bei der Berliner Polizei keine Panik aus, denn man habe sich im Vorfeld mit den Vereinen ausgetauscht. "Das funktioniert ganz gut und auch genauso für diesen Samstag sind wir da zuversichtlich, dass sich das nicht ändert", sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz.

Laut Unions Pressesprecher Christian Arbeit sei das Berliner Olympiastadion weitläufig genug, dass sich Szenen wie 2019 nicht wiederholen könnten. "Es ist klar, dass es bei aller Emotionalität und auch von den meisten Fans ein No-Go ist und darüber sind sich auch alle einig." Der Fanforscher Jonas Gabler sprach im Vorfeld des Hauptstadtderbys von einer Black Box, wenn es um die Rückkehr beider Fanszenen und deren direktes Aufeinandertreffen geht. "Wer taucht da überhaupt wieder auf in der Kurve? Mit welchen Ansprüchen?", fragte Gabler in der "Märkischen Allgemeinen" am Donnerstag. Die Ultra-Kultur sei immer in Bewegung, könne sich in den Jahren der Pandemie verändert haben.

Große Vorfreude auf stimmungsvolles Fanfest

Die Sehnsucht der Fans nach einem stimmungsvollen Saison-Highlight dürfte in den letzten zwei Jahren enorm gestiegen sein und damit auch die Vorfreude, dass das Hauptstadtderby vor 74.000 Menschen stattfinden darf. Zwar werden beide Fanlager versuchen, ihre Choreografien mit Pyrotechnik zu garnieren und sich die eine oder andere Frechheit ausdenken, um den Gegner zu demütigen.

Alles, was diesen Rahmen überschreitet, dürften die Berliner Polizei und die Sicherheitskräfte im Stadion sofort unterbinden. Wenn es gelingt, auch die An- und Abreise reibungslos zu gestalten, dürfte dem Duell der beiden Berliner Bundesligisten als stimmungsvolles Fanfest nichts im Wege stehen.

Sendung: rbb24, 09.04.2022, 21:45 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler

11 Kommentare

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  1. 11.

    VOLLE ZUSTIMMUNG !!!!!
    hoffe auch sehr, der Verstand siegt und der Kampf findet am Ball statt, der Bessere soll gewinnen, auch ein Unentschieden wäre heute verkraftbar

  2. 9.

    Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Insbesondere für Anwohner der „Aufmarschstrecken“

  3. 8.

    Den Dreck in Form von leeren bierflaschen und Dosen haben sie ja mal schon am Lietzensee und kaiserdamm hinterlassen.
    Den Flaschensammler wird es freuen die machen heute so richtig Kasse.

  4. 7.

    Mich ärgert, dass der Steuerzahler für den Polizei- Schutz aufkommen muß. Und wieso sollte man eigentlich vermeintlich Erwachsene daran hindern sich gegenseitig zu verprügeln? Meinen Segen haben sie....

  5. 6.

    Und wir alle dürfen mal wieder für den Polizei Großeinsatz aufkommen. Am Kaiserdamm sah es grade aus, als sei der Krieg jetzt hier angekommen.

  6. 5.

    Einträchtige Grüße an beide Clubs verbunden mit dem Wunsch nach einem sportlichen Fest auf dem. Platz und auf den Rängen.
    An die Fans beider Lager: bleibt friedlich und lasst den Scheiß, auf andere zu zielen; feuert Eure Clubs mit Euren Gesängen an und gedenkt trotzdem den Toten, die uns mahnen, dass unsere Welt ziemlich fragil ist und es daher zwischen den Fans keine Feindschaften sondern nur sportliche Rivalität ohne Gewalt geben sollte.

  7. 4.

    Ich wünsche mir ein tolles Spiel und das es fair auf dem Platz und auch auf den Rängen zugeht.
    Bitte Respekt einander.

  8. 3.

    Unter der Überschrift "Krawall-Derby 2019" zu schreiben: "Damals drohte ein Platzsturm der Köpenicker Anhänger, da aus dem Gästeblock immer wieder pyrotechnische und andere Gegenstände auf das Spielfeld flogen.", gibt die damaligen Ereignisse absolut unzureichend wieder, Friedrich Rößler.

    Denn es verhielt sich doch so, dass aus dem Gäste-Fanblock auch gezielt in den angrenzenden Sektor 4 und die Trainerbank des FCU geschossen wurde. Daraufhin haben einige FCU Ultras der extremen Sorte den Zaun überwunden und versucht, auf die Gegenseite zu kommen. Das wurde doch aber recht schnell, auch vor allem durch den großartigen Einsatz der FCU Mannschaft(besonders Gikiewicz), abgewendet.

    Hierbei muss man schon einigermaßen genau sein, denn das war kein Pappenstiel, sondern ein Knackpunkt für das Verhältnis zwischen den oppositen Fanlagern.

  9. 2.

    Richtig

  10. 1.

    Etwas zu viele Konjunktive!
    Hinzuzufügen wäre noch die Tatsache!, dass 2019 aus dem Herthablock gezielt der Zuschauerheimbereich beschossen wurde, was Preetz im Aktuellen Sportstudio noch verharmloste. Erst daraufhin folgte der Platz'besuch' weniger Unionultras (nicht akzeptabel, aber emotional verständlich).
    Übrigens haben sich fast alle Ultras in der Coronazeit vorbildlich verhalten, wurden doch diesbezüglich von den meisten Medien im Vorfeld Schreckensszenarien gezeichnet.

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