Die Eisbären in den Playoffs - Spitzname "Psycho"

Di 12.04.22 | 13:10 Uhr
Der Mentalcoach Markus Flemming beim Spiel der Eisbären Berlin in den Playoffs(Bild: rbb)
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Video: rbb UM6 | 11.04.2022 | Johanna Rüdiger | Bild: rbb

Markus Flemming ist seit 15 Jahren bei den Eisbären Berlin und dort nicht mehr wegzudenken. Seine Stärken liegen allerdings nicht auf dem Eis, sondern daneben. Denn der 54-Jährige sorgt für die mentale Fitness der Spieler.

Ein eng getakteter Spielplan, der Druck, vor mehr als 14.000 Zuschauern zu gewinnen, und hohe Anforderungen im Training verlangen dem Team der Eisbären Berlin eine Menge ab. Neben der physischen Fitness kommt es gerade in den Playoffs auch auf einen klaren Kopf an. Das hat der aktuelle deutsche Eishockey-Meister schon lange begriffen und als eine der ersten Mannschaften einen Mentalcoach ins Betreuerteam integriert - den Sportpsychologen Markus Flemming.

"Es geht vor allem um die Situation, vor 14.200 Zuschauern seine Leistung abzurufen, sich gut zu fühlen und sich selber auch so zu regulieren, dass man nicht permanent über dieses Spiel nachdenkt und sich verrückt macht", sagt der 54-Jährige im rbb-Interview beim Training des Hauptstadtklubs. Er genieße mittlerweile eine so breite Vertrauensbasis, dass die Spieler auch mit alltäglichen Problemen zu ihm kämen.

Der Dienstälteste im Eisbären-Trainerstab

Markus Flemming stand als Eishockey-Torhüter früher in der ersten und zweiten Liga mit eigenen Füßen in Schlittschuhen auf dem Eis und kennt den enormen Leistungsdruck. Bei fast jedem Training der Eisbären sitzt er am Spielfeldrand und gibt seine Erfahrungen weiter. Die Gespräche mit dem Diplompsychologen sind privat und freiwillig. Und kommen seit Jahren sehr gut an in der Mannschaft, wie Eisbären-Stürmer Manuel Wiederer erzählt: "Ich denke, das hilft jedem und mir persönlich unglaublich weiter und ich denke, dass der mentale Bereich ein großer Punkt im Sport ist."

Vita Markus Flemming

Der Eisbären-Mentalcoach Markus Flemming im Interview mit dem rbb(Bild: rbb)
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  • - Geburtsdatum: 08.03.1968
  • - Geburtsort: München
  • - Bei den Eisbären seit 2007
  • - Bisherige Klubs als Spieler: EV Duisburg, Adler Mannheim, Frankfurter ESC, EC Hannover, Düsseldorfer EG, EHC Freiburg, EC Bad Nauheim
  • - Stationen als Mentaltrainer: Eisbären Berlin, Baskteball-Nationalmannschaft

Wenn man die Möglichkeit mit so einem "Supermann" wie Flemming hier habe, dann müsse man die auch nutzen, fährt Wiederer fort. Der Dienstälteste im Trainerstab coacht aber nicht nur beim Training, sondern beobachtet seine Schützlinge auch während der Spieltage in der Halle. Vor 15 Jahren holte ihn sein früherer Düsseldorfer Teamkollege Peter John Lee zu den Eisbären. Der Sportpsychologe und der Vizepräsident der Eisbären pflegen einen lockeren Umgang.

Nicht nur Eishockeyspieler, sondern auch Menschen

"Sein Spitzname ist Psycho", scherzt Lee, betont aber zugleich, dass Flemming eine ganz wichtige Rolle im Team spiele. "Wir haben viele junge Spieler. Physisch ist jeder gut trainiert, aber ich glaube, dass die Kopfsache auch dazu gehört, denn es sind nicht nur Eishockeyspieler, sondern auch Menschen."

Das haben mittlerweile auch andere Eishockeymannschaften entdeckt, die Eisbären zählen hierbei zu den Vorreitern. "Ich war einer der ersten Sportpsychologen, die im Eishockey so aktiv waren, ich habe mir hier eine Existenz über die Eisbären aufgebaut und das ist für mich tatsächlich Familie geworden", sagt der Mentalcoach. Und in einer Familie ließe sich schließlich über alles reden.

Sendung: rbb UM6, 11.04.2022, 18:00 Uhr

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