Konfrontation in der Kurve - Hertha-Fans fordern Spieler auf, ihre Trikots auszuziehen

So 10.04.22 | 13:44 Uhr
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Hertha-Ultras fordern Spieler auf, ihre Trikots auszuziehen. / imago images/Camera 4+
Audio: rbb | 09.04.2022 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Camera 4+

Nach der Niederlage im Derby wurden die Spieler von Hertha BSC vor der eigenen Fankurve aufgefordert, ihre Trikots auszuziehen und sie abzulegen. Trainer Magath findet das bedauerlich, Manager Bobic sieht gar eine Linie überschritten.

Nach der 1:4-Derby-Pleite von Hertha BSC gegen Union Berlin kam es vor der Ostkurve im Olympiastadion zu einer umstrittenen Aktion der Fans. Die Hertha-Spieler wurden von den eigenen Anhängern dazu aufgefordert, ihre Trikots auszuziehen und auf der Tartanbahn vor der Kurve niederzulegen. Ein Teil der Mannschaft gab dem Druck nach und folgte der Aufforderung. Die Aktion stößt bei vielen auf Unverständnis.

Bobic: "Ich hätte es nicht gemacht"

"Es ist schwer zu erklären, was mit den Fans besprochen wurde. Das sage ich jetzt lieber nicht. Es war einfach eine Geste, das Trikot auszuziehen", sagte Maximilian Mittelstädt beim TV-Sender Sky und ergänzte: "Ob es was mit einer Demütigung zu tun hat oder nicht? Ich möchte jetzt einen Konflikt vermeiden."

Herthas Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic wäre der Aufforderung der Fans nicht gefolgt: "Ich hätte es nicht gemacht. Ich ziehe das Trikot mit Stolz an. Ich verstehe natürlich den Unmut, dass man das dritte Derby in Folge verliert. Das macht uns allen keinen Spaß. Aber wir sind auch Sportler", sagte Bobic nach dem Spiel.

Einen Tag später ergänzte er im Sport1-Doppelpass: "Junge Spieler wie [Linus] Gechter oder [Torhüter Marcel] Lotka sind natürlich von so etwas beeindruckt und lassen das mit sich machen. Das ist auch verständlich und man kann sie dafür nicht verurteilen." Das Verhalten der Fans bezeichnete Bobic als kontraproduktiv. "Da wurde eine Linie überschritten. (...) Das macht was mit den Spielern - aber auf jeden Fall nichts Positives", erklärte der Geschäftsführer.

Niemand verliert gerne, aber das ist kein Grund, die Spieler so zu demütigen. Von Leuten, die seit zwei Jahren im Stadion abwesend waren, gesagt zu bekommen, man solle das Trikot ausziehen, das ist eine Frechheit. Das ist menschenverachtend und herabwürdigend.

Jörg Hans, Vizepräsident des Hertha-BSC-Fan-Clubs

Magath zeigt Verständnis, Fanclub entsetzt

Unterstützung bekam Bobic für seine Aussagen auch aus den Reihen des Stadtrivalen. Unions Sportchef Oliver Ruhnert sagte im Doppelpass: "Wie willst du für die letzten fünf entscheidenden Spiele den Fokus behalten, wenn du Angst spürst? Das ist sicher der denkbar schlechteste Ratgeber."

Hertha-Trainer Felix Magath brachte am Sonntag hingegen auch Verständnis für den Unmut der Fans auf. Beim Sender Bild-TV bezeichnete der 68-Jährige die Aktion zwar als bedauerlich - äußerte aber auch seine Begeisterung für die Unterstützung während des Spiels. "Das Problem ist, dass wir es nicht verstehen, durch Einsatz diese Unterstützung der Fans auf dem Platz umzusetzen", sagte der Trainer.

Beim ältesten Hertha-Fanclub zeigte man sich von den Szenen nach dem Derby entsetzt. Der Vizepräsident des "Hertha BSC-Fan-Club e.V." Jörg Hans sagte dem rbb: "Das, was die Ultras dort abgezogen haben, ist eine Unverschämtheit. Niemand verliert gerne, aber das ist kein Grund, die Spieler so zu demütigen. Von Leuten, die seit zwei Jahren im Stadion abwesend waren, gesagt zu bekommen, man solle das Trikot ausziehen, das ist eine Frechheit. Das ist menschenverachtend und herabwürdigend."

Reaktionen in den sozialen Medien:

Duelle gegen direkte Abstiegskonkurrenten

Hertha BSC steht nach der Pleite auf dem vorletzten Tabellenplatz. In den nächsten Wochen geht es gegen die direkten Konkurrenten FC Augsburg, VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld. "Ich sehe das nicht so schwarz. Die nächsten Gegner sind nicht ganz auf dem Niveau von Union Berlin", sagte Hertha-Trainer Felix Magath am Samstag nach der Derby-Pleite.

Sendung: rbb24, 09.04.2022, 21:45 Uhr

45 Kommentare

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  1. 45.

    @ Stefan, wollte nur nochmal klarstellen, bin selber kein Hertha-Fan sondern ich habe seit mehreren Jahrzehnten einen Lieblingsverein. Und der spielt derzeit in der 4. Liga. Mein Unverständnis gilt in dieser Sache auch nicht Spielern der Hertha, in dieser Sache auch nicht dem Verein und schon gar nicht den Anhängern. Aber den Ultras sollte man ganz klar die Grenzen aufzeigen.

  2. 44.

    @ Mc..., aber auch gegen die armen Sandhausener, die sich nun die Hauptstädter Ultras antun müssen. Das wären dann ja schon vier ehemalige wenn es nicht doch noch die ein oder andere Mannschaft schafft dem Schrecken zu entkommen.

  3. 43.

    Die Ultras sind doch keine Herthafans, denen geht es nur um ihre Selbstinszenierung. Es macht auch so gar keinen Sinn, Herthafans zu verunglimpfen, nur weil diese Spinner sich mal wieder daneben benehmen. Der Verein sollte hier aber deutliche Maßnahmen ergreifen, Spieler sind kein Freiwild. Zur Einstellung von Herthafans gegenüber ihrem Verein: Ich habe in vielen Jahren mit Dauerkarte niemals ein Spiel vorzeitig verlassen (auch wenn ich durchaus viel Mist gesehen habe...). Jetzt gehe ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr hin, bleibe aber Herthafan, egal in welcher Liga. Abschließend bin ich der Meinung, dass nicht die leidgeprüften Fans das Problem bei Hertha sind, dieser Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf.

  4. 42.

    Es wird (auch von rbb24) so getan, als ob die Trikotablegeaktion einmalig im deutschen Fußball sei, was nicht stimmt! Nach einem 0:3 beim KSC mussten alle! Spieler des 1. FC Nürnberg ihre Trikots vor'm Auswärtsblock ablegen...
    Warum gerade das nun im Mittelpunkt der Derbynachbetrachtung stehen muss, müssen sich die betreffenden Medien fragen lassen...Vermutete Antwort: "Jaja, der Fussballfan, das asoziale Wesen."

  5. 41.

    Abgesehen von Sandhausen: in der 2. Liga spielt man derzeit gegen den HSV, Werder, Schalke.... In der Bundesliga gegen Fürth, Bielefeld und Hoffenheim. Und wer will schon Bayern sehen?

  6. 40.

    Danke an die Spieler der Hertha BSC, die dafür sorgen, das ihre Fans (Ultras) wohl in der kommenden Saison nach Sandhausen fahren dürfen (Sorry Sandhausen). Obwohl eigentlich sind die Hertha-Fans nur Oberliga-tauglich. Dort gibt es auch eine Hertha (CFC HERTHA 06)

  7. 39.

    Nicht die Spieler sollten Ihr Trikot ausziehen,sondern diese "Fans" . Man steht immer hinter seinem Verein, und gerade in schlechten Zeiten. Gruß aus der Altan Försterei.

  8. 38.

    Bin einfach fassungslos. Echt mal. Mit hertha hat man als echter normaler Fan sein Leid.
    Mit den anderen "Fans sollte der Verein hart sich auseinander setzen uva die Schlimmsten mit Ausschluß aus der Kurve belangen. Diese Chaoten boykottieren seit der Pandemie alles und jetzt soetwas. Trotz toller Choreo kann man nicht den
    angerichteten Imageschaden nicht akzeptieren.Fassungslos auch über den sang und klang
    losen Abgang des Kapitäns. Was sollte das Boyata??? Die Spieler brauchen einen Leader.

  9. 37.

    Wenn der Verein solches Verhalten von "Fans" zulässt, wird sich der eine oder andere Spieler überlegen, ob er bei dem Verein noch mitspielen will. Zu recht!

  10. 36.

    Kann/soll doch der rbb recherchieren, wer ist dieser selbsternannte Ober-"Ultra", wie kommt der in den Innenraum, warum versagt der "Sicherheitsdienst"?, Für mich nach StGB §240 Nötigung oder versuchte Nötigung, StGB §123 Hausfriedensbruch usw. ... was kommt als nächstes , Spieler werden vom Verein wegen Vereinsschädigung abgemahnt, Spieler über den Platz jagen??? Arme Hertha... Was ist wenn der Sponsor Geldhahn zudreht? Wo kommt der Anspruch her, DER Hauptstadtclub zu sein?
    Zum Schluss heißt es dann... "Macht euch euern Dreck alleene!"
    P.s. U.N.V.E.U. Grüße aus der Lausitz

  11. 35.

    Na, da kennt sich ja einer aus und kennt jeden Herthafan so genau , um einen Unterschied zu definieren. Und ist zu dem noch natürlich bei den einzigartig kultigen, schon seit Jahrzehnten in großer Zahl existierenden Unionfans.

  12. 34.

    Wenn diese Aktion jetzt die Spieler nicht „motiviert“ alles gegen den Abstieg zu tun, dann weiß ich auch nicht weiter.
    Da haben sich die Ultras wohl schon für Liga 2 entschieden. Ich denke die wenigsten Spieler werden bei Hertha bleiben. Mit solchen „Fans“ im Rücken fällt der Abschied leicht.

  13. 33.

    Wenn sich Vereine durch Leistung ein Stadion "verdienen" müssten, hätte mancher Verein keins! Bissi unsachlich, oder......?

  14. 32.

    Die Bilanz zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem BF* D***** sieht folgendermaßen aus: Wir spielen in der 1. Bundesliga - und die in der vierten!
    Letztes Duell 2005/06 8:0 und 1:1 (2:0 am grünen Tisch, weil provozierter Spielabbruch durch die "Kameraden" aus Hohenschönhausen).
    Was in der DDR-Oberliga an Wettbewerbsverzerrung abging, werden Sie als fairer Sportskamerad ja wohl objektiv einschätzen können, oder!?

  15. 31.

    Eiserne Stadionregeln:
    Pfeife nie die eigene Mannschaft aus.
    Gehe nie vor Abpfiff aus dem Stadion.
    Mache niemals einen aus dem Team zum Sündenbock.
    Heiserkeit ist der Muskelkater der Unioner.

    Und so kenne ich das aus der Alten Försterei.


  16. 30.

    Das könnte auch einer vom Sicherheitsdienst bzw. ein 'Spezial-Ultra' sein, der mit diesem verbandelt ist.

  17. 29.

    Wie ist denn dieses aggressive Ultra in den Innenraum und an die Spieler gekommen? Gibt es da keinen ordentlichen Sicherheitsdienst?

  18. 28.

    Delete and Reset HBSC. Einmal Hertha, immer Hertha, egal wo und wie ...
    Gratulation UB. Die Hertha wird es auch wieder schaffen...
    Wie sieht eigentlich aktuell die Bilanz zwischen dem UB und dem BFC aus ?

  19. 27.

    Komisch, dass nur die Empörten Eingang in die sozialen Medien gefunden haben. Da fällt es den Redakteuren von rbb24 nicht schwer, nur diese hier abzubilden.
    Ich bin auch empört, nein, es belustigt mich geradezu, wie sich die Hertha-Fans an das totgerittene Pferd Hertha BCC klammern - die Kapelle, die beim Untergang der Titanic bis zuletzt spielte.

  20. 26.

    ...generell ein Problem bei Hertha seit Jahrzehnten:
    Viele angebliche Fans, die sich für erstklassig halten, aber meist nicht einmal Kreisliganiveau haben und stets das Fähnchen nach dem Wind drehen...
    Schätze mal, dass Sie in Zukunft im Stadion niemand wirklich vermissen wird!

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