Remis gegen den Bundesliga-Absteiger - Union lässt gegen Fürth wichtige Punkte im Kampf um Europa liegen

Fr 29.04.22 | 22:35 Uhr
  3
Unions grischa Prömel im Zewikampf gegen Fürth (Bild: Imago/Matthias Koch)
Audio: rbb24 Inforadio | 29.04.2022 | Guido Ringel | Bild: Imago/Matthias Koch

Union Berlin ist gegen Greuther Fürth nicht über ein 1:1-Unentschieden hinausgekommen. An der Alten Försterei zeigten sich die Berliner lange zu passiv und verpassten so einen wichtigen Sieg im Kampf um Europa. Von Jakob Lobach

Union Berlin hat einen fest eingeplanten Sieg verpasst: Gegen die SpVgg Greuther Fürth hieß es im Stadion an der Alten Försterei am Ende des 100. Bundesligaspiels der Unioner seit deren Aufstieg nur 1:1. Nach einer schwachen ersten Halbzeit der Gastgeber brachten erst zahlreiche Wechsel Leben ins Berliner Spiel. Joker Sven Michel sicherte seiner Mannschaft schlussendlich das Unentschieden.

Eine Woche nach dem überzeugenden 2:1-Sieg im Ligaspiel bei RB Leipzig nahm Trainer Urs Fischer nur minimale Anpassungen an seiner Startelf vor. Weil Mittelfeldmann Andras Schäfer mit einer Coronainfektion nicht zur Verfügung stand, nahm Fischer den Japaner Genki Haraguchi zurück in die Startelf. In dieser stand abermals auch Torwart Frederik Rönnow, der sich im Duell mit Andreas Luthe als neue Nummer eins im Kasten der Köpenicker durchgesetzt hat.

Union lange zu passiv

Von seinem Tor aus konnte Rönnow in der Anfangsphase einen sehr zurückhaltenden Unioner Start ins Spiel beobachten. Statt selbst etwas für das Spiel zu tun, ließen die Gastgeber das Fürther Tabellenschlusslicht zu Beginn mit Ball munter kombinieren. Und so spielte sich auch die erste halbwegs aussichtsreiche Strafraumszene in der Hälfte Unions ab. Nach einer Hereingabe von Simon Asta stand Branimir Hrgota in der zehnten Spielminute plötzlich sträflich frei vor dem Berliner Tor, traf den Ball beim Versuch einer Direktabnahme jedoch nicht.

Nur eine Minute später wurde dann auch Union das erste Mal offensiv ein wenig aktiver und direkt auch gefährlich: Nach einer Spielverlagerung auf die rechte Seite, schlug Christopher Trimmel – wie zuletzt schon gegen Leipzig – eine Flanke passgenau in die Mitte des Fürther Strafraums. Der dort eingelaufene Taiwo Awoniyi kam bedrängt von Fürths Viergever auch an den Ball, setzte seinen Schuss jedoch knapp am rechten Pfosten vorbei. Es sollte die einzige Unioner Chancen in Halbzeit eins bleiben.

So waren es in der Folge weiterhin die Gäste, die das Spiel machten und sich jetzt auch immer bessere Chancen herausspielten. Die erste gehörte dabei Tobias Raschl, der einen Schuss von halbrechts aus gut 20 Metern stramm an die Unterkante der Latte setzte. Exakt eine Viertelstunde später machte bereits erwähnter Branimir Hrgota es dann besser und brachte eine Kopfballabwehr von Robin Knoche aus ähnlicher Position ähnlich wuchtig links im Köpenicker Tor unter. Und weil es der Mannschaft von Urs Fischer auch anschließend nicht gelang, das eigene Spiel entscheidend zu beleben, ging Union mit einem 0:1-Rückstand in die Kabine. Angesichts von 7:1-Schüssen und klaren Vorteilen beim Ballbesitz für Greuther Fürth war dies auch durchaus verdient.

Fischers Wechsel zeigen Wirkung

Sowohl in der Halbzeitpause als auch im Verlauf der zweiten Hälfte versuchte Fischer dann, das Spiel seiner Schützlinge mit verschiedenen Wechseln etwas zu beleben. Bereits die Hereinnahme von Andreas Voglsammer zur Pause zeigte Wirkung. Union tat jetzt mehr für die Partie, tauchte allen voran in Person von Awoniyi immer öfter vor dem Fürther Strafraum und auch in diesem auf. Wirklich gefährlich oder gar zwingend wurden die Gastgeber herbei zunächst jedoch nicht. Ein Umstand, der sich in der 70. Minute änderte.

Da brachte Fischer mit Sven Michels und Kevin Behrens die beiden Akteure, die schon gegen Leipzig für die Wende gesorgt hatten, und bewies dabei erneut ein glückliches Händchen. Gerade einmal 128 Sekunden war das Duo auf dem Rasen, als Michel den Fürther Viergever nach einem undankbaren Pass von dessen Torwart aggressiv anlief. Einen erfolgreichen Zweikampf später, musste Sven Michel den Ball von der Grenze des Fünfmeterraums nur noch ins leere Fürther Tor einschieben.

Die letzte Viertelstunde über zeigte Union dann nochmal den Willen, sich doch noch die drei wichtigen Punkte im Kampf um die europäischen Plätze zu erarbeiten. Die Spielweise der Köpenicker blieb offensiv, das Spiel war jetzt ereignisreicher. Ein Tor resultierte aus den Bemühungen der Gastgeber in den Schlussminuten allerdings nicht mehr. So stand am Ende ein Unentschieden, mit dem die Berliner – gemessen an den eigenen Ansprüchen und dem Blick nach Europa – sicherlich weniger zufrieden sein dürften als ihre Fürther Gäste.

Die Kurzanalyse

Union zeigte sich trotz seiner Favoritenrolle und einem Plus an individueller und spielerischer Qualität lange Zeit erstaunlich passiv. Insbesondere in der ersten Halbzeit machten die Berliner kaum etwas für das Spiel und ließen ihre Kontrahenten oft und viel gewähren. "Die erste Halbzeit war einfach nicht gut", befand auch Urs Fischer nach Spielende und ergänzte: "Ich glaube, es war glücklich, dass wir da nur 1:0 zurücklagen." Und Unions Trainer wurde auch konkret, als es um die Frage ging, was genau denn nicht gestimmt hätte: "Wir waren nicht griffig, nicht in den Zweikämpfen, das Spiel mit dem Ball und auch ohne den Ball war nicht da, das Positionsspiel ungenügend."

Erst durch die Einwechslungen in der Pause und danach spielte Union gegen den Abstiegskandidaten wie ein Europapokal-Kandidat. Die Gastgeber agierten jetzt offensiver und deutlich druckvoller. Dennoch ließ Union auch in Halbzeit zwei die nötige und zuletzt in größerem Maße vorhandene offensive Durchschlagskraft vermissen. So entstand der Treffer zum Ausgleich durch Sven Michel zwar auch aus dessen Defensivengagements heraus, war vor allem aber ein Produkt eines Fürther Patzers.

Der Liveticker zum Nachlesen

Sendung: rbb24, 29.04.2022, 21:45 Uhr

3 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 3.

    ...genauso ist es. Gaaanz ruhig liebe Unioner. Da unsere Kicker auch nur Menschen sind und Kopf sowie Tagesform (evtl. Schiris) nicht zu unterschätzen sind, war das ergebnistechnisch nicht toll, aber das (Fußball-) Leben geht weiter. Blos jetzt nich nervös werden und die Erwartungshaltung zu hoch schrauben. Wir haben nach wie vor alles in der eigenen Hand (Fuss). Lasst Urs nur machen. Nach dem 34. ST wird abgerechnet. Und wennwir 8. werden. Na und !!!

  2. 2.

    Es war sicherlich nicht das beste Spiel von Union aber es ist alles im Plan. Letzte Woche gegen Leipzig hat keiner mit einem Sieg gerechnet, da wäre ein Unentschieden als Erfolg verbucht worden und ein Sieg gegen Fürth als Selbstverständlichkeit erwartet worden. Nun ist es umgekehrt gekommen. Was soll? So viel Punkte wie jetzt hatte Union in der Bundesliga noch nie. Es gibt also nichts zu jammern

  3. 1.

    Ja, das kann passieren - es gibt Mannschaften in allen Ligen, die trotz sehr unterschiedlichen Möglichkeiten immer wieder für überraschende Ergebnisse sogen. Davon lebt der Fußball - sonst könnte man das Ergebnis vorher bekanntgeben.

    Und mal ehrlich: Union braucht nun wirklich nicht in die Champions-League. Das ist dann doch wohl zwei Nummern zu hoch gegriffen.
    Wer steht übrigens nächste Saison noch für Union? Da bleibt vom aktuellen Team eh nicht viel übrig ... und dann geht's wohl wieder gegen den Abstieg. Auch langjährige Erstliega-Teams, wie Augsburg, bekommen bisweilen Sorgen.

Nächster Artikel