Interview | Alba-Eigengewächs Malte Delow - "Bei Alba wirst du von Anfang an ins kalte Wasser geschmissen"

Mi 25.05.22 | 18:22 Uhr
Alba-Spieler Malte Delow beim Dunking. (Bild: IMAGO / Andreas Gora)
Bild: IMAGO / Andreas Gora

Alba Berlin hat souverän das Halbfinale in den Play-offs der Basketball-Bundesliga erreicht. Eigengewächs Malte Delow sagt im Interview, was das Team aktuell so stark macht, und spricht über den Matchplan gegen den kommenden Gegner Ludwigsburg.

Beim Viertefinal-Durchmarsch gegen Brose Bamberg war Guard Malte Delow einer der Leistungsträger. Der gebürtige Berliner hat sich unter Coach Israel Gonzalez zu einer festen Größe im Team entwickelt.

rbb|24: Herr Delow, zwischen der erfolgreichen ersten Play-off-Runde gegen Brose Bamberg und dem am Freitag beginnenden zweiten Runde gegen die Riesen Ludwigsburg liegen acht Tage Pause. Was tun Sie, um die Spannung aufrecht zu halten?

Malte Delow: So viel Zeit zwischendurch hatten wir in der gesamten Saison nicht, auch aufgrund der zwischenzeitlichen Doppelbelastung durch die Euroleague. Wir versuchen, einfach weiterzutrainieren und dadurch unsere Spannung hochzuhalten. Wir trainieren mehr als unter der Saison, auch ein bisschen mehr mit Kontakt.

Was erwarten Sie vom nächsten Gegner, den Riesen Ludwigsburg?

Sie werden uns auf die Nerven gehen, glaube ich. Ludwigsburg versucht, defensiv viel Alarm zu machen und offensiv eins gegen eins zu spielen, in die Zone zu kommen. Das müssen wir irgendwie verhindern.

Hat man schon Lehren gezogen aus den Hauptrunden-Spielen gegen Ludwigsburg, die Alba beide verloren hat?

Da hat uns das Fullcourt-Pressing der Riesen etwas rausgebracht. Wir haben uns deren Tempo aufdrängen lassen. Ich glaube, für uns wäre es besser, wenn wir schnell spielen und wie gegen Bamberg immer schnelle Lösungen finden. Das ist unser Spielstil. Wir müssen versuchen, dem Spiel unseren Stempel aufzudrücken.

Wenn Sie sich den furiosen 3:0-Seriengewinn gegen Brose Bamberg vergegenwärtigen - was sehen Sie als Hauptgrund dafür, dass Alba so überlegen aufgetreten ist in der ersten Play-off-Runde?

Wir konnten schnell spielen. Bamberg ist oft mit vielen Leuten zum Offensiv-Rebound gegangen. Wir sind aber eine sehr gute Mannschaft, wenn es um Defensiv-Rebounds geht. Sobald wir die Rebounds gesichert hatten, und gleichzeitig so viele Gegenspieler zum Offensiv-Rebound gegangen sind, entstehen Lücken in der defensiven Transition. Da haben wir viele Möglichkeiten gefunden, so ein Spiel in unsere Richtung zu lenken.

Dass es momentan so gut klappt, damit habe ich selbst auch nicht gerechnet.

Malte Delow

Rekordverdächtige 104,7-Team-Punkte in Schnitt, eine Team-Dreierquote von mehr als 40 Prozent. Sind Sie und Ihre Teamkollegen eigentlich selbst überrascht, was alles reinfällt?

Überrascht nicht. Wir wissen ja, dass wir viele gute Schützen haben und dass wir immer jemanden haben, der den Ball reinschmeißen kann. Natürlich muss man sagen, dass es im dritten Spiel gegen Bamberg schon beeindruckend war, was wir besonders in der ersten Hälfte alles getroffen haben. Darauf kann man sich aber nicht immer verlassen. Deswegen müssen wir gegen Ludwigsburg weiter den Korb attackieren und auch dort Lösungen finden.

Wie bewerten Sie Ihre eigene Performance?

Ganz gut. Die Würfe fallen und ich habe viel gespielt. Es freut mich natürlich, dass ich dem Team helfen konnte. Es macht im Moment auf jeden Fall sehr viel Spaß, aber es ist auch nicht das erste Mal, dass ich Play-offs spiele.

Wie fühlt sich das für Sie an, Leistungsträger eines Klubs zu sein, für den Sie seit Kindheitstagen spielen?

Es ist ein tolles Gefühl, zumal mir unser Coach und die Mannschaft so viel Vertrauen schenkt. Ich versuche, einfach mein Ding zu machen und dem Team zu helfen, und dass es momentan so gut klappt, damit habe ich selbst auch nicht gerechnet.

Sie haben zweistellig getroffen (10,3 Punkte), sammelten dazu 4,7 Rebound - Ihre Formkurve zeigt weiter nach oben. Wie ist es zu erklären, dass sich ein junger Spieler wie Sie beim einem mit Top-Spielern gespickten Klub wie Alba so gut entfalten kann?

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle. Zunächst einmal ist da die Philosophie von Alba, dass man junge Spieler entwickeln möchte. Das war unter Aito Garcia Reneses so und das führt Israel Gonzalez nun fort. Wenn man das Gefühl hat, man bekommt eine Chance, gibt einem das zusätzlich Auftrieb. Darüber hinaus ist unsere Mannschaft, mit den vielen alten Führungsspielern, ziemlich einzigartig. Die haben einen nie als jungen Spieler betrachtet, sondern immer als Teil des Teams. Bei Alba wirst du zwar von Anfang an ins kalte Wasser geschmissen, es wird dir aber auch viel geholfen. Du kannst Erfahrungen sammeln, aber es wird dir auch die Chance gegeben, Fehler zu machen. Das zahlt sich am Ende aus.

In den jüngsten Partien war zu beobachten, dass Alba die Begegnungen oft frühzeitig entscheiden konnte. Könnte das zum Nachteil werden im Play-off-Schlussspurt, bei dem womöglich enge Fights und Nervenstärke gefragt sind?

Das glaube ich nicht. Wir hatten in der Saison, gerade in der Euroleague, viele enge Spiele gegen sehr gute Gegner zu überstehen. Klar, haben wir auch mal verloren, aber wir haben dort viel Erfahrungen sammeln können und viel Selbstvertrauen erarbeitet, dass wir auch solche engen Spiele gewinnen können. Die Play-off-Runde gegen Bamberg war natürlich nicht ganz so spannend.

Wir harmonieren einfach sehr gut zusammen, auch dann, wenn es mal nicht so läuft.

Malte Delow

Nach den Umbrüchen im Kader und Trainer-Stab im vergangenen Sommer ging Ihr Klub eher vorsichtig mit dem Begriff Titelverteidigung um. Worauf führen Sie zurück, dass sich das Team so schnell gefunden hat und nun erneut als heißer Titel-Anwärter gelten darf?

Vor der Saison gab es bei uns sicher viele Fragezeichen: neuer Trainer, viele Leistungsträger weg. Wichtig war, dass wir mit Luke Sikma jemanden an der Spitze hatten, der immer an unser System geglaubt hat. Die neuen Spieler wurden gut aufgenommen, wie etwa ein Jaleen Smith, der am Anfang sicher seine Probleme hatte, aber das System mittlerweile voll verinnerlicht hat und sehr gut spielt. Wir harmonieren einfach sehr gut zusammen, auch dann, wenn es mal nicht so läuft.

Sie und das Team sind jung, 24,5 Jahre im Schnitt. Ihr eigener Vertrag läuft noch drei Jahre. Glauben Sie, dass die aktuelle Mannschaft das Zeug hat, eine neue Ära zu begründen?

Ich hoffe das. Natürlich weiß ich nicht, was im Sommer passiert. Soweit ich weiß, haben die meisten Spieler einen laufenden Vertrag über die Saison hinaus. Ich hoffe, dass wir den Kader zusammenhalten können und dass unser Trainer auch bleibt. Aber da gehört viel Arbeit dazu. Jetzt müssen wir erstmal gegen Ludwigsburg gewinnen und dann sehen wir, was im Finale geht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Shea Westhoff.

Sendung: rbb24 Inforadio, 25.05.2022, 16:15 Uhr

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