Interview | Eisbären-Profi Marcel Noebels - "Ich bin schon zur WM gekommen, um bis zum letzten Turniertag zu bleiben"

Mo 23.05.22 | 20:22 Uhr | Von Jakob Lobach
Marcel Noebels im Trikot der deutschen Nationalmannschaft (Bild: IMAGO / ActionPictures)
Bild: IMAGO / ActionPictures

Als einer von fünf Eisbären spielt Marcel Noebels aktuell mit der Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Finnland. Im Interview spricht er über hoch gesteckte Ziele, die Vorzüge eines Berliner Blocks und seine Zukunft bei den Eisbären.

rbb|24: Herr Noebels, fünf Siege haben Sie aus den bisherigen sechs WM-Vorrundenspielen mit der DEB-Auswahl geholt. Ein sechster Sieg am Dienstag (11:20 Uhr) wäre ein neuer Verbandsrekord. Was macht das deutsche Team bislang so stark?

Marcel Noebels: Wir haben uns sehr viel Selbstvertrauen erarbeitet, seitdem wir hier bei der WM zusammengekommen sind. Dazu haben wir schnell zusammengefunden und einen guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern. Es gibt Jungs, die besonders gut in Unterzahl spielen, Spezialisten für die Offensive und Spieler, die für ihre Offensive dabei sind.

Welche Rolle spielt Bundestrainer Toni Söderholm beim Vereinen dieser Qualitäten?

Das Gefühl des Bundestrainers stimmt einfach. Genauso die Art, wie er jeden einzelnen von uns einschätzt. Er hat jedem Spieler die richtige Rolle aufgetragen, die wir jetzt bis ins kleinste Detail erfüllen.

Am Dienstag gegen die Schweiz winkt sogar noch der Gruppensieg in Gruppe A. Wie präsent ist diese Aussicht im Vorfeld des Spiels bei Ihnen?

Wir wollen natürlich gerne Erster oder Zweiter werden. Das wäre sicherlich ein kleiner Vorteil. Aber wir müssen uns darauf fokussieren, ein gutes Spiel zu machen. Ob wir jetzt gewinnen oder verlieren: Das Wichtige ist, mit einem guten Gefühl ins Viertelfinale am Donnerstag zu gehen. Zumal die Schweiz für mich zu den Favoriten des Turniers gehört und um die Medaillen mitspielen wird.

Haben Sie mit der deutschen Mannschaft die Medaillen auch schon im Hinterkopf?

Ich bin schon zur WM gekommen, um bis zum letzten Turniertag zu bleiben. Der Anspruch, jedes Spiel gewinnen zu wollen, ist natürlich auch da. Trotzdem muss man vorsichtig sein. Man hat bei Olympia gesehen, wie schnell es nach hinten losgehen kann, wenn man die Messlatte und den Anspruch zu hoch setzt.

Es ist also eine Gratwanderung zwischen hoch und zu hoch gesteckten Zielen?

Genau. Wenn wir unser Bestmögliches abrufen, dann haben wir eine Chance zu gewinnen, egal wer uns gegenübersteht. Wir wissen aber auch, dass die WM für uns am Donnerstag genauso gut schon vorbei sein kann. Über Medaillen kann man sprechen, wenn wir am Freitag aufwachen und im Halbfinale stehen.

Sie sind einer von fünf aktuellen Eisbären im deutschen Team, dazu kommen zwei weitere Berliner in Leon Gawanke und Lukas Reichel. Hilft es, so einen Berliner Block im Nationalteam zu haben?

Das ist natürlich super. Alleine, weil wir Berliner Jungs mit viel Selbstvertrauen angereist sind. Wir haben bewiesen, dass wir in der Deutschen Eishockey-Liga zu den Besten der Besten gehören und so eine Meisterschaft pusht natürlich. Und auch für den Trainer wird die Arbeit natürlich einfacher, wenn er eine Berliner Reihe zusammenstellen kann, sie sich auf dem Eis einfach versteht.

Sie haben die Meisterschaft mit den Eisbären schon angesprochen. War sie auch einer der Gründe für Ihre Vertragsverlängerung in Berlin diesen Sommern?

Mit den Eisbären habe ich zuletzt alles erreicht, was geht – auch persönlich. Im gleichen Jahr die Meisterschaft zu gewinnen und als Spieler des Jahres ausgezeichnet zu werden, ist natürlich riesig. Das zu toppen, wird natürlich nicht ganz so leicht. Aber ich freue mich unheimlich auf die Zukunft. Bei uns in Berlin ist einiges im Gange, auf das man sich freuen kann.

Apropos freuen: Ihre Saison war einmal mehr eine sehr lange. Freuen Sie sich – aller WM-Euphorie zum Trotz – schon auf Ihren Urlaub vor der neuen Saison?

Wenn ich den so nötig gehabt hätte, wäre ich jetzt nicht hier in Finnland. Klar war es eine lange Saison, in der wir eine ganze Menge Eishockey gespielt haben. Aber man kann hier bei der WM auch nur etwas erreichen, wenn man bis zum Finaltag dabei ist. Und die vier Spiele, die schafft mein Körper auch noch.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jakob Lobach.

Sendung: rbb24 Inforadio, 24.05.2022, 12:15 Uhr

Beitrag von Jakob Lobach

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