"Fehlende Unterstützung" - Magath äußert im "Kicker" scharfe Kritik an Hertha BSC

Fr 27.05.22 | 09:53 Uhr
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Ex-Hertha-Traine Felix Magath. (Bild: IMAGO / Hübner)
Bild: IMAGO / Hübner

Nach dem geglückten Klassenerhalt lässt der scheidende Hertha-Coach Magath kein gutes Haar an Hertha BSC. Im Fachmagazin "Kicker" findet er klare Worte für das Krisenmanagement des Bundesligisten und sieht "strukturelle Probleme".

Herthas ehemaliger Trainer Felix Magath hat nach der geglückten Rettungsmission bei den Berlinern fehlende Unterstützung im Klub bemängelt. "Ich habe zufällig meinen Vorgänger Tayfun Korkut, als er Berlin verlassen musste, in der Hotel-Tiefgarage getroffen. Da haben wir kurz geredet", sagte der 68-Jährige dem Fußball-Fachmagazin "Kicker" (Freitagsausgabe). "Tayfun sagte mir, dass es für ihn schwer war, weil er überhaupt keine Hilfe hatte. Und ich kann nur sagen: Ich hatte in den neun Wochen auch das Gefühl, keine Hilfe zu haben."

Magath über Hertha: "Paragraph eins - jeder macht seins"

Hertha hatte am Montagabend durch ein 2:0 im Relegations-Rückspiel beim Hamburger SV den Abstieg in die 2. Bundesliga vermieden. Magath war Mitte März auf Korkut gefolgt. Nach der Relegation hatte er bekräftigt, nicht als Trainer bei den Berlinern zu bleiben.

Die Mannschaft habe er mit seinem Trainerteam so weit gekriegt, "dass sie zusammenhält", berichtete Magath. Aber "in der Breite" habe er nie das Gefühl gehabt, dass sich der Klub gegen den Abstieg wehre: "Ich habe fast nirgendwo Unterstützung gespürt." Beim VfB Stuttgart 2001, als man in einer ähnlich schweren Situation befand, sei eine breite Unterstützung dagewesen. "In Berlin war die Stimmung eher: Paragraph eins - jeder macht seins."

Geschäftsführer Fredi Bobic ist aus Magaths Sicht "einer der Leidtragenden" im Verein: "Er hat Probleme übernommen, die nicht erst seit letzter Woche da sind. Dieser Verein war jetzt das dritte Jahr hintereinander in der Nähe des Abstiegs. Das kam nicht plötzlich, sondern muss ein strukturelles Problem sein."

Ex-Trainer spricht sich für Boateng-Verbleib aus

Mit Blick auf den Kader riet Magath dem Klub, auch in der kommenden Saison auf Kevin-Prince Boateng zu setzen. "Er ist eine Figur, die der Fußball braucht - und vor allem Hertha BSC. Denn sonst ist Hertha nicht so reich gesegnet mit Typen."

Hertha werde wegen seiner Persönlichkeit "normalerweise nicht umhinkommen, ihn nächstes Jahr mitzunehmen", sagte Magath über den des 35-Jährigen, der auch wegen gesundheitlicher Probleme in der abgelaufenen Saison nur etwa die Hälfte der Spiele absolvieren konnte. "Natürlich ist er ein Gesicht und Symbol des Vereins. Dass er nicht ganz pflegeleicht ist, ist klar", so Magath weiter. Boateng hatte selbst erklärt, gerne bleiben zu wollen.

Am meisten zum Ligaverbleib beigetragen habe indes Marvin Plattenhardt, sagte der Ex-Coach. Der Linksverteidiger hatte vor der Ankunft Magaths einen schweren Stand, spielte längst nicht immer. In der kurzen Magath-Ära leistete Plattenhardt dann mit mehreren Tovorlagen, starken Standards und einem Treffer in der Relegation einen wichtigen Beitrag zum Klassenerhalt. "Er stellte sich immer zur Verfügung. Mit seinen Standards und seiner Effizienz hat uns Plattenhardt in der Bundesliga gehalten", lobte Magath und sagte zum entscheidenden Freistoß-Tor des einstigen Nationalspielers in Hamburg: "Wenn er wirklich den Winkel anvisiert hat, ziehe ich meinen Hut - und sage unabhängig davon: Das ist einer für (Bundestrainer) Hansi Flick."

Sendung: rbb24|Inforadio, 27.05.2022, 10:15 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Die Frage die sich mir stellt, ist ob Bobic in Frankfurt wegen deren gutem Umfeld funktionierte. Denn Magath beanstandete das in der jetzt abgelaufenen Saison. Und da war Bobic als Geschäftsführer Sport sein erster Ansprechpartner. Aus Stuttgart, Bobics erster Station, gab es ja ähnliche Vorwürfe. Bis hin zur Vetternwirtschaft. Und die hat man bei ihm ja bekanntermaßen immer.

  2. 11.

    Danke, Herr Magath, dass Sie diese heruntergekommene Vereinsführung noch einmal abgewatscht haben! Wenn es dem überfälligen Umbruch hilft, ist jede Blutgrätsche willkommen. Es war am Abend des Relegationserfolgs schon mehr als deutlich, wie wenig Lust auf eine Fortsetzung seiner Arbeit bei Hertha BSC der Retter hatte. Da kann man nur hoffen, dass mit dem Abgang von Gegenbauer und Schiller endlich etwas in Bewegung kommt. Es ist hohe Zeit!

  3. 10.

    Paragraph 1 galt auch schon vor 30 Jahren. Mein Schwager war von der SSB (StuttgarterStraßenbahn) zum Gedankenaustausch bei der BVG.
    Er war entsetzt, da denkt jeder nur an seine Abteilung.

  4. 9.
    Antwort auf [Klaus ] vom 27.05.2022 um 13:11

    Stimmt, er hätte es mitten im Abstiegskampf machen sollen, damit die Mannschaft so richtig aufgebaut wird...

  5. 8.

    Das passt eigentlich nicht zur sonst geübten Zurückhaltung von Magath. Will er Bobic damit unterstützen?

  6. 6.

    Ein Umbruch muss unbedingt folgen, umso höher ist Herrn Magaths Leistung zu bewerten, wenn er gegen Widerstand, bzw. fehlende Unterstützung das Ziel Klassenerhalt erreichen konnte. Vielleicht bringt Herr Bobic aus seiner Zeit in Frankfurt ja wieder etwas mehr Basisarbeit und Nähe zu den Fans ein und kann die alte Dame mit Geschick zu einer Größe wachsen lassen. Die gesunde Konkurrenz zwischen beiden Hauptstadtclubs wäre doch ein Gewinn.
    Einträchtige Grüße.

  7. 5.

    Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken, aber dass wissen wir in Bezug auf Hertha BSC hier in Berlin schon seit Jahren. Die Spieler haben mir zuletzt schon fast leidgetan. Umso mehr freue ich mich über den Klassenerhalt und kann nur hoffen, dass jetzt auch in der Hertha-Führung ein umdenken stattfindet und ein Neuanfang möglich ist.

  8. 4.

    ...und mit Ingo Schiller geht eines der Hauptprobleme dieses Vereins!Es besteht Hoffnung...Herrich ist genauso ein stinkender Fisch im Teich. Der wird leider bleiben, aber wenn's gut läuft, ist er auch bald weg. Dann ist der Resetknopf gedrückt und es kann der Wiederaufbau begonnen werden.
    Hahohe

  9. 3.

    Genau mein Eindruck, leider. Drücke Fredi Bobic die Daumen, dass er die richtigen Entscheidungen trifft. Hoffe auf eine konstruktive Mitgliederversammlung!

  10. 2.

    Ich wohne seit 1968 in Berlin und erlebe Hertha in allen Lagen.
    Nie hatte ich das Gefühl, der Vorstand identifiziere sich mit der Mannschaft . Immer hatte die Mannschaft für den Vorstand zu spielen. Wie soll da was wachsen ? Das gilt übrigens für den gesamten Verein. Hertha braucht einen Vorstand mit Herz !!!!

  11. 1.

    ....das hatte Kliensmann auch schon gesagt!!!

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