Nach einer 1:2-Niederlage gegen Mainz - Hertha BSC verpasst den vorzeitigen Klassenerhalt

Sa 07.05.22 | 20:35 Uhr
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Herthas Peter Pekarik im Spiel gegen Mainz 05 (Bild: IMAGO/Nordphoto)
Audio: rbb24 Inforadio | 07.05.2022 | Guido Ringel | Bild: IMAGO/Nordphoto

Hertha BSC muss im Abstiegskampf der Bundesliga weiter zittern. Am Samstag verloren die Berliner vor 70.000 Zuschauern ein turbulentes Heimspiel gegen Mainz 05 nicht unverdient mit 1:2. Von Jakob Lobach

Die Fußballer von Hertha BSC müssen im Abstiegskampf der Bundesliga weiter um den Klassenerhalt bangen. Am Samstagabend unterlagen die Berliner in ihrem letzten Heimspiel der Saison gegen Mainz 05 mit 1:2. Einen Spieltag vor dem Saisonende hat Hertha so weiterhin vier Zähler Vorsprung vor dem VfB Stuttgart, der allerdings noch zwei Partien zu absolvieren hat.

Das erste Mal laut wurde es im Olympiastadion am Samstagabend bereits eine Viertelstunde vor dem Anpfiff. Da machten sich Herthas Akteure – einen knappen Monat nach der Aufforderung zum Trikotausziehen – zum ersten Mal wieder auf den Weg in die Ostkurve. Arm in Arm stellte sich die Mannschaft vor ihre Fans und erntete hierfür großen Applaus und laute Sprechchöre.

15 Minuten nach diesem versöhnlichen Schulterschluss startete die Hertha, bei der Marton Dardai und Vladimir Darida für Plattenhardt (Oberschenkelprobleme) und Richter (Erkältung) in die Startelf gerückt waren, mit viel Power in ihr letztes Heimspiel der Saison. Vom eigenen Anstoß weg, spielten die Gastgeber offensiv bemüht und defensiv zwar nicht übermütig aggressiv, aber doch druckvoll. So kam in der Anfangsphase auch Davie Selke nach einer versprungenen Mainzer Brustannahme zunächst an den Ball und anschließend zum ersten Abschluss des Spiels.

Schock in Minute 26

Auch in den Folgeminuten hatte Hertha dann etwas mehr vom Spiel. Die Berliner waren so offensiv zunächst aktiver als ihre Gäste, zwingend vor deren Tor schaffte es die Hertha aber auch nicht. Stück für Stück wurden dann auch die Mainzer stärker. In der 25. Minute war es dann ausgerechnet der zuletzt so sichere und wichtige Marcel Lotka im Tor der Berliner, der für eine kurze Schickstarre im Olympiastadion sorgte. Ein völlig ungefährlicher Schuss des Mainzers Silvan Widmer aus spitzem Winkel rutschte Lotka höchst unglücklich durch die Finger und durch eine denkbar kleine Lücke am Pfosten vorbei in dessen Tor.

Zehn Minuten später drohte es noch dicker zu kommen für die Hertha. Nach einem strammen Schuss des Mainzers Anton Stach aus rund 25 Metern lag der Ball erneut im Berliner Tor. Weil aber ein Mainzer im Abseits stehend Marcel Lotka die Sicht versperrt hatte, zählte der Treffer nicht. Und so bot sich Davie Selke in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit sogar die Chance, für den Ausgleich zu sorgen.

Selke beschert den Ausgleich

Nach einer Ecke der Berliner hatte sich der Kölner Keller bei Schiedsrichter Patrick Ittrich gemeldet. Weil der Mainzer Niakhate Herthas Dedrick Boyata beim Kopfballversuch in die Ferse getreten war, gab es Elfmeter für die Gastgeber. Selke trat an, schoss den Ball platziert und hart unten links ins Tor und stellte so noch vor der Pause auf ein etwas schmeichelhaftes Unentschieden.

Nach einer Hertha-Chance zum Start in Halbzeit zwei hieß es für die Berliner in der 52. Minute aber erst einmal wieder: durchatmen. Zum dritten Mal lag der Ball im Tor von Marcel Lotka, zum zweiten Mal zählte der Mainzer Treffer nicht. Stürmer Karim Onisiwo hatte den Ball vor seinem Schuss offensichtlich mit der Hand geführt, sodass des mit Freistoß Hertha weiterging.

Bell köpft Mainz zum Sieg

Die ohnehin schon umkämpfte Partie wurde jetzt noch intensiver. Hinten klärte Marc-Oliver Kempf gleich zweimal in brenzligen Situationen, aber auch nach vorne wollte Hertha jetzt mehr. Auch Felix Magath reagiert noch einmal und brachte Maximilian Mittelstädt und Ishak Belfodil für Prince Boateng und Suat Serdar.

Und doch waren es im Anschluss die Gäste, die mehr vom Spiel hatten. Fast minütlich erhöhten die Mainzer den Druck auf Herthas Defensive. Und so gingen die Rheinland-Pfälzer zehn Minuten vor dem Ende nach einer Ecke erneut in Führung. Bei einem platzierten Kopfball von Stefan Bell hatte Herthas Lotka keine Chance.

Weil ein Schuss des eingewechselten Luca Wollschläger nur an den Pfosten klatschte und ein Treffer von Davie Selke wegen eines durchaus strittigen Foulpfiffes nicht zählte, stand schlussendlich eine bittere, aber insgesamt verdiente Niederlage für die Hertha. Dennoch: Sollte der FC Bayern morgen sein Spiel gegen den VfB Stuttgart gewinnen, könnte die Hertha auf der heimischen Couch den Klassenerhalt feiern.

Die Kurzanalyse

"Wir waren nicht im Spiel heute – von der ersten Minute bis zum Ende", erklärte ein sichtlich enttäuschter Prince Boateng nach dem Spiel. Herthas Routinier hatte recht mit dieser Einschätzung. Kämpferisch konnten sich die Berliner nicht viel vorwerfen, aber spielerisch agierten sie zu ungefährlich und zu wenig zwingend. So fehlte es gegen defensiv gut strukturierte Mainzer gleichermaßen an offensivem Tempo und Kreativität. Hertha verpasste es trotz mehrerer Möglichkeiten, sich hochkarätige Chancen herauszuspielen. Zu oft wurden Konter nicht sauber ausgespielt, Pässe nicht genau genug oder zu langsam an den Mann gebracht.

Insgesamt wirkten die Berliner – wenig überraschend – etwas gehemmter, weniger selbstsicher als ihre Mainzer Kontrahenten. So war das Hertha-Angriffsspiel von einer gewissen Hektik geprägt, die sich im Mainzer Spiel nicht beobachten ließ. Dass der Schuss von Wollschläger in den Schlussminuten nur an den Pfosten schlug und Hertha so ein durchaus wichtiger Punkt verwehrt blieb, ist dennoch bitter.

Das Spiel im Liveticker

Sendung: rbb24, 07.05.2022, 21:45 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Tja, lieber Gerd, das war dann wohl nichts - ich war schon vorher sehr skeptisch. Nach der Ibiza-Sause der Bayern habe ich nicht die richtige Einstellung bzw. den unbedingten Willen zum Sieg erwartet. Andererseits ist die kämpferische Leistung der Stuttgarter auch aller Ehren wert und im Vergleich hat Hertha wohl weniger in der ersten Liga zu suchen als die. Gegen Dortmund ist aus meiner Sicht nichts zu holen und dann holt Hertha vielleicht die katastrophale Torbilanz ein (auch dazu hatte ich schon innerfamiliäre Diskussionen, weil ich schon lange gesagt habe, dass das mal wichtig werden könnte). In der Relegation würde ich jedenfalls keine Cent auf Hertha setzen (sorry).

  2. 15.

    Tja Gerd, wer weiß? Auf "ein letztes Spiel" zu hoffen ist Ergebnis eines Versagensfußballs der nicht erst heute begann. Es gibt das Sprichwort vom Fisch und dessen Kopf ... - da liegt das Problem. Ich denke: Angesichts der sportlichen Leistung gibt es nur (noch) einen Hauptstadtclub - und der residiert in Köpenick. Hertha würden Abstieg und Neuaufbau von oben nach unten gut tun - dann sollen sie einen Aufstieg erkämpfen, danach können die meinetwegen auch Meister werden ...

  3. 14.

    Zitat: "Hertha erspart einem nichts. Jetzt muss ich auch noch Bayernfan werden für einen Tag... ;)"

    Och naja, Stefan, die Bayern werden auch ohne dass Sie heute Brezn und Weißbier bereitstellen gegen den VfB gewinnen und Hertha den Podex retten. Da bin ich mir seehr sicher.

  4. 13.

    Ich denke das Hertha den 15. Platz halten wird.

  5. 12.

    Es schon schade,wie sich die Hertha um den Klassenerhalt bemüht.Da müssen die Bayern einen
    Sieg gegen den VFB Stuttgart einfahren.Obwohl die Bayern letzte Woche selber 1:3 gegen den
    Mainz 05 verloren haben.

  6. 11.

    Das weiß ich,
    Trotzdem hat Mainz mit der Pfalz genauso wenig zu tun wie Berlin mit dem Ruhrpott
    RLP hat noch Rheinhessen, wo auch Mainz liegt , Hunsrück, Mosel Eifel,Westerwald und natürlich die Pfalz
    Zum Spiel, war halt nochmal ein Rückschlag, ich glaube nicht das Stuttgart in München gewinnt

  7. 10.

    Spielerisch hat sich unter Magath rein nichts geändert! Das es vielleicht heute für den Klassenerhalt schon reicht, hat nicht mit dem Trainer zu tun, eher mit der Schwäche der gesamten Liga!

  8. 9.

    Toll! Dann besteht ja noch Hoffnung, den Relegationsplatz zu erreichen.

  9. 7.

    Sollten die Süddeutschen sich heute auf ein Unentschieden einigen....?!
    Dann wird es ganz schwer gegen den „ großen „ BVB !
    Träum weiter BCC !

  10. 6.

    Hertha erspart einem nichts.
    Jetzt muss ich auch noch Bayernfan werden für einen Tag... ;)

  11. 4.

    So ein wichtiges Spiel muss gewonnen werden. Ich verstehe die Einstellung der Spieler nicht. Da fehlt das Aufbäumen gegen die Relegation. Vielleicht fehlt der letzte Biss, weil die Spieler gedanklich auf die Bayern hoffen.

  12. 2.

    Wusste garnicht, daß Mainz in der Pfalz liegt

  13. 1.

    Hertha spielt einen so unglaublich schlechten Fußball. Zum verzweifeln!

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