Verein entschuldigt sich - Ticket-Frust bei Hertha-Fans vor dem Relegations-Hinspiel

Mo 16.05.22 | 21:50 Uhr
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Ein Blick über den Rasen im Berliner Olympiastadion (imago images/Eibner)
Audio: rbb|24 Inforadio | 17.05.2022 | Lars Becker | Bild: imago images/Eibner

Vor dem Heimspiel in der Relegation gegen den HSV hat es bei Hertha Probleme im Ticketverkauf gegeben. Unmut gab es dabei vor allem bei Dauerkartenbesitzern. Wie es dazu kam und wieso einige ein Olympiastadion in Hamburger Hand befürchten.

Woran entzündete sich der Unmut der Fans?

Am letzten Samstag um 17:27 Uhr pfiff Schiedsrichter Tobias Stieler in Dortmund ab. Hertha verlor mit 1:2 gegen den BVB, während sich Stuttgart in letzter Minute gegen Köln durchsetzte und die Berliner somit in die Relagtion schickte. Nur eine Stunde später, um rund 18:30 Uhr, startete der Ticket-Vorverkauf für Mitglieder für das Hinspiel der Relegation im Olympiastadion (Donnerstag, 20:30 Uhr).

Hier begann der Unmut der Anhänger. Denn zunächst wurden auch die Dauerkarteninhaber und diejenigen aufgefordert, neue Tickets für die Partie käuflich zu erwerben, die sich das Fünf-Spiele-Paket zum Saison-Endspurt gesichert hatten. Aus Sorge ihre Saisonkarten hätten in der Relegation keine Gültigkeit, kamen einige Fans dem Aufruf nach.

Wie entwickelte sich die Situation weiter?

Nachdem einige Herthaner ihren Frust darüber in den sozialen Netzwerken mitteilten, ruderte der Verein noch am selben Abend um 20:12 Uhr zurück und erklärte, dass Dauerkarten oder Fünf-Spiele-Pakete auch in der Relegation ihre Gültigkeit behalten würden. Das Problem: Manche der Fans hatten nun schon längst zusätzliche Tickets erworben.

Um rund 22 Uhr bekamen Saisonkarteninhaber dann vom Verein einen Code per Mail zugesandt, der zur Auswahl einer Freikarte im Online-Shop berechtigte. Die Situation schien sich zu entspannen. Die Fans gingen davon aus, die kostenlosen Tickets dafür nutzen zu können, weitere blau-weiße Anhänger ins Olympiastadion zu holen, um für eine größtmögliche Unterstützung zu sorgen. Solche Freikarten-Aktionen hatte es bereits an den letzten Saisonspieltagen gegeben.

Was von Vereinsseite für einen Teil der Fans anscheinend nicht ausreichend kommuniziert wurde, war, dass Saisonkarteninhaber den Code dafür nutzen sollten, sich ihr eigenes Ticket zu holen. Denn parallel zum Start des freien Verkaufs am Montagmittag veröffentlichte Hertha die Information, dass die Dauerkarten allein nicht zum Eintritt ins Olympiastadion zum Hinspiel gegen den HSV berechtigen würden.

Manche der Hertha-Fans mit Dauerkarte, die sich darauf verlassen hatten, wie gewohnt ins Stadion zu kommen, standen nun gänzlich ohne Ticket da, weil sie ihre Codes bereits weitergegeben hatten. Da der freie Verkauf bereits lief, waren ihre angestammten Plätze teilweise schon verkauft und sie mussten nun auf andere Sitze im Olympiastadion ausweichen.

Wie reagierte Hertha BSC?

Auf Twitter reagierte Herthas Geschäftsführer-Finanzen Ingo Schiller auf die Wut eines Fans und räumte Fehler ein:

Auf rbb-Anfrage teilte Hertha außerdem mit, dass es einen internen Fehler bei dem Vorhaben gegeben habe, möglichst zeitig noch am Samstagabend den Ticketverkauf zu starten und zu kommunizieren. Dafür habe man sich entschuldigt und die Situation umgehend korrigiert.

Welche Sorgen gibt es beim freien Vorverkauf?

Durch die Probleme im Mitglieder- und Dauerkarteninhaber-Verkauf und den frühen Beginn des freien Verkaufs kam bei vielen Hertha-Anhängern die Sorge auf, dass möglicherweise extrem viele HSV-Fans an Tickets in neutralen Blöcken gelangen könnten und man im Olympiastadion ein ähnliches Szenario erleben könnte, wie es beim Auswärtsspiel von Frankfurt in Barcelona der Fall war. Dort hatten es rund 25.000 Eintracht-Supporter geschafft, an Tickets im Camp Nou zu kommen.

Gegenüber dem rbb stellte Hertha hierzu klar, dass Dauerkarteninhaber und Mitglieder ab Samstagabend bis Montag um 12 Uhr ein exklusives Vorverkaufsrecht für bis zu acht Tickets gehabt hätten. Dann habe der freie Verkauf begonnen, da bis dahin noch nicht alle Tickets verkauft gewesen wären. Dieser Ablauf sei nicht ungewöhnlich gewesen und ähnlich wie bei anderen Spielen - zum Beispiel beim Derby gegen Union.

Ist ein Olympiastadion in Hamburger Hand zu befürchten?

Am Montagnachmittag waren alle 7.500 Tickets des Gäste-Kontingents binnen weniger Minuten vergriffen, dazu zählen die Blöcke G/H, 15-17 und eine Zusatztribüne I im Bereich des Marathontors, die bereits für das Relegationspiel aufgebaut und dann auch im DFB-Pokalfinale genutzt wird. Der offizielle Fanclub des Hamburger SV "HSV Inside" geht allerdings davon aus, dass deutlich mehr Anhängern am Donnerstag ihren Weg aus der Hansestadt nach Berlin finden. Nach dem Start des freien Verkaufs hätten sich viele Hamburger ein Tickets in den umliegenden Blöcken um den Gästebereich sichern können.

Ob die Zahl von 35.000 HSV-Fans allerdings realistisch ist, bleibt fraglich. Am Montagabend war es immer noch möglich, Tickets im Oberrang neben dem Gästeblock zu erwerben. Diese waren also noch nicht komplett ausverkauft.

Voll wird es aber auf jeden Fall werden. Im gesamten Stadion sind nur noch wenige Karten zu haben. Freie Plätze gab es am Montag nur noch in den Oberrängen, vor allem auf der Haupt- und Gegentribüne.

Sendung: rbb24, 16.05.2022, 21.45 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    Herrlich!
    Ich hoffe wirklich, dass der BCC den Abstieg vermeidet!
    Kein anderer Verein im deutschen Profifußball versteht es so gut, den neutralen Fan so blendend und ausdauernd zu amüsieren!
    Ganz Deutschland würde bei einem Abstieg in der nächsten Saison echt was fehlen!
    Danke an die Verantwortlichen für diesen neuerlichen Höhepunkt an Unterhaltung!

  2. 23.

    So-so, Tickets verkoofen könnse auch nich.

    Das ist ein Armutszeugnis.

    Aber eine großartige Lachnummer.

  3. 22.

    Als Hertha-Fan freue ich mich auf die Relegation. Denn insgeheim hoffe ich, dass wir absteigen und sich der Verein dann sich von innen her erneuert. Und zwar auf allen Ebenen! Das schließt die Fangemeinde mit definitiv ein. Sind wir doch ehrlich, seit Jahren geht es bergab, ohne sichtlichen Trend nach oben. Leider, folglich und logische konsequenz, der Abstieg. Nur so kann sich der Verein erneuern. Und hey, die Tickets in der 2. werden auch günstiger. Und ja, Respekt an die Unioner, gut gemacht

  4. 21.

    Das stand doch groß und breit auf der Homepage von Union. Von den 30.000 Zusschauern waren min. 6.000 Feyenoord-Anhänger. Hinzu kommt noch, dass Union die Tickets auch an Nicht-Mitglieder verkauft hat. Dadurch sind also auch noch neutrale Zuschauer im Stadion gewesen. Union würde im Oly doch regelmäßig untergehen, wäre es deren feste Heimspielstätte. Das muss man sich auch mal anhören, wenn man ständig gegen Hertha schießt. Allerdings scheint das Einstecken nicht zu den Stärken der Unioner zu gehören, die gerne von Hertha behaupten, dass der Verein abgehoben sei und dabei gar nicht bemerken wie unfassbar überheblich der Verein in seinem aktuellen (sportlichen) Erfolg ist.

    Zu der Ticket-Situation bei Hertha: Im VVK gingen bereits 50.000 Tickets an Herthaner. Ohne das ganze Chaos wären es wohl einige Tausend mehr gewesen und auch im freien Verkauf benötigt man auch bei Hertha ein Konto. Realistisch sind demnach 55-60k Herthafans und 12-15k vom HSV. Also völlig in Ordnung.

  5. 20.

    Sie beziehen sich auf das Spiel Rotterdam, wo haben Sie denn die Info her dass man 10!!!! Karten erwerben konnte/irre und total fehlinformiert aber geben Sie ihren Kommentar oder Senf bloß weiter

  6. 19.

    Ohje wat ein Kommentar.
    Fragen se mal die Brandenburger, wat die über zugezogene denken.

  7. 18.

    Na dann möchte ich ihren Tipp mit dem Senf dazu geben gerne zurückgeben:

    - Es gab begrenzte Kapazitäten, richtig. Die Grenze lag bei 25k. Und diese wurden nicht mal erreicht. Hier wird sich (oft von Eisernen) darüber lustig gemacht, dass Hertha keine 74k erreicht.
    - Zu dem Zeitpunkt war die aktive Fanszene von Union im Stadion. Der allgemeine Tenor bei Fans und Verein war es, die Coronabeschränkungen in Stadien aufzuheben und alles wieder aufzumachen. Es dürfte also nur wenige Unioner gegeben haben, die wegen Corona nicht gekommen sind. Selbst wenn man diese einrechnet (was natürlich wieder nur bei Union passiert, bei Hertha werden solche Faktoren nicht beachtet) sind 25k doch eigentlich nicht viel und sollte erreicht werden.

  8. 17.

    Sehen Sie, wenn Ihnen pauschal "Zugezogene zuwieder" sind - schreibt sich i.Ü. "zuwider", dann spricht das schon für sich selbst. Hertha hat offenbar auch noch die Fans die es verdient.

  9. 16.

    Ja,aber das ist mir völlig egal .bin auch kein ausgesprochener Hertha Fan . Vor allem nach dieser Saison . Aber in solch einer Notsituation da steht ein echter Westberliner hinter seiner Alten Dame ... ohne wenn und aber !

  10. 15.

    ......... schon mal Corona und begrenzte Kapazität gehört, bitte vorher überlegen und dann seinen Senf dazu geben, vielen Dank......eiserne Grüße

  11. 14.

    Mir als waschechten Berliner sind Herthaner zuwieder.
    Hart ist das Leben :)

  12. 13.

    Hoffentlich sind sie ein echter Berliner? Nicht das Ihre Vorfahren auch nicht aus Berlin kommen! Soll ja in den meisten Fällen so sein!

  13. 11.

    Dass Ihnen als Zugezogener Union sympathischer ist, ist klar. Union ist neben dem sportlichen vor allem in einem gut: Marketing. Dass man als "Außenstehender" Union als den sympathischeren Verein zwischen Hertha und Union aussucht, ist verständlich. Für mich als Urberliner wird es aber immer Hertha BSC sein.

  14. 10.

    Hmm, gegen Mainz waren 70k Leute im Stadion - und das lag ganz sicher nicht an Mainz. Wenn jetzt das Argument mit den Freikarten kommen sollte (wobei ich nicht verstehe, warum Leute mit Freikarten weniger wert sind als zahlende Fans), waren es 60k zahlende Leute. Gegen Mainz!

    Im Gegensatz dazu hat Union im Olympiastadion zB nicht mal 25k gegen Kuopion voll bekommen. Gegen Feyenoord hat Rotterdam mehr Tickets, als ihnen eigentlich zustanden, bekommen, obwohl Union-Mitglieder 10 Karten kaufen konnten. Union ist übrigens auch ein "Hauptstadtclub". Aber ich höre jetzt schon die Ausreden, warum dass bei Union alles gaaaaaanz anders ist und die gleichen Situationen nur bei Hertha peinlich sind. Der selbsternannte Kultclub ist halt nämlich gerade hip. :)

  15. 9.

    Hertha gehört in die 2. Liga, so wie zuvor der HSV! Allein der Umstand, dass der Verein dem Trainer 2 Millionen netto dafür zahlen würde, sollte er den Klassenerhalt sicher, ist so obszön, dass man der Mannschaft den Abstieg wünscht. Da ist mir als zugezogenem "Westdeutschen" Union drei mal sympathischer.

  16. 8.

    Ist es denn erstligareif, wenn man die Anderen so begünstigt, dass sie ein Auswärtsspiel zum Heimspiel machen können und die eigene Mannschaft nun zwei Auswärtsspiele hat? Steckt da mehr dahinter, weil jemand besondere Stärken anders interpretiert?

  17. 7.

    Das ist alles nichts Neues.
    Die Mitglieder zwischen 14 und 18 Jahren werden bei solchen Freikartenaktionen, wie es sie zum Saisonende gab, komplett vergessen. Sie bekommen weder Kids4Free-Karten, weil sie zu alt sind, noch Mitglieder-Freikarten, weil sie keine vollwertigen Mitglieder sind. Und die Aktionen werden regelmäßig erst nach Verkaufsstart publik gemacht, womit immer schon Karten verkauft werden, obwohl man sie gratis hätte bekommen können. Nachholbedarf bei Sport & Kommunikation.

  18. 6.

    Sind Sie sich da sicher ?
    An Ihrer Stelle würde ich da nochmal nachrechnen.
    Denn mir war nicht bewusst das, dass Olympiastadion eine Kapazität von mehr als 320.000 Plätzen hat !

  19. 5.

    Das Ding mit den Karten ist echt an Peinlichkeit nicht zu überbieten....
    "Der Verein entschuldigt sich dafür ..." Ich lach mich kaputt...

    Montag 23.05.2022
    22:24
    "Der Verein Hertha BSC entschuldigt sich bei seinen Fans und Mitgliedern für den Abstieg in die 2.Liga."
    Näheres wird auf der MV erklärt und alles ist wieder schön...

    Peinlich,peinlich...

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