0:1 gegen HSV - Hertha verliert Relegations-Hinspiel nach kuriosem Gegentor

Do 19.05.22 | 23:15 Uhr
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Hertha
Video: Sportschau | 20.05.2022 | Dietmar Teige | Bild: IMAGO/Jan Huebner

Umkämpft, zäh und knapp: Hertha startet in die Relegation mit einer Niederlage. Nach dem Seitenwechsel hatte sich eine Hamburger Flanke ins Hertha-Tor verirrt. Die Berliner waren engagiert, agierten in der Offensive aber erneut inkonsequent.

Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat das Relegations-Hinspiel verloren. Die Mannschaft von Trainer Felix Magath unterlag am Donnerstagabend im Berliner Olympiastadion gegen den Hamburger SV mit 0:1 (0:0). Den Treffer des Tages erzielte Ludovit Reis in der 57. Minute.

Zahlreiche Gästefans bejubeln HSV

Das Olympiastadion war nahezu ausverkauft. Dank einer Zusatztribüne am Marathontor, die bereits für das DFB-Pokalendspiel aufgebaut wurde, war das Fassungsvermögen für das Relegations-Duell auf 75.500 Zuschauer aufgestockt worden.

Wohl aufgrund des unorganisierten Karten-Vorverkaufs wanderten zahlreiche Tickets fürs Olympiastadion in die Hände von HSV-Anhängern, insgesamt dürfte die Anzahl der Gästefans bei rund 15.000 gelegen haben, was auch den im Vorfeld geäußerten Befürchtungen der Gastgeber entsprach.

Vor den Augen des Hertha-Trainers und HSV-Ikone Felix Magath agierte die Heimmannschaft zunächst abwartend, spielte eher horizontale als vertikale Pässe. Dabei mussten die Gastgeber ohne Torwart Marcel Lotka auskommen: Die Nummer eins der Berliner war wegen eines Nasenbeinbruchs und einer leichten Gehirnerschütterung nicht einsatzbereit. Trainer Felix Magath vertraute dem Dänen Oliver Christensen, der zuvor noch kein Pflichtspiel für die Hertha bestritten hatte.

Zwar kam Hertha in der ersten Viertelstunde vereinzelt zu Abschlüssen, doch mit zunehmender Spieldauer waren es nun die Hamburger, die sich ein leichtes Übergewicht erarbeiten konnten.

Belfodil trifft - doch steht im Abseits

Nach 33 Minuten hatte Hertha Glück, keinen Elfmeter-Pfiff kassiert zu haben: Bei einer Grätsche im eigenen Sechzehner kam Peter Pekarik mit der Hand an den Ball. Referee Harm Osmers analysierte allerdings beim Videobeweis zutreffend, dass zuvor in der Angriffs-Entstehung der Hamburger Maximilian Rohr seine Hand am Ball hatte. Dessen Regelvergehen wurde als ausschlaggebend gewertet.

Die Szene wirkte als Weckruf für die Hausherren, sie befreiten sich nun aus dem Hamburger Klammergriff. Nach 42 Minuten wäre Hertha mit dem ersten Tor-Abschluss beinahe in Führung gegangen, Belfodil hatte per Kopfball ins kurze Eck getroffen. Doch der Jubel währte nur kurz. Der Linienrichter entschied auf Abseits.

Eine Flanke senkt sich in Herthas Tor

In der 57. Minute erzielte der HSV ein denkwürdiges Führungstor. Miro Muheim stecke auf der linken Außenbahn durch zu Ludovit Reis, der den Ball aus spitzen Winkel von der linken Strafraumkante unhaltbar über Keeper Christensen hob. Ein überaus sehenswerter Treffer, der vom Urheber allerdings mehr als Flanke gedacht worden sein dürfte.

In der Folge drückten die Hausherren, bei denen in der zweiten Hälfte Sturm-Routinier Jovetic für den glücklosen 19-jährigen Luca Wollschläger eingewechselt worden war. Nennenswerte Torgelegenheiten waren jedoch nicht zu verzeichnen. Stattdessen konnten die Gäste immer wieder zu Kontern ansetzen, jedoch ebenfalls ohne wirkliche Effizienz.

Das von Tim Walter trainierte Gästeteam machte es im weiteren Spielverlauf clever, stand tief und konnte darauf vertrauen, dass die zündenden Idee in Herthas Offensive ausblieb - daran konnten auch die eingewechselten Maolida und Richter nichts ändern. Am Ende blieb es beim 0:1 - und der Erkenntnis, dass Hertha sich beim Rückspiel am kommenden Montag steigern muss, um den Klassenerhalt doch noch zu schaffen.

Das Spiel in der Kurzanalyse

Es war wie so oft in der abgelaufenen Saison: Hertha zeigte Einsatz, war phasenweise sogar überlegen - doch am Ende fehlte der geniale Gedanke in der Offensive. Und es kam auch noch Pech hinzu: Beim kuriosen Flanken-Gegentor durch Reis war Keeper Oliver Christensen machtlos. Ansonsten zeigte der Däne bei seinem Debüt eine gute Vorstellung, war als Torwart ein Ruhepol, konnte ansonsten alle Hamburger Versuche entschärfen.

Die Viererkette um Kempf und Boyata stand weitgehend stabil, konnte über das gesamte Spiel zumindest Hamburger Großchancen verhindern. In der Offensive setzte Belfodil immer wieder Akzente, traf einmal zur Führung – die aberkannt wurde –, tanzte hier und da die Abwehr aus. Doch vor wirkliche Probleme stellte er die HSV-Defensive damit nicht. Ohne eine deutliche Leistungssteigerung im Rückspiel am Montag droht den harmlosen Berlinern der Gang in die zweite Liga.

Das sagt das Netz

So kann man Herthas Reaktion auf den Gegentreffer auch deuten.

Eine General-Kritik nach der Leistung im Relegations-Hinspiel.

Die Spielanalyse von Felix Magath ruft Unverständnis hervor.

Sendung: rbb24, 19.05.2022, 22 Uhr

57 Kommentare

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  1. 57.

    Sportlichen Respekt habe ich ggü.allen Fans, egal zu welchem Verein sie stehen und halten, die gemeinsam Freud und Leid teilen. Was ich absolut nicht mag ist das Herausheben von Hertha als der Verein von Berlin. Auch Union ist Berlin und nicht nur Köpenick. Die Presse und der Rbb müssen endlich einmal anfangen umzudenken,bzw.die neuen Realitäten wahrzunehmen. Es gibt nur ein gemeinsames Berlin!!!

  2. 56.

    Das hat doch nichts damit zu tun, dass ich irgendwas nicht wahrhaben will - was auch nicht zutrifft. Meinetwegen hätte der HSV auch nur das übliche Kontingent erhalten und der Hertha Anhang alles andere ausfüllen können.

    Nur schreiben von mehr als 60.000 Herthanern, der Tagesspiegel aber von vermutlich knapp 20.000 HSV Anhängern. Na, wie auch immer . . .

    https://www.tagesspiegel.de/sport/relegation-gegen-den-hamburger-sv-hertha-bsc-verliert-das-hinspiel-im-olympiastadion-0-1/28360868.html

  3. 55.

    Hertha BSC wurde 1892 auf dem Arkonaplatz gegründet und hatte seine Heimat an der Plumpe im Wedding. Als sie nach Charlottenburg gezogen sind, war dieses schon eingemeindet. Schade, dass der heutige Speckgürtel nicht eingemeindet wird, dann wäre in der Stadionfrage die Diskussion um "in Berlin" oder "im Speckgürtel" eventuell hinfällig :D

  4. 54.

    Hier Herr Rattengeier, damit ihre Wut kompensiert wird ;-)

    https://www.fc-union-berlin.de/de/verein/mitgliedschaft/

    Was soll man zu Hertha sagen?
    Folgerichtiger Abstieg wird das werden und die Vorstellung gestern war peinlich für eine Heimteam, genauso wie Magaths Analyse betreffs Ascacibar.

  5. 53.

    Ich geb ja zu, daß Ironie (auch mit Smilies) im Netz nicht funktioniert.

  6. 52.

    Für die Lokalpatrioten: Köpenick gehört auf den Tag genau solange zu Berlin wie Charlottenburg!
    So mancher wird heute erschrecken wenn er sich einmal anschaut was vor der Bildung von “Groß Berlin” 1920 überhaupt zu Berlin gehörte.

  7. 51.

    Es waren gestern ca 15k Hamburger da - also weit aus weniger als die angekündigte Invasion vom 35k. Warum dass für Sie so unwahrscheinlich ist, während gegen Mainz ca 70k Herthaner im Stadion waren, liegt wohl daran, dass Sie es nicht wahrhaben wollen?

  8. 50.

    Auch wenn Sie Ihre Schmähungen noch hundertmal wiederholen: Hertha ist kein Konstrukt und es gibt viele Tausend Menschen, die den wahrscheinlichen Abstieg betrauern. Und wenn er sportlich noch so verdient ist, so sieht doch kein Fan seine Mannschaft gerne scheitern. Stellen Sie die Meinung Ihrer Blase nicht als allgemeingültig dar.

  9. 49.

    Nun muss Hertha also mind. 2:0 in Hamburg gewinnen oder sich mit einem 1:0 ins Elfmeterschießen retten und auf Glück und Nerven hoffen. Das sieht nach der gestrigen Leistung gar nicht gut aus für die "Alte Dame". Zumal das HSV Stadion am Montag ein ziemlicher Hexenkessel sein dürfte.

    Aber wer weiss . . . die Hoffnung stirbt zuletzt, wie es so schön heißt.

  10. 48.

    Zitat: ". . . während gestern über 60 Tausend Anhänger im Stadion . . ."

    Ich will ja keine Erbsenzählerei betreiben, aber gestern waren ca. 20.000 HSV Fans im Stadion und dementsprechend etwa so viele Herthaner, wie im Schnitt einer normalen BL-Saison der vergangenen Jahre. Wobei u. a. das hausgemachte 'Ticketing Desaster' und der Einfallsreichtum der Hamburger sicher dazu beigetragen haben dürfte. Beim Rückspiel in Hamburg würde ich nicht mit etwa 25% Gästefans rechnen . . .

  11. 47.

    Auf geht's Hamburg auf geht's
    Super HSV, ihr seit das große Glück, Hertha endlich aus der Bundesliga zu schießen

  12. 46.

    Nein. Es wahr ein Smilie dran. Der Begriff "Hallo Charlottenburg" stammt aus SFB- und Mauerzeiten.
    Und vielleicht liegt es ja daran, daß von ganz Berlin und dann nur von Hertha gesprochen wird. :-)
    Köpenick gehört ja noch nicht lange zu Berlin(m.W. seit 1920).

  13. 45.

    Meinst du den "Charlottenburger Lokalsender", der Union-Merch in seinem Shop verkauft und eine Medienpartnerschaft (Radio1 - Union) hat? Und trotzdem wird hier eisern geweint, dass auch noch über Hertha berichtet wird. Kultig!

  14. 44.

    Herta BSC, ist das nicht der Verein der sich ein Stadion leisten will?
    Wofür eigentlich, für Fussball wohl nicht. Da reicht eine Wiese im Umfeld.

  15. 43.

    Wie kann ein Verein, der 1892 gegründet wurde und so eine bewegte Geschichte hinter sich hat bitte ein seelenloses Konstrukt sein? Aber gut, was möchte man auch von jemandem erwarten, der sagt, dass keiner Hertha vermissen wird, während gestern über 60 Tausend Anhänger im Stadion und noch etliche in den Kneipen waren. Dass die eigene Wahrnehmung auf die ganze Stadt projeziert wird ist in Köpenick kultig, bei Herthanern würde das wieder als großkotzige Arroganz bezeichnet werden ;)

  16. 42.

    Alta, wahre Liebe kennt keine Liga! 50 Jahre rot-weißes Herz weiß, wovon es spricht. Also Kopf hoch und weiter gehts!

  17. 41.

    Hat jemand einen Sieg erwartet ?
    Hat diese Mannschaft einen Sieg verdient ?
    Der Höhepunkt einer grottenschlechten Saison !

  18. 39.

    Charlottenburger Lokalsender und Charlottenburger Lokalverein. Da gibt es nichts anderes. :-)

  19. 38.

    Das seelenlose Charlottenburger Konstrukt wird kaum jemand vermissen. Berlin hat eine Top-Mannschaft in der Bundesliga.

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