Interview | Ex-Union-Profi Sebastian Polter - "Ich möchte die Leute begeistern und glücklich machen"

Mi 11.05.22 | 18:39 Uhr
Sebastian Polter
Bild: IMAGO/kolbert-press

Mit dem 1. FC Union feierte Sebastian Polter 2019 den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Nun kehrt der Stürmer mit dem VfL Bochum ins Stadion An der Alten Försterei zurück. Mit rbb|24 spricht er über Partys, seine Motivation - und Köpenicker Kontakte.

rbb|24: Sebastian Polter, im Ruhrgebiets-Duell bei Borussia Dortmund am 32. Spieltag haben Sie mit dem VfL Bochum vorzeitig den Klassenerhalt geschafft. Wie haben Sie Ihre erste Saison in Bochum erlebt?

Sebastian Polter: Zunächst sehr durchwachsen. Wir hatten am Anfang der Saison eine Phase, in der wir uns erstmal an die Bundesliga gewöhnen mussten. Wir hatten schließlich viele Spieler im Kader, die noch nie Bundesliga gespielt haben und trotzdem schon viel Erfahrung im Profi-Fußball hatten. Da mussten wir uns ein bisschen anpassen, haben dabei auch ein paar Niederlagen hinnehmen müssen. Wir haben uns dann aber gefangen und gemerkt, wie wir punkten können. Das haben wir dann kontinuierlich getan, was sehr wichtig war. So konnten wir den Klassenerhalt schon am 32. Spieltag fix machen, worauf wir sehr stolz sind. Dass es uns dann im Revier-Derby in Dortmund geglückt ist, ist natürlich das i-Tüpfelchen.

Polter im Kurz-Porträt

Sebastian Polter wurde am 1. April 1991 in Wilhemshaven geboren.

In der frühen Jugend begann seine Karriere als - äußerst talentierter - Torhüter mit Einladung zum DFB-Nachwuchs.

Doch Polter wollte Stürmer werden, machte dafür den Schritt zurück von Werder Bremen zum SV Wilhemshaven. Und das zahlte sich aus. Über Braunschweig ging es weiter zum VfL Wolfsburg.

Für den 1. FC Union spielte der inzwischen 31-Jährige zwei Mal: Als Leihspieler von Mainz 05 in der Saison 2014/15 sowie zwischen 2017 und 2020. Mit den Köpenickern stieg er in die Bundesliga auf.

Nach dem nicht reibungslosen Ende seiner Zeit bei Union ging er zunächst zum niederländischen Erstligisten Fortuna Sittard, ehe er im Sommer 2021 bei Bochum unterschrieb.

 

Der Klassenerhalt wurde in Bochum ausgiebig gefeiert. Auch von Ihnen gibt es diverse Party-Fotos. Insbesondere die Union-Fans wissen, dass Sie nach Erfolgen gerne feiern. Welche Party war denn besser, die Aufstiegsfeier mit Union oder die Feier nach dem Klassenerhalt mit Bochum?

Die waren beide toll. Aufstiegs- und Klassenerhalts-Feiern sind immer schön. Allgemein fröhliche Menschen von den jeweiligen Vereinen zu sehen, ist immer etwas Besonderes. Du machst im Endeffekt nicht nur dich und deine Familie, sondern auch jeden einzelnen Anhänger und Mitarbeiter des Vereins stolz. Das ist letztlich auch der Grund, warum ich Fußball spiele. Ich möchte die Leute begeistern und glücklich machen.

Nicht nur beim Feiern gibt es durchaus Parallelen zwischen Bochum und Union. Ein kleines, aber enges Stadion, eine ausgebildete Fan-Kultur und eine emotionale Art und Weise Fußball zu spielen. Haben Sie sich nach Ihrer Zeit in den Niederlanden auch deshalb für einen Wechsel nach Bochum entschieden?

Für mich ist es immer wichtig - egal wo ich spiele - dass der Verein solche Attribute verkörpert. Natürlich war es für mich in erster Linie wichtig, in die Bundesliga zurückkehren zu können. Die Möglichkeit habe ich in Bochum bekommen und kann hier meine Leistung zeigen. Solche emotionalen Vereine, die nach außen auch etwas leben, stehen mir einfach gut zu Gesicht.

Auch die Premieren-Saison von Union in der Bundesliga kann man durchaus mit der von Bochum vergleichen. Mit einer leidenschaftlichen Spielweise hat man kontinuierlich gepunktet und konnte den Klassenerhalt so frühzeitig klar machen. Was hat den VfL in dieser Saison so stark gemacht?

Wir sind in der Findungsphase am Anfang echt offen und ehrlich miteinander umgegangen - auch gemeinsam mit dem Trainerteam. Wir haben Dinge, die wir verbessern wollen, angesprochen und Fehler abgestellt. Wir haben gemerkt, dass wir die kompakte Spielweise und das Konterspiel mit Leidenschaft und purer Emotion füllen müssen, damit wir punkten. Das wurde relativ schnell mit Ergebnissen bestätigt, sodass es sich auch zügig gefestigt hat.

Union steht zurecht dort oben auf den Europapokal-Plätzen, weil sie es sich dank der Kontinuität einfach verdient haben.

Sebastian Polter

Der 1. FC Union hat sich in dieser Spielzeit bereits zum zweiten Mal für den europäischen Wettbewerb qualifiziert. Wie schätzen Sie die Arbeit und die Entwicklung des Klubs heute - mit etwas Abstand - ein?

Wie sich Union in den letzten vier bis fünf Jahren entwickelt hat, ist enorm. Ich glaube, dass Union zurecht dort oben auf den Europapokal-Plätzen steht, weil sie es sich dank der Kontinuität einfach verdient haben. Die Spielweise und die Philosophie, die sie Saison für Saison an den Tag legen, ändern sich ja nicht. Aber das ist gut so. Da passt Urs Fischer mit seinem Trainer-Team auch perfekt rein. Denn auch der Fußball, den sie spielen, ändert sich nicht grundlegend - egal, welche Spieler kommen und gehen. Das ist schon bemerkenswert.

Von der damaligen Aufstiegself sind nur noch wenige Spieler bei Union. Haben Sie trotzdem noch Kontakt nach Köpenick?

Noch sehr viel. Nicht nur in dieser Woche vor dem Spiel, sondern auch so immer mal wieder. Zum Böni (Sebastian Bönig, Co-Trainer, Anm. d. Red), zum Krüger (Martin Krüger, Athletik-Trainer, Anm. d. Red.), zu Urs Fischer ab und zu. Aber auch mit anderen Mitarbeitern oder Spielern schreibe ich immer mal wieder. Ich habe auch immer noch viele Freunde, die in Köpenick leben. Der Kontakt ist also auf jeden Fall noch da. Man freut sich dann auch auf das Wiedersehen.

Es scheint so, als würden Sie sich in Bochum sehr wohl fühlen - Sie spielen regelmäßig, schießen Tore. Als 31-Jähriger stehen Sie nicht mehr am Anfang Ihrer Karriere. Können Sie sich vorstellen länger in Bochum zu bleiben und dort vielleicht sogar Ihre Laufbahn zu beenden?

Vorstellen kann man sich immer vieles. Für mich ist es wichtig, dass ich zurück in der Bundesliga bin und der Mannschaft mit einer starken Saison und wichtigen Toren helfen konnte, den Klassenerhalt zu holen. Das war unser und auch mein persönliches Ziel. Alles darüber hinaus muss man dann sehen. Ich habe noch ein Jahr einen Vertrag, weiß aber nicht, was der Verein plant. Der Fußball ist so schnelllebig geworden, dass man dann einfach Gespräche führen muss.

Das Interview führte Jonas Bürgener für den rbb Sport.

Sendung: rbb24 Inforadio, 11.05.2022, 19:15 Uhr

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