Viktoria Berlin im Abstiegskampf der 3. Liga - Hoffnung trotz des denkbar schlechtesten Szenarios

Fr 13.05.22 | 13:49 Uhr | Von Jakob Lobach
Christoph Menz von Viktoria Berlin (Bild: IMAGO/Beautiful Sports)
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Audio: rbb|24 Inforadio | 12.05.2022 | Lars Becker | Bild: IMAGO/Beautiful Sports

Viktoria Berlin braucht am Wochenende einen Sieg und Schützenhilfe, um den Abstieg aus der 3. Liga noch zu verhindern. Es ist eine zweifelsfrei schlechte, aber eben noch nicht aussichtslose Ausgangslage. Von Jakob Lobach

Es war ein Wochenende, das für Viktoria Berlin schlechter nicht hätte laufen können: Während der Berliner Drittligist selbst vergangenes Wochenende spielfrei hatte, mussten dessen Spieler und Verantwortliche tatenlos zuschauen, wie sich ihre Ausgangslage im Abstiegskampf Stück für Stück dramatisch verschlechterte. Auf einen Sieg von Verl am Freitag folgten Erfolge von Duisburg und Köln am Samstag und Sonntag. Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann verfolgte letzteren beim Familienausflug im Vergnügungspark per Liveticker. "Ich wusste nicht, ob mir wegen der Achterbahnen oder den Ergebnissen schlecht wurde", erinnert er sich.

Das denkbar schlechteste Szenario

Die Konsequenz aus den Siegen für die direkte Abstiegskonkurrenz am vorletzten Spieltag der Saison ist eine denkbar schlechte Ausgangslage für die Fußballer von Viktoria vor dem Saisonfinale in der 3. Liga. Vor dem vergangenen Spieltag seien ihm "vier bis fünf Szenarien" im Kopf herumgeschwirrt, erzählt Teichmann, ehe er ergänzt: "Von denen ist das mit Abstand schlechteste übriggeblieben."

So steht Viktoria vor dem finalen 38. Spieltag mit 37 Punkten und einem Torverhältnis von -17 auf dem Abstiegsplatz 17. Darüber auf dem Nicht-Abstiegsplatz 16 rangiert der bereits erwähnte SC Verl mit 39 Zählern und einem Torverhältnis von -10. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Will Viktoria auch in der kommenden Saison in der 3. Liga spielen, müssen die Berliner am Samstag (13:30 Uhr) ihr Heimspiel gegen den SV Meppen gewinnen. Und selbst wenn das gelingt, braucht es noch dazu eine Heimniederlage vom SC Verl gegen den mittlerweile vor dem Abstieg geretteten MSV Duisburg.

Da ist es wenig verwunderlich, wenn Rocco Teichmann von einer gewissen Ernüchterung berichtet, die nach dem vergangenen Wochenende in seinem Klub geherrscht habe. "Wir mussten das am freien Montag ein bisschen sacken lassen", berichtet Viktorias Sportdirektor, fügt dann jedoch schnell an: "Aber seit Dienstag erlebe ich eine sehr konzentrierte Mannschaft." Eine Mannschaft, die sich zuletzt eigentlich auf einem guten Weg wähnte. Drei der letzten fünf Spiele gewannen die Berliner – unter anderem gegen den dominanten Meister und Aufsteiger Magdeburg. So spricht auch Teichmann angesichts der jüngsten Leistungen seiner Schützlinge von einer "positiven Tendenz". Auch gegen den SV Meppen, der die Saison im Tabellenmittelfeld beenden wird, ist Viktoria keinesfalls chancenlos.

Die mentale Komponente des Abstiegskampfes

Dennoch findet man sich im Abstiegskampf nun plötzlich in der Rolle des Jägers statt in der des gejagten wieder. Ein Jäger, der auf Schützenhilfe angewiesen ist. Trainer Farat Toku bezeichnete die Chance auf den Klassenerhalt unter der Woche angesichts der Konstellation im Tabellenkeller als "minimal". Sein Sportdirektor zeigt sich da schon optimistischer und sagt: "Es ist ganz simpel: Wir müssen gewinnen, eine andere Mannschaft muss verlieren. Das gab es im Fußball schon ganz oft." Allerdings weiß auch Teichmann, dass die Vorzeichen vor den Spielen am Samstag schlechter kaum stehen könnten.

Insbesondere weil auch die mentale Komponente des Fußballs nicht einfacher wird, wenn man zum Siegen verdammt ist, geschweige denn noch dazu auf die Niederlage eines Konkurrenten angewiesen ist. "Wir müssen bei uns bleiben und nicht darauf gucken, was Verl gegen Duisburg macht", sagt Teichmann folglich. Auch die Schlüssel zum Sieg gegen Meppen seien laut dem Sportdirektor so eher psychischer als sportlicher Natur: "Wir brauchen Fokus, müssen alles reinwerfen und absolut überzeugt sein, dass wir dieses Spiel gewinnen werden."

Bedeutung des möglichen Abstiegs

Sicherlich eine Hürde auf dem Weg zu dieser Überzeugung: Gedanken an den Stand jetzt durchaus wahrscheinlichen Abstieg zurück in die Regionalliga Nordost. Sorgen, die Teichmann ein wenig zu entkräften versucht. So wäre ein – zumindest vorübergehender – Abschied aus dem Profifußball laut dem Sportdirektor zwar "sicherlich nicht förderlich für die Entwicklung des Vereins", aber eben auch kein Drama oder gar der Todesstoß für dessen Ambitionen. "Ein Verein muss einen Abstieg verkraften können", sagt Teichmann.

So richtig intensiv will der sich mit den Folgen eines Abstieges aber erst beschäftigen, wenn es wirklich so weit ist. Noch steht die Hoffnung auf einen Verbleib in der 3. Liga in seinem Fokus. "Wir haben schließlich noch diesen Strohhalm", sagt Rocco Teichmann, "und so klein, dass da kein Getränk mehr durchpasst, ist der Strohhalm eben nicht."

Sendung: rbb UM6, 14.05.2022, 18 Uhr

Beitrag von Jakob Lobach

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