Omid Nouripour zu erstem Fanclub im Bundestag - "Wir verhandeln nicht, wir schauen Fußball und grölen"

Di 17.05.22 | 16:44 Uhr
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Der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Omid Nouripour. (Bild: imago/Future Image)
Audio: HR | Philipp Hofmeister | Bild: imago/Future Image

"Getrennt in den Farben, gemeinsam für Eintracht Frankfurt" - so lautet das Motto der bundesAdler, dem ersten Fanclub im Deutschen Bundestag. Vor dem Euro League-Finale gegen die Glasgow Rangers haben wir mit dem Vorsitzenden Omid Nouripour (Grüne) gesprochen.

Am 26. März 2012 wurde in Berlin der bundesAdler gegründet, der erste Fanclub eines Fußballvereins im Deutschen Bundestag. Alle Abgeordneten und Mitarbeiter des Deutschen Bundestags können Mitglied werden, außer die der AfD.

Mittlerweile zählt der bundesAdler über 40 Mitglieder. Vorsitzender des offiziell anerkannten Fanclubs von Eintracht Frankfurt ist Omid Nouripour, seines Zeichens auch Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Vor dem anstehenden Europa League-Finale gegen die Glasgow Rangers (Mittwoch, 21 Uhr) hat rbb|24 mit Nouripour über seine große Liebe, schwierige Stadionbesuche und die Überwindung politischer Hürden durch den Fanclub gesprochen.

rbb24: Herr Nouripour, Sie sind Mitbegründer der bundesAdler, dem Eintracht-Fanclub im Deutschen Bundestag. Wie groß ist die Vorfreude aufs Europa League-Finale?

Omid Nouripour: Das ist ein Jahrtausendspiel, vielleicht das wichtigste Fußballspiel, das jemals ein Mensch gespielt hat. Und dementsprechend ist die Aufregung gewaltig. Mein Kardiologe ist schon vorgewarnt.

Der Fanclub besteht aus Mitgliedern des Bundestages. Wie verfolgen Sie die Spiele?

Unser Fanclub ist für alle offen, die in Berlin in der politischen Blase arbeiten. Wir pflegen auch enge Kontakte zu dem Eintracht-Fanclub "Berliner Adler", die eine tolle Fanarbeit leisten. Wir sind aber nicht wie die 'versnobten' Bayern und lassen nur MdBs (Mitglieder des Bundestages, Anm. der Redaktion) mitmachen.

Wie viel ist denn von der politischen Seriosität noch da, wenn man die Eintracht-Spiele schaut?

Wir haben einen Slogan, den hat uns der großartige Fanartikel-Designer Rainer Kaufmann aus Frankfurt gegeben. Der lautet: 'Getrennt in den Farben, gemeinsam für Eintracht Frankfurt.' Es gab viele Momente, in denen ich mit Leuten von der Linkspartei oder der CDU zusammengestanden bin und wir haben die gleichen Lieder gesungen. Wobei man sagen muss, dass das nicht allen in der Vergangenheit leichtgefallen ist, hier auch die Gemeinsamkeiten zu sehen. Und wir hatten auch Mitglieder, die irgendwann mal aus der CDU ausgetreten sind und dann der AfD nah waren. Die kamen dann mit der großen Klarheit unseres Vereines im Kampf gegen die AfD nicht mehr klar.

Aber sonst können die politischen Hürden und Wunden überwunden werden durch die gemeinsame Liebe zur die Eintracht?

Es ist nicht so, dass wir dadurch leichter mit Kollegen aus der CDU verhandeln können. Wir verhandeln ja auch nicht, wir schauen Fußball, wir grölen, wir fiebern und schreien mit. Das eine hat in diesen Momenten mit dem anderen nichts zu tun. Ich muss mit niemandem eine Koalition bilden, weil er Eintracht-Fan ist, aber ich muss auch nicht mit jemandem, der nicht mit mir politisch einer Meinung ist, immer im Streit sein, wenn es doch um die große Liebe unseres Lebens geht – nämlich Eintracht Frankfurt.

Wie werden Sie das Finale am Mittwoch verfolgen?

Ich werde hoffentlich die große Ehre haben, vor Ort in Sevilla sein zu können. Und den Rest werde ich Ihnen im Nachhinein wahrscheinlich nicht mehr erzählen können.

Und wenn Sie nicht ins Stadion gehen, wie schauen Sie gemeinsam im Fanclub die Spiele?

Wir haben einige Anomalien, die andere Fanclubs nicht haben. Normalerweise gucken Fanclubs zusammen Fußball oder gehen gemeinsam ins Stadion. Wir haben Mitglieder aus ganz Deutschland, von Thüringen bis nach Nordrhein-Westfalen und natürlich auch in Hessen. Und diese Leute sind sehr stark abhängig von den Plenarwochen, ob sie zusammenkommen oder nicht. Das heißt, eigentlich schauen wir immer nur dann gemeinsam, wenn Plenarwoche und englische Woche zusammenfallen. Darüber hinaus haben wir vor Corona angestrebt, jeweils in der Hin- und der Rückrunde ein Spiel im Stadion zu besuchen. Am Mittwoch wird man wieder zusammenkommen und das Spiel schauen.

Wo trifft man Sie im Frankfurter Stadion und wo schaut der Fanclub die Spiele in Berlin?

Das hat sich ein bisschen einpendeln müssen, denn, wenn wir ins Stadion gehen, gibt es natürlich Leute, die in die Kurve gehen, andere wollen eher auf die Haupttribüne. Es gibt da schon kulturelle Unterschiede (lacht), die ich als Vorsitzender versuchen musste, zu überbrücken. Dann habe ich vorgeschlagen, dass wir immer auf die Gegengerade gehen in der ersten Halbzeit und zweite Halbzeit schauen wir mal. Das spiegelte sich dann auch in Berlin wider, wenn es darum ging, wo man zusammen die Spiele schaut. Ob man in die "Glühlampe" geht, also in die Eintracht-Kneipe in Berlin, oder zur deutsch-parlamentarischen Gesellschaft. Das Finale schauen die Bundesadler jetzt in der Landesvertretung Hessen, quasi heimischer Boden für alle.

Welche Chancen hat die Eintracht aus Ihrer Sicht gegen die Glasgow Rangers?

Wir sind der Favorit. Es geht hier nicht um Spaß und Freude. Wir brauchen erstmal diesen Pokal. Alles andere kommt später.

Herr Nouripour, wir bedanken uns für das Gespräch.

 

Das Interview führte Lukas Witte für den rbbSport.

Sendung: Inforadio, 14:15 Uhr, 17.05.2022

2 Kommentare

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  1. 2.

    Eintracht Frankfurt ist mir als Berliner genauso egal wie andersrum !

  2. 1.

    Wie wird denn der Fan von den Grünen zum Spiel nach Sevilla kommen- doch nicht etwa mit einem Flugzeug???

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