VfB Oldenburg im Team-Check - Was den Gegner des BFC Dynamo in der Drittliga-Relegation auszeichnet

Fr 27.05.22 | 16:40 Uhr | Von Johannes Mohren
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Der VfB Oldenburg bejubelt den Meistertitel in der Regionalliga Nord. / imago images/Nordphoto
Bild: imago images/Nordphoto

Mit Oldenburg trifft der BFC in der Drittliga-Relegation auf einen Traditionsklub. Der Verein schaffte fast mal den Sprung in die Bundesliga. Der Spielertrainer von damals ist heute Präsident - und in Berlin bestens bekannt. Von Johannes Mohren

rbb|24 überträgt das Hinspiel um den Drittliga-Aufstieg am Samstag ab 14 Uhr im Livestream.

30 Jahre ist es inzwischen her. Es war die Zeit des Mannes, den sie ehrfürchtig den "König von Oldenburg" nannten. Wolfgang Sidka, in den 1970ern fast 200 Mal für Hertha BSC auf dem Platz, mischte im Herbst seiner Karriere den Nordwesten Niedersachsens auf. Und dieser mit seinem 35-jährigen Spielertrainer den deutschen Fußball.

Aus der Oberliga ging es für den VfB Oldenburg damals in die 2. Bundesliga - und von dort fast ins Fußball-Oberhaus. Es war die goldene Fußball-Zeit in der 160.000-Einwohner-Stadt, die eine Reportage des NDR eindrucksvoll zeigt. Angeführt wurde der Klub neben Sidka von einem Promi-Manager, den er ins Marschweg-Stadion gelotst hatte: Rudi Assauer. 1991/92 fehlte nur die Winzigkeit von einem Punkt zum Aufstieg in die erste Liga.

Sidka ist als Präsident zurück

Diese Höhenflüge sind lange vergangen. Für Sidka ging es zur Saison 1993/94 zu Tennis Borussia Berlin und der VfB Oldenburg kämpfte sich bald nur noch durch untere Spielklassen. Nach dem Zweitliga-Abstieg 1996/97 ging der Absturz bis in die Niedersachsenliga West. Die Gegner hießen plötzlich FC Schüttdorf 09 oder VfL Bückeburg. "Es haben 25 Jahre - ich sage mal - keine sportlichen Erfolge stattgefunden", sagte Sidka jüngst im "Sportclub" des NDR.

Dort war er in einer neuen Rolle zu Gast: Seit gut einem Jahr ist der "König von Oldenburg" nämlich zurück - als Vorstandvorsitzender und Präsident des Klubs. Der Verein komme "so langsam wieder in Schwung", sagte der 67-Jährige in diesem Interview auch.

Ende April war das. Da ließ es sich bereits erahnen, dass die Saison eine große für den VfB werden könnte. Wochen später folgte tatsächlich die Meisterschaft und nun eben die Relegationsspiele gegen den BFC Dynamo (Samstag, ab 14 Uhr, live im Stream bei rbb|24).

NDR-Reporter Deichmann: "Klub muss sich Kredit erst wieder zurückarbeiten"

Für den VfB Oldenburg wäre ein Aufstieg - wie auch für den zehnfachen DDR-Meister BFC Dynamo - die Chance, endlich anzuknüpfen an die glorreiche Vergangenheit. Tradition wieder neues Leben einzuhauchen. Denn der Niedergang des Vereins - Insolvenz inklusive - hat Spuren hinterlassen. "Der Klub muss sich den Kredit der Fans erst wieder zurückarbeiten", sagt NDR-Reporter Hendrik Deichmann im Gespräch mit rbb|24. "Das tut er mit einem sehr soliden Wirtschaften."

Und auch mit dem Fußball, den der Verein zuletzt in der Regionalliga Nord auf dem Platz zeigte. Schwergewichte wie Weiche Flensburg oder den VfB Lübeck konnte Oldenburg damit abschütteln. "Es hat sich sicherlich die Mannschaft durchgesetzt, die den besten Fußball spielt - mit Betonung auf spielen", sagt Deichmann. Damit hebe sie sich "ein bisschen ab von anderen Teams, die aufgrund ihrer Erfahrung anders auftreten und auf Standards und Einwürfe setzen."

Mit 600 Fans nach Hohenschönhausen

3.000 bis 4.000 Zuschauer lockte der VfB in der Meisterrunde regelmäßig ins Marschweg-Stadion und "so ein Aufstieg hätte noch einmal unheimliche Wirkung", sagt Deichmann. 6.000 bis 7.000 Fans erwarten die Oldenburger dann nach NDR-Angaben im Schnitt - das Problem: Das heimische Stadion genügt nicht den Drittliga-Anforderungen. Die Rasenheizung fehlt. Das ließe sich noch ändern. Schwieriger wird es beim fehlenden Flutlicht, da direkt am Stadion die Autobahn entlangführt und die Fahrzeuge geblendet werden könnten.

Der Druck liegt ganz klar beim BFC.

Hendrik Deichmann, NDR-Sportreporter

Es ist die wohl dringlichste Baustellen, um die sich Sidka und Co. bei einem Aufstieg kümmern müssten. Ausweichspielorte in Lotte und Wilhelmshaven sind im Gespräch. Perspektivisch auch ein Stadion-Neubau in Oldenburg. Erstmal steht jedoch die sportliche Aufgabe für Klub und Fans an. 600 Anhänger des VfB werden mit nach Berlin reisen, um ihr Team im ausverkauften Sportforum in Hohenschönhausen zu unterstützen. Die Mannschaft selbst ist bereits seit Donnerstag in Berlin, um sich ihn Ruhe auf das Relegations-Hinspiel vorzubereiten.

Dabei sehen sie sich in Oldenburg als Underdog. Der Klub gehe als Außenseiter in die beiden Duelle, sagt auch Deichmann im rbb|24-Gespräch, "der Druck liegt ganz klar beim BFC". Beim VfB-Coach Dario Fossi klingt das ganz ähnlich. "Wirtschaftlich gesehen hat Dynamo viel größere Möglichkeiten als wir. Deshalb können sie sich auch viel mehr ehemalige Profis leisten als wir oder Weiche Flensburg", sagte der 41-Jährige der "Nordwest-Zeitung" - und: "Das ist eine ganz abgezockte und erfahrene Regionalliga-Mannschaft."

Kapitän: "Haben richtig Bock"

Doch es ist nicht so, als hätten die Oldenburger nichts entgegenzusetzen. So wird BFC-Top-Torjäger Christian Beck etwa auf Marcel Appiah treffen: 34 Jahre alt, 1,89 groß - und als Verteidiger bestens bekannt aus dem Profi-Fußball nach mehr als 150 Spielen in zweiter und dritter Liga.

Was darüber hinaus an Erfahrung fehlen mag, wollen sie mit Leidenschaft kompensieren - oder wie es VfB-Kapitän Max Wegner beim NDR knapp zusammenfasste: "Wir haben richtig Bock." Bock, dass fernen Erinnerungen an alte jetzt neue Höhenflüge folgen. Oder - um wie Sidka in der "Nordwest-Zeitung" - Bahn- statt Flugmetaphorik zu bemühen: "Die Lok steht auf den Schienen. Um sie in Fahrt zu bringen, ist viel Energie nötig. Fährt sie einmal, ist es leichter, sie in Fahrt zu halten".

Nächste Station soll nach dem Rückspiel am 4. Juni die 3. Liga sein. Der BFC wird jedoch alles tun, um bei der Oldenburger Lok mit ihrem königlichen Zugführer auf die Bremse zu treten.

Sendung: rbb24, 27.05.2022, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

3 Kommentare

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  1. 2.

    Auf Dynamo kämpfen und siegen in Richtung 3 Liga.

  2. 1.

    Vielen Dank für diesen Bericht. Dass Wolfgang Sidka dort Präsident ist, ist ja interessant. So taucht manchmal ein Urgestein aus besseren Zeiten auf. Nun spielen sie also auf dem " Exer" oder auch " Einsame Pappel ",wie der Platz früher hieß. Nur zu Sidkas Zeiten lag er im Osten, ab 1972 für uns wieder erreichbar. Vielleicht war er ja auch mal als Zuschauer da.

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