Aufstiegsrunde für Traditionsverein aus Frankfurt - Die Chance, an alte Handball-Zeiten anzuknüpfen

Mo 02.05.22 | 20:17 Uhr | Von Friedrich Rößler
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Monika Odrowska vom Frankfurter HC am Siebenmeterpunkt (imago images/Mausolf)
Bild: imago images/Mausolf

In den 1980er Jahren gehörte der Frankfurter Handball Club zu den stärksten Teams im DDR-Frauenhandball. Nach einer Insolvenz 2013 rutschte der Traditionsverein in die Drittklassigkeit ab und hat jetzt die Chance, wieder eine Liga höher zu spielen. Von Friedrich Rößler

 

"Wir versuchen alles!", verspricht Werner Seibt, Vizepräsident vom Frankfurter Handball Club (FHC), als er im Telefongespräch mit rbb|24 auf den möglichen Aufstieg seines Frauenteams in die 2. Handball-Bundesliga angesprochen wird. "Die Sehnsucht ist da und wir wollen die erste Hürde unbedingt schaffen", sagt der 78-Jährige, der auch Gründungsmitglied vom FHC ist.

Bekannte und Unbekannte in Aufstiegsrunde

Der Modus in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga im Handball besagt, dass nach Abschluss der Drittliga-Hauptrunde acht Teams in zwei regional eingeteilten Gruppen um drei Aufstiegsplätze kämpfen. Die Siegerinnen steigen direkt auf, die beiden Gruppenzweiten ermitteln in Relegationsspielen den dritten Aufsteiger. Die Frankfurterinnen hatten die Saison 2021/22 in der 3. Liga Staffel B als Tabellenzweite beendet und müssen sich in der Aufstiegsrunde mit dem HC Rödertal aus Sachsen, der SG 09 Mainz-Bretzenheim aus Rheinland-Pfalz und der SG 09 Kirchhof aus Hessen auseinandersetzen.

Die erste Partie in der Aufstiegsrunde ging mit 19:26 verloren. "Dass es gegen die Handballerinnen vom HC Rödertal schwer werden würde, wussten wir schon", sagt FHC-Vizepräsident Seibt. "Da gab es nicht viel zu holen." Das galt auch schon für die Saison: Nur zwei Niederlagen mussten die Frankfurterinnen hinnehmen, beide gegen die Sächsinnen aus Großröhrsdorf. "Von den nächsten beiden Gegnerinnen haben wir kaum eine Ahnung", erzählt FHC-Gründungsmitglied Seibt. Die SG Kirchhof 09 beendete ihre Staffel C als Tabellenzweite, das Team aus Mainz-Bretzenheim die Staffel D als Erste.

Sportstadt Frankfurt Oder

Auf mögliche Aufstiege wird Werner Seibt, der seit vier Jahren im Vorstand des Frankfurter Handball Club aktiv ist, immer wieder von Vereinsmitgliedern angesprochen. "Wir sind der Tradition verpflichtet, doch Brandenburg liegt nicht gerade günstig."

Damit spielt Seibt auf die Randlage der Oderstadt an. Zwar verfügt die Geburtsstadt von Heinrich von Kleist über eine Elite-Schule des Sports und darf sich Olympiastützpunkt nennen. Doch die ruhmreichen Sport-Zeiten, als die Boxer Henry Maske und Axel Schulz Frankfurt (Oder) weit über die Stadt-Grenze hinaus bekannt machten, sind längst vorbei. Noch weiter zurück liegen auch die sehr erfolgreichen Zeiten des FHC.

Ruhmreiche Vergangenheit

Die Handballerinnen des ASK Vorwärts Frankfurter (Oder) (Vorgänger des FHC) gehörten in den 1980er Jahren zu den besten Spielerinnen im DDR-Handball. Sechs Meisterschaften, fünf FDGB-Pokalsiege und zwei EHF-Pokal-Siege sprechen da eine eindeutige Sprache. Durch die Wirren der Wendejahre konnte sich der Armeesportklub dank der Sportschule und des Bundeswehr-Förderstützpunktes gut manövrieren und gehörte bis zur Abstiegssaison 1999/2000 immer zu den Top-fünf-Klubs. Da der Verein mit immer größeren finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, konnten wichtige Spielerinnen nicht mehr gehalten werden. Trotzdem gelang den Frankfurterinnen der direkte Wiederaufstieg und 2003 der DHB-Pokalsieg und in der Saison 2003/04 sogar die Meisterschaft.

"Die Geschichte des FHC ist ein einziges Auf und Ab", bestätigt auch Werner Seibt. Vom Meister bis zur Insolvenz sei alles dabei gewesen. Der Tiefpunkt der Vereinshistorie war der 2. Juli 2013, als der Klub in die Insolvenz gehen und das Bundesligateam auflösen musste. In der Folgesaison konzentrierten sich die Verantwortlichen dann auf die zweite Mannschaft, die in der 3. Liga spielte, und verstärkte diese mit den verbliebenen Bundesliga-Handballerinnen. Ab der Spielzeit 2014/15 wurde dieses Team dann offiziell als erste Mannschaft geführt.

Noch kein Druck da

"Die Finanzen für die 2. Liga sind da", sagt Vizepräsident Seibt. Insgeheim phantasiere man aber in Frankfurt (Oder) über eine Etage höher. "Es wäre ein Traum, wenn wir wieder 1. Liga spielen würden, doch wir sind wirtschaftlich nicht gerade gesegnet", gibt der 78-Jährige zu Protokoll.

Jetzt gehe es mit Volldampf in die Aufstiegsrunde zur 2. Liga, denn die Geschichte und die Erfolge des FHC seien auch den jüngeren Handballerinnen in Frankfurt (Oder) durchaus bewusst. Druck sei aber keiner da. Noch nicht, sagt Gründungsmitglied Seibt.

Sendung: rbb24 um6, 02.05.2022, 18 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler

1 Kommentar

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  1. 1.

    Magdeburg als Vorbild nehmen.
    In einem Jahr Zusage von Intel für Gigainvestition, 3. Liga Meister im Fussball und wahrscheinlich Meister im Männerhandball.
    An die Größe der Stadt angepasst, müsste doch 2022 auch in FF mal wieder was gehen. Fussball mal ausgeklammert, das ist ja noch länger her und wird wohl nix mehr.

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