Interview | Handball-Trainer Bob Hanning - "Wir haben vor der Saison unsere Chat-Gruppe 'Aufstieg 2022' genannt"

Mo 30.05.22 | 18:40 Uhr
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Bob Hanning während eines Spiels seines VfL Potsdam (Bidl: IMAGO/Foto Lächler)
Bild: IMAGO/Foto Lächler

Am vergangenen Wochenende führte Füchse-Manager Bob Hanning den Drittligisten VfL Potsdam als Trainer zum Aufstieg. Im Interview spricht er über dessen Bedeutung, die Chancen für den Nachwuchs und ein arbeitsreiches Jahr.

rbb|24: Herr Hanning, am Sonntag haben Sie mit dem VfL Potsdam den Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga perfekt gemacht. Konnten Sie das schon ein wenig sacken lassen?

Bob Hanning, Füchse-Manager und Trainer des VfL Potsdam: Wenn ich ehrlich bin, ist die ganz große Freude bei mir noch gar nicht angekommen. Stattdessen ist da eher Erleichterung, dass wir unserem einmaligen Ausbildungsprogramm den letzten, noch fehlenden Baustein hinzugefügt haben.

Inwiefern genau komplettiert der Aufstieg das besagte Ausbildungsprogramm der Füchse?

Jetzt haben wir die erste Liga mit den Füchsen, die zweite in Potsdam und dann die dritte Liga und die Jugendbundesligen wieder bei den Füchsen. Damit hast du Platz für 70 Talente. Dazu sind beide Vereine absolut identisch in ihrer Philosophie, was die Kooperation so einfach macht.

Sie können ihre Talente je nach Niveau nun also entweder in der ersten, zweiten oder dritten Liga spielen lassen. Wie wertvoll ist diese sportliche Dreifaltigkeit?

Sie ist unbezahlbar. Wir können Nachwuchsspieler jetzt unter maximal guten Bedingungen maximal fördern. Das legt den Grundstein für den Handball in Berlin und Brandenburg, und wir können hier ein europäisches Trainingszentrum entwickeln. Spielern wie Matthes Langhoff, der zuletzt ein Doppelspielrecht hatte, haben die Spiele mit Potsdam schon jetzt sehr geholfen.

Das Konzept, junge Berliner Spieler auf dem Sprung zum Profi auch in Potsdam spielen zu lassen, geht also so auf, wie gewünscht?

Wir sind die jüngste Mannschaft, die in der Geschichte der dritten Liga aufgestiegen ist. In den Finalspielen war unser Altersdurchschnitt 20 Jahre und wir hatten nur einen Spieler dabei, der nicht aus unserem Ausbildungsprogramm stammt. Das ist besonders.

War dieser Erfolg denn auch schon zu Saisonbeginn so vorhersehbar?

Wir haben vor der Saison unsere Whatsapp-Gruppe "Aufstieg 2022" genannt und von Anfang an gesagt, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen wollen. Gleichzeitig ist Scheitern immer eine Option, wenn man sich hohe Ziele setzt. Aber wir alle haben uns diesem Ziel unterworfen und unglaublich viel dafür investiert. Umso glücklicher bin ich, dieses Projekt Aufstieg zu Ende geführt zu haben.

Auch sie selbst investieren viel: Manager bei den Füchsen, Trainer in Potsdam - bleibt da nicht zwangsläufig von Freizeit bis Schlaf einiges auf der Strecke?

Schlaf ist für mich tatsächlich das absolut Wichtigste, um Kraft zu tanken. Aber im Ernst: Für mich persönlich war es das anstrengendste Jahr überhaupt. Die Arbeit und die zwei Vereine miteinander zu verbinden, dabei noch den VfL Potsdam zu professionalisieren, das hat Kraft gekostet.

An welchen Stellen gab es beim VfL Potsdam denn noch Verbesserungspotentiale?

Es gab an allen Ecken Herausforderungen. Es ging damit los, Trainingsabläufe zu professionalisieren und die medizinische Abteilung neu auszurichten. Dazu mussten wir die Menschen aus ihrer Komfortzone herausholen. Letztes Jahr haben wir in Potsdam ein Finalspiel verloren und alle waren zufrieden, weil es knapp war. Diese Mentalität rauszubekommen, war eine der größten Herausforderungen.

Die zweite Bundesliga dürfte ebenfalls eine solche Herausforderung für Ihre Mannschaft darstellen. Mit welcher Erwartungshaltung gehen sie an diese Aufgabe heran?

Die Mentalität bleibt die gleiche, und wir werden zu keinem Spiel antreten, um es zu verlieren. Ich glaube fest daran, dass wir uns in der zweiten Liga werden etablieren können. Wohl wissentlich, dass das eine große Herausforderung wird, vertraue ich meinen Jungs zu einhundert Prozent.

Sie klingen sehr engagiert bei Ihrer Trainerarbeit in Potsdam. Gibt das Trainerdasein Ihnen etwas, das der Manager-Posten bei den Füchsen nicht bieten kann?

Mit den Jungs zusammenzuarbeiten, macht mir eine Riesenfreude. Ich durfte dieses Jahr die Füchse im Europapokal coachen, als Jaron Siewert Corona hatte, ich durfte sie in der Bundesliga begleiten und Potsdam in der dritten Liga. Das Schönste an der Arbeit mit den jungen Spielern ist, dass man sieht, wofür man es tut. Dazu habe ich als Trainer in Potsdam die Chance, ganz nah bei unseren Talenten zu sein und ihre Entwicklung noch besser zu verstehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jakob Lobach.

1 Kommentar

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  1. 1.

    Da hat sich Herr Hanning ja etwas aufgeladen. Die Füchse in der 1., die Potsdamer in der 2. BL und noch im Verband, hoffentlich hält die Gesundheit damitSchritt..
    Gerade deshalb toi, toi,toi .

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