Mitgliederversammlung im Live-Ticker - Hertha-Interimspräsident Manske tritt zurück, Windhorst will langfristig bleiben

So 29.05.22 | 17:50 Uhr
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Hertha-Vizepräsident Thorsten Manske auf der Mitgliederversammlung (Bild: Imago/Matthias Koch)
Video: rbb24 | 29.05.2022 | Christian Dexne | Bild: Imago/Matthias Koch

Nach dem Klassenerhalt auf den letzten Drücker erlebte Hertha BSC eine turbulente Mitgliederversammlung. Der Interimspräsident trat zurück. Der ausgebuhte Investor Lars Windhorst kündigte ein langes Engagement im Klub an. Alles Wichtige im Live-Ticker

  • Update, 17:22 Uhr: Windhorst trotzt "Raus-Rufen"

Lars Windhorst hat das erste Mal zu Herthas Mitgliedern gesprochen. "Windhorst-Raus-Rufe", gellten durch den Raum, als er die Bühne betrat. Ein Banner mit seinem durchgestrichenen Konterfei wurde in die Höhe gereckt. "Das geht so nicht", mahnte Versammlungsführer Dirk Lentfer. An die lautesten Störer sagte Lentfer: "Das ist jetzt ein Ordnungsruf, ich möchte, dass das unterbleibt!"

"Ich freue mich sehr, dass ich hier sein darf", sagte Windhorst zu Beginn seiner Ansprache mit einem Lächeln und blickte zu den "Buh"-rufenden Ultra-Vertretern, die von ihm aus rechts im Publikum saßen. "Ich glaube, ihr Jungs vorne rechts merkt am Applaus, dass ihr in der Minderheit seid mit eurer Pfeiferei."

Er sagte: "Ob es den meisten gefällt oder nicht: Ich bin als Mehrheitseigner hier. Windhorst raus - das funktioniert faktisch nicht. Man kann mich nicht abwählen und meine Anteile stehen nicht zum Verkauf." Er habe 374 Millionen Euro Eigenkapital investiert. Für den Verein könne das gar kein Risiko darstellen, weil es sich dabei nicht um Kredite oder Schulden handele. "Ich will allen zeigen, ich meine es ernst, das ist ein langfristiges Engagement für 10, 20, 30 Jahre." Denkbar sei auch, dass er weiteres Kapital in den Verein stecke, fügte er unter Applaus zu.

Lars Windhorst bei der Hertha-Mitgliederversammlung (Bild: picture alliance/dpa/Soeren Stache)Lars Windhorst sprach erstmals zu den Mitgliedern.

Zu den jüngsten medial ausgetragenen Konflikten mit der Klubführung sagte der Investor: "Ich habe zwei Jahre lang auf die Zunge gebissen." Aber "das Verhältnis mit Gegenbauer war angespannt", sagte er. Irgendwann habe er reagieren müssen, sagte er im Hinblick auf seine medialen Einlassungen. "Ich stimme zu: Lärm ist auch schädlich", sagte er. Aber irgendwann habe er sich äußern müssen.

Ich gehe nicht weg in den nächsten zehn, zwanzig Jahren - das ist auch nicht möglich.

Lars Windhorst

Dann gab Windhorst Einblicke in seinen gewünschten Einfluss im Verein: "Mir geht es nicht darum mitzuentscheiden. Aber ich möchte mitdiskutieren", sagte er, bevor er wieder von lautem Pfeifkonzert unterbrochen wurde. Es gehe darum, dass man sich fragen müsse, ob man Erfolg haben wolle oder zufrieden sei mit dem unteren Tabellendrittel.

"Ich möchte mich nicht einschmeicheln", sagte er. Aber er stehe hier, weil er Erfolg haben wolle. "Ich gehe nicht weg in den nächsten zehn, zwanzig Jahren - das ist auch nicht möglich", sagte er.

  • Update, 17:20 Uhr: Ergebnisse der Wahl zum Aufsichtsrat des e.V.

Der Aufsichtsrat von Hertha BSC bleibt mit vier Mitgliedern im Amt. Der Vorsitzende Torsten-Jörn Klein, Klaus Brüggemann, Scott Körber und Ex-Profi Andreas Schmidt wurden von den Mitgliedern für ihre Aufgabe im Kontrollgremium bestätigt. Renate Dömer ersetzt künftig den langjährigen Funktionär und früheren Klub-Chef Bernd Schiphorst, der nicht mehr kandidierte.

Update, 17:09 Uhr: Durchhaltevermögen gefragt

Die Mitglieder in der Messehalle 20 brauchen einen langen Atem - auch Twitter-Userin "Maria":

  • Update, 16:57 Uhr: Finanzchef Schiller bittet um Entschuldigung für Ticket-Panne

Der scheidende Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller hat die Kennzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres präsentiert. Bereits am Tag zuvor hatte die Deutsche Fußball Liga Herthas schwierige finanzielle Lage offenbart: Die DFL hatte die Finanzkennzahlen aller 36 Fußballklubs aus 1. und 2. Bundesliga für die Corona-geprägte Saison 2020/21 veröffentlicht. Die größten Verluste nach Steuern zu verzeichnen hatte demnach: Hertha BSC, mit einem Minus von 77,9 Millionen Euro.

Ingo Schiller auf seiner letzten Mitgliederversammlung als Finanzgeschäftsführer von Hertha BSC. imago images/Matthias KochIngo Schiller auf seiner letzten Mitgliederversammlung als Finanzgeschäftsführer von Hertha BSC.

Neben der Nennung der Geschäftszahlen bat Schiller um Entschuldigung für die Probleme rund um den Ticketverkauf vor dem Relegations-Hinspiel gegen den Hamburger SV. "Das war ein großer Mist, da haben wir uns ein großes Eigentor geschossen", so Schiller. Tausende HSV-Fans waren aufgrund des Verkaufs-Chaos an Tickets im Olympiastadion gekommen, die eigentlich Herthas Heim-Fans gegolten hätten.

Dann verabschiedete sich der Geschäftsführer: "Es waren 50 Mitgliedsversammlungen, bei denen ich Bericht erstatten konnte", sagte er. Im Herbst wird er sein Amt als Finanz-Geschäftsführer bei Hertha niederlegen - nach mehr als 20 Jahren. "In dieser Zeit ist Berlin für meine Frau und mich eine Heimat geworden."

"Es war nicht alles gut, aber es war alles gut, wie es war", resümierte Ingo Schiller seine Zeit bei Hertha BSC. Er wünsche dem Verein für die Zukunft nur das Beste, sagte er zum Abschied, und erhielt stehende Ovationen.

  • Update, 16:44 Uhr: Manager Bobic fühlt sich "schuldig"

Unmittelbar nach dem Rücktritt des Interims-Präsidenten folgte der Auftritt von Manager Fredi Bobic. "Wenn ich diese Abwahlen sehe, dann fühle ich mich schuldig", sagte er im Hinblick auf die Verkündung der Ergebnisse der Präsidiums-Abwahl-Anträge.

Dann nutzte Fredi Bobic seine 20-minütige Redezeit für den Versuch, die Anhänger wieder hinter sich und der Klubführung zu einen. Man müsse immer reflektieren: "Was hätten wir besser machen können? Und das machen wir - nicht nur ich, sondern auch das Team."

Fredi Bobic auf der Hertha-Mitgliederversammlung (Bild: picture alliance/dpa/Soeren Stache)Hertha-Manager Fredi Bobic.

"Man kann nicht vom Dach anfangen zu bauen - auch wenn man viel Kapital bekommt." Es bringe nichts, immer nach hinten zu schauen, "das bringt nur Ärger". Diese Saison habe nicht der Wunschvorstellung entsprochen. "Wir haben eine Mannschaft gehabt, die keine Mannschaft war, die verdammt lange gesucht hat, bis sie sich gefunden hat."

Er dankte den Fans noch mal für den Einsatz bei der Relegation: "Das Stadion war voll. Als wir euch gebraucht haben, wart ihr da. Dafür sage ich einen großen Dank. Es sei genau die Kraft, "die wir bündeln müssen" für die Zukunft, "die Kraft, nach vorne zu schauen".

Es muss nicht gleich die Champions League oder Europa League sein, davon habe ich auch nie geredet.

Fredi Bobic, Geschäftsführer Sport

Bobic versuchte, die Ambitionen des Vereins neu zu sortieren: "Es muss nicht gleich die Champions League oder Europa League sein, davon habe ich auch nie geredet", sagt er. Doch er sagte mit Blick auf die aktuelle sportliche Lage auch: "Dieser Verein kann viel mehr."

"Wir müssen einen Riesenklotz machen, müssen Geld einnehmen. Wir können das hinbekommen, aber wir dürfen nicht alles gleich madig machen", sagte Bobic. Er pochte auf mehr Miteinander und verurteilte die internen Grabenkämpfe: "Keine Ahnung, wie viele Falschmeldungen ich mit Absicht produziert habe, um zu sehen, wo die internen Löcher sind", sagte der 50-Jährige - und: "Wenn wir es gegeneinander machen, werden wir uns zerfleischen." Mit seinen Worten schaffte Bobic es offenbar, die Anwesenden hinter sich zu vereinen. "Zusammen können wir das hinbekommen. Ha Ho He", sagte er zum Schluss unter tosendem Applaus.

  • Update, 16:16 Uhr: Interims-Präsident Manske tritt zurück

Herthas kommissarischer Präsident Thorsten Manske hat seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Knapp zwei Drittel der Mitglieder hatten für seine Abberufung gestimmt. Damit scheiterte das Misstrauensvotum zwar (75 Prozent der Stimmen wären dafür erforderlich gewesen), doch Manske hatte sich ein klares Signal von den Mitgliedern gewünscht, das er bei rund 64,2 Prozent an Abwahlstimmen nicht erkennen konnte. "Für mich endet hier ein langer Weg", sagte er unter Applaus der Mitglieder.

Die Abwahlanträge gegen die weiteren Präsidiumsmitglieder waren ebenfalls rechnerisch nicht erfolgreich - und sie blieben mit deutlich besseren Ergebnissen im Amt. Die konkreten Ergebnisse:

Fabian Drescher: 20,7 Prozent der anwesenden Mitglieder hatten für seine Abwahl gestimmt.
Anne Jüngermann: 17,7 Prozent der anwesenden Mitglieder hatten für ihre Abwahl gestimmt.
Peer Mock-Stürmer: 30,1 Prozent der anwesenden Mitglieder hatten für seine Abwahl gestimmt.
Ingmar Pering: 32,7 Prozent der anwesenden Mitglieder hatten für seine Abwahl gestimmt.
Norbert Sauer: 49,4 Prozent der anwesenden Mitglieder hatten für seine Abwahl gestimmt.

  • Update, 15:32 Uhr: Neuwahl des Aufsichtsrates e.V.

Versammlungsleiter Dirk Lentfer stimmt die Anwesenden nun auf die anstehende Neuwahl des Aufsichtsrates e.V. ein. Die Amtszeit des Kontroll-Organs des Vereins beträgt vier Jahre.

Für die fünf Aufsichtsrat-Posten stellen sich acht Kandidatinnen und Kandidaten bei der Mitgliederversammlung zur Wahl: Klaus Brüggemann (Mitglied im Aufsichtsrat e.V.), Renate Döhmer, Oliver Herrgesell, Dr. Torsten-Jörn Klein (Vorsitzender des Aufsichtsrates e.V.), Scott Körber (Mitglied im Aufsichtsrat e.V.), Andreas Schmidt (stellvertr. Vorsitzender des Aufsichtsrates e.V.), Gunnar Seydler und Christian Wolter.

Bereits seinen Rückzug angekündigt hat Aufsichtsrat-Mitglied Bernd Schiphorst. Der 79-Jährige war von 2000 bis 2008 Klubpräsident und insgesamt drei Jahrzehnte lang in verschiedenen Ämtern für den Verein tätig.

  • Update, 14:52 Uhr: Präsidiumsmitglied Ingmar Pering kritisiert Umgangston

Aktuell spricht Präsidiumsmitglied Ingmar Pering zu den Mitgliedern und fordert von den Anhängern einerseits Verständnis für das bestehende Präsidium und kritisiert auf der anderen Seite den Umgangston auf der gegenwärtigen Versammlung. Auch über Perings Abwahl sollen die Anwesenden gleich entscheiden.

Ich stehe hier mit einem zwiespältigen Gefühl, weil ich nicht weiß, was eure Erwartungshaltung ist.

Ingmar Pering, Präsidiumsmitglied

"Ich stehe hier mit einem zwiespältigen Gefühl, weil ich nicht weiß, was eure Erwartungshaltung ist", sagt er eingangs und wieder werden Pfiffe laut. "Ich bin teilweise überrascht über eure Reaktionen", fügt er hinzu. "Wir sitzen zum Teil seit 20 Jahren in den Gremien, versuchen etwas zu tun", stellt er mit Blick auf seine Präsidiumskollegen klar.

Pering appelliert an die Verantwortung aller Vereinsmitglieder. Er betont, dass es zum Teil auch die Anwesenden im Saal gewesen waren, die den umstrittenen Ex-Präsidenten Werner Gegenbauer erneut ins Amt gewählt hatten. "Wir sind fehlerhaft, aber wir arbeiten seit Jahren daran, dass es besser wird", sagt er.

Gefüllter Saal bei der Mitgliederve3rsammlung von Hertha BSC (Bild: Imago/Matthias Koch)Abstimmung auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC.
  • Update, 14:05 Uhr: Präsidiumsmitglieder beziehen Stellung

Es geht weiter mit den Abwahl-Anträgen, die sich gegen die insgesamt sechs Präsidiumsmitglieder richten. Jedes von ihnen hat die Möglichkeit, Stellung zu beziehen - aktuell hat Anne Jüngermann das Wort. Sie ermuntert in ihrem Redebeitrag zur Einigkeit und erinnert daran, dass "wir bei Hertha alle dasselbe wollen".

Die Ergebnisse der Abwahlen werden bekanntgegeben, nachdem jedes Präsidiumsmitglied auf dem Podium sprechen konnte.

  • Update, 13:08 Uhr: Hertha-Mitglied Heinz Troschitz: "Das war ein großer Fehler"

Unter Tagesordnungspunkt 5a) wird in den nächsten Minuten die Abstimmung über die eingereichten Abwahlanträge für das Präsidium vorgenommen. Zur Abberufung einzelner Präsidiumsmitglieder sind mindestens 75 Prozent der Stimmen notwendig.

Im Vorfeld der Abstimmung erläuterte Hertha-Mitglied Heinz Troschitz in einer emotionalen Ansprache seinen persönlich eingereichten Abwahlantrag. Er wandte sich an Thorsten Manske: "Sie haben den damaligen Präsidenten (Anm.: Werner Gegenbauer, dessen Stellvertreter Manske war) so weitermachen lassen, wie in den letzten 14 Jahren, und das war ein großer Fehler", sagte er unter Applaus von weiten Teilen der anwesenden Mitglieder.

In einer Gegenrede bezog Manske Stellung: "Aus den Erfahrungen der zurückliegenden Transferperioden wissen wir, welche Unwägbarkeiten uns erwarten". Schon im August erwarte Hertha die neue Saison. Der Verein müsse handlungsfähig bleiben.

Bei Twitter-User "Delann77" fand er damit Zustimmung:

"Wir haben über einen kollektiven Rücktritt des gesamten Präsidiums noch vor der Mitgliederversammlung gesprochen", sagte Manske. Aber: Man würde dem Präsidium mit einer Abwahl die Möglichkeit nehmen, die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der "vergangenen Misere fruchtbringend" umzusetzen. "Mir und uns geht es nicht um Machterhalt", stellte er unter empörten Pfeifkonzert klar. Er sei aber fest entschlossen, seine Expertise weiter für die Hertha einzusetzen und warb dafür um Vertrauen.

Abstimmung bei der Hertha-Mitgliederversammlung (Bild: picture alliance/dpa/Soeren Stache)Abstimmung auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC.
  • Update, 12:46 Uhr: Aufsichtsratsvorsitzender kritisiert Kommunikation mit Präsidium

In einer emotionalen Rede hat der Aufsichtsratsvorsitzende Torsten-Jörn Klein über die vergangenen Monate gesprochen und die Kommunikation mit Ex-Präsidenten Gegenbauer kritisiert. Zwischen Januar und Mai 2022 habe es zehn Sitzungen des Aufsichtsrates gegeben, "so viele wie noch nie in einer so kurzen Zeitspanne", sagte Klein. "Der Aufsichtsrat ist verantwortlich für den Vereinsfrieden und sorgt dafür, dass der Verein in der öffentlichen Meinung gut dasteht. Doch genau das war nicht der Fall."

In Bezug auf die öffentlichen Meinungs-Verschiedenheiten zwischen Windhorst und dem Präsidium sagte Klein: "Diese Herthanerinnen und Herthaner, die in dieser Halle sitzen, nicht das Präsidium oder die Gremien sind der höchste Rat unseres Vereins." Damit gab er Einblicke, wie die vergangenen Monate zwischen Aufsichtsrat, Präsidium und den strategischen Partner Tennor um Lars Windhorst abliefen. Die öffentlich ausgetragenen Konflikte bei Hertha BSC hätten aufzuhören, sagte Klein. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die zukünftige Arbeit mit dem neuen Präsidium erfolgreicher ablaufen werde.

  • Update, 12:15 Uhr: Termin für Präsidenten-Wahl steht

Der Termin für die Wahl des Gegenbauer-Nachfolgers steht: Er soll bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. Juni (11 Uhr) gewählt werden, kündigte Manske an.

Mitgliederversammlung in der Messe Berlin. Versammlungsleiter Dirk Lentfer (M) spricht während der Begrüßung. (Quelle: dpa/Soeren Stache)Versammlungsleiter Dirk Lentfer spricht während der Begrüßung.
  • Update, 12:10 Uhr: Manske wirbt um Einigkeit

Bei seinem Präsidiums-Bericht hat Interims-Präsident Thorsten Manske um Einigkeit im Klub geworben. "Sie alle, liebe Herthanerinnen und Herthaner, sind wichtige Stützen unseres Vereins und Botschafter unseres Klubs", sagte er in Richtung der anwesenden Mitglieder unter aufbrandendem Applaus. "Wir müssen wieder deutlich näher an die Menschen in der Region und in unserer Stadt heranrücken."

Der jüngste Erfolg in der Relegation gegen den Hamburger SV dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei Hertha in den zurückliegenden Spielzeiten "auf- und abseits des Spielfeldes" teils "kein guter Job gemacht" worden sei. Manske bedauerte den Eindruck "der Hinterzimmer-Politik" im Verein.

Dann sprach Manske über seinen aus dem Amt geschiedenen Vorgänger: "Werner Gegenbauer hat bei seinem Rücktritt zu Wochenbeginn großen Mut bewiesen, um den Weg für einen Neustart bei Hertha freizumachen. Dafür gebührt ihm Respekt." Manske dankte Gegenbauer für sein langjähriges Engagement - was von den meisten Mitgliedern mit Applaus, von einigen mit Buh-Rufen quittiert wurde.

Werner Gegenbauer hat bei seinem Rücktritt zu Wochenbeginn großen Mut bewiesen, um den Weg für einen Neustart bei Hertha freizumachen. Dafür gebührt ihm Respekt.

Thorsten Manske, Interims-Präsident

Manske stellte außerdem die Weichen für einen Neubeginn des als kompliziert geltenden Verhältnis zwischen Klubführung und Investor: "Herr Windhorst, ich reiche Ihnen die Hand und bitte Sie inständig: Lassen Sie uns mit- aber nicht mehr übereinander reden." Damit spielte Manske auf Windhorsts öffentliche mediale Kritik an den Hertha-Entscheidern an.

"Lassen Sie uns gegenseitig mit Vertrauen und Respekt begegnen", sagte Manske. Dieses Angebot wolle er ihm "heute vor anwesenden Publikum" unterbreiten. "Ich wünsche mir, mit meinem gesamten Gremium im Verein, dass wir in eine neue Zeitrechnung aufbrechen. Die Zukunft muss jetzt, hier und heute beginnen."

Auf Twitter hat der "Big City Club" in Manskes Rede jedenfalls schon klare Bewerbungstendenzen vernommen:

  • Update, 11:55 Uhr: Rund 2.500 Mitglieder in der Messehalle 20

Nun gibt es die offiziellen Zahlen: 2.491 Mitglieder sind zur Mitgliederversammlung gekommen - 2.385 von ihnen sind stimmberechtigt.

  • Update, 11:43 Uhr: Windhorst zwischen Applaus und Pfeifkonzert

Bereits vor seiner eigentlichen Ansprache sorgt Lars Windhorst für Emotionen in der Messehalle. Während Versammlungsleiter Dirk Lentfer die einzelnen Tagesordnungspunkte vorliest und dabei die Wortmeldung des Investors ankündigt (Tagesordnungspunkt elf), brandet unter Teilen der Anwesenden Applaus auf, gleichzeitig ist ein gellendes Pfeifkonzert vernehmbar. Vereinzelt recken sich Mittelfinger in die Höhe. Der Investor erhebt sich kurz von seinem Platz in der ersten Reihe, winkt in die Menge, setzt sich dann wieder.

Hertha-Beflaggung vor der Messehalle 20. / picture alliance/dpa/XAMAX | XAMAX
Bild: picture alliance/dpa/XAMAX | XAMAX
  • Update, 11:36 Uhr: Abberufungs-Anträge vorgezogen

Tagesordnungspunkt 5a statt 12: Die Abberufungs-Anträge gegen Mitglieder des Präsidiums wurden nach Abstimmung in der Halle vorgezogen.

  • Update, 11:12 Uhr: Manske: "Respektvoll miteinander umgehen"

Der kommissarische Präsident Thorsten Manske hat die Mitgliederversammlung mit einer kurzen Ansprache eröffnet. "Lasst uns die notwendigen Entscheidungen heute gemeinsam diskutieren und diese Entscheidungen an den Interessen von Hertha BSC orientieren", sagte der Stellvertreter des zu Wochenbeginn zurückgetretenen Präsidenten Werner Gegenbauer in Richtung der mehr als 2.000 anwesenden Mitglieder. Ein (Freud’scher?) Versprecher sorgte für lautes Gelächter im Saal: "Lasst uns heute respektlos - Entschuldigung - respektvoll miteinander umgehen."

Ingo Schiller und Lars Windhost begrüßen sich (Bild: Imago/Matthias Koch)
Investor Lars Windhorst und Noch-Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller.Bild: Imago/Matthias Koch
  • Update, 11:05 Uhr: Windhorst sitzt in der ersten Reihe

Lars Windhorst ist angekommen und wird wohl tatsächlich auf der Mitgliederversammlung zu den Anhängern sprechen. Eben nahm der Millionen-Investor in der ersten Reihe zu seiner ersten Mitgliederversammlung Platz, nahm die Begrüßungen vom scheidenden Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller und Manager Fredi Bobic entgegen.

  • Update, 11:03 Uhr: Fan-Plakat gegen Windhorst

Einige Fans von Hertha BSC haben bereits vor Beginn der Mitgliederversammlung ihren Protest gegen Millionen-Investor Lars Windhorst zum Ausdruck gebracht. Vor Messehalle hängten sie ein riesiges Transparent mit dem Schriftzug "Windhorst raus!" auf.

Dieses Plakat war bereits bei den vergangenen Heimspielen in der Fußball-Bundesliga in der Ostkurve im Berliner Olympiastadion zu sehen gewesen. Den bislang dazugehörigen Teil "Gegenbauer raus" haben die Fans nach dem Rücktritt von Hertha-Präsident Werner Gegenbauer am Dienstag mittlerweile entfernt.

Banner "Windhorst raus" am Messegelände (Bild: rbb)
Bild: rbb

Das wird wichtig bei der Mitgliederversammlung

Auf dem Berliner Messegelände unter dem Funkturm findet am Sonntag seit 11 Uhr die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung von Fußball-Bundesligist Hertha BSC statt. Nach der sportlichen Talfahrt des Klubs und dem nur knapp geschafften Klassenerhalt wird mit Unmutsäußerungen der Fans gerechnet. Gegen das komplette Präsidium wurden Abwahlanträge eingereicht, Vereinspräsident Werner Gegenbauer ist bereits zurückgetreten.

Erstmals wird auf der Versammlung Investor Lars Windhorst zu den Fans sprechen. Der Unternehmer hat in den vergangenen drei Jahren 375 Millionen Euro für Hertha zur Verfügung gestellt und erhofft sich künftig mehr Einfluss auf die Vereinspolitik.

Einen genauen Überblick über die Tagesordnung gibt es hier [herthabsc.com].

Der Verein soll offenbar auch einen neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung (CEO) bekommen. Darauf hat sich der Aufsichtsrat nach Informationen des rbb vom Samstag verständigt. Damit wird die unbesetzte Stelle von Carsten Schmidt nachbesetzt, der den Posten im Oktober vergangenen Jahres aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte.

Wer neuer CEO und damit der Chef von Manager Fredi Bobic wird, klärt sich jedoch erst nach der Mitgliederversammlung des Vereins. Wie der rbb erfuhr, wird ein interner Kandidat als neuer CEO bevorzugt. Die "Bild" berichtet hingegen, dass mit Robert Schäfer ein Externer als Kandidat diskutiert wird.

Sendung: rbb UM6, 29.05.2022, 18 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Zitat: "Windhorst ist ein Windhund .Der gibt dem Verein den Rest."

    Nun ja, Windhorst hat dem Verein immerhin knapp 380.000.000 Euro gegeben. Dass Hertha dieses Invest nahezu komplett den Sand gesetzt hat, ist nun wirklich nicht seine Schuld, Daniela.

  2. 9.

    Leider, Leider wird man mir den Gefallen nicht tun
    Schade, dieser Verein gehört eigentlich in die Geschichtsbücher der Stadt Berlin

  3. 8.

    Diesen Gefallen wird man Ihnen nicht tun!

    Aber noch ein Tipp:
    Einfach keine Berichte über Hertha BSC lesen! (;

  4. 7.

    Dieser Verein spiegelt in perfekter Weise Anspruch und Wirklichkeit von Berlin. Die Kombination aus Größenwahn halbseidener Seriosität und fehlender Professionalität. Und als Garnierung oben drauf ein Ultrablock aus Leuten, die noch nie für etwas im Leben Verantwortung übernommen haben, aber meinen, dass Spieler und Trainer ihnen Rechenschaft schulden.
    Die Szenerie taugt nicht mal als Slapstick oder Parodie eines Vereins. Es ist selbst dafür zu schlecht und zu traurig.
    Wieso tut sich Fredi Bobic das alles an?

  5. 6.

    Windhorst ist ein Windhund .Der gibt dem Verein den Rest.

  6. 5.

    Das Problem bei Hertha war bisher, dass der Trainer als letztendlich Verantwortlicher für den sportlichen Erfolg bei Hertha nie das notwendige Standing hatte. Bobic ist ein anderer Typ als Preetz. Und ich hoffe, im Präsidium wird nun auch mehr Sachverstand einkehren. Das Team aus Spielern und Trainer muss unterstützt werden. Der Trainer hat den Job auch mal Klartext zu reden. Sowohl nach Oben als auch nach Unten. Wenn man sich erfolgreiche Trainer anschaut dann sind das entweder Menschen, die eine klare Linie fahren. Preetz hat die Trainer nie stark sein lassen. Daher hatte Hertha immer Mittelmaßtrainer. Mit Klinsmann kam dann mal ein Unbequemer. Damit sag ich nicht, dass ich ihn mag, aber er wusste was er will und hat dafür gekämpft. Dardai zB ist einfach zu nett und brav. Zum Schluss hat Hertha dann den Schleifer Magath geholt um es zu richten. So eine Type ist manchmal eben nötig.

  7. 4.

    Löst doch diesen Chaosverein komplett auf, dann hat man in der Deutschen Fussballwelt einen ungeliebten Verein weniger
    An Hertha verliert man nichts

  8. 3.

    Mitglied bei Hertha seit 16 Jahren :Immer wieder spielte Hertha mit Einzelgängern und Egoisten auf dem Platz. Herr Bobic hat das erkannt und kann vielleicht endlich den Teamgeist wecken. Weiter so.

  9. 2.

    "Wir müssen Geld einnehmen " sagt Herr Bobic. Na, denn mal los. Die Ausgangslage ist gut. In der Saison 20 /22 führt lt. DFL Hertha vor dem BVB....bei den Verlusten. Davon kann man wohl kein neues Stadion bauen.Wenigstens einmal Spitzenreiter.

  10. 1.

    Wenn sich die Funktionäre dann endlich mal sortiert haben kann es bitte auch um den Sport gehen. Diese Vereinsmeierei sollte sich nicht zu wichtig nehmen, entscheidend ist auf dem Platz. Und vom Aufsichtsrat ist das weit weg. Wie schafft der FCB es bloß immer, den Verein trotz der auch dort vertretenen Grosskopferten so zu lenken, dass am Ende ein dauerhafter sportlicher Erfolg besteht? Präsident, Manager und Trainer müssen an einem Strang ziehen.

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