Para-Take-Off in Fehrbellin - Meisterschaft im Fallschirmspringen für Menschen mit Handicap startet

Do 16.06.22 | 09:08 Uhr | Von Andreas Pötzl
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Stefan Tripke beim Fallschirmspringen. (Quelle: Andreas Pölzl)
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 15.06.2022 | Franziska Tenner | Bild: Stefan Tripke

Im freien Fall mit 300 Sachen Richtung Erde und dabei noch Figuren bilden – Fallschirmspringen ist nichts für schwache Nerven. In Fehrbellin messen jetzt Menschen mit Behinderung ihre Springfertigkeiten. Von Andreas Pötzl

Stefan Tripke aus Fehrbellin will mit einem großen Sportevent ein Zeichen für Inklusion setzen. Deshalb hat er von Donnerstag bis Sonntag Fallschirmspringer mit Handicap nach Fehrbellin zum ersten Para-Take-Off eingeladen. Dort will er zeigen, wie vielfältig Behindertensport sein kann. Angemeldet haben sich 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und Europa.

Tripke springt nach schwerem Unfall wieder

Fallschirmspringen war schon immer Tripkes große Leidenschaft. Seinen großen Traum konnte er viele Jahre als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr beruflich ausleben. Privat absolvierte er unzählige Sprünge auf dem Flugplatz in Fehrbellin. Vor etwa 20 Jahren veränderte jedoch ein unverschuldeter Motorradunfall innerhalb von wenigen Sekunden sein gesamtes Leben. Die bittere Konsequenz: Sein rechter Arm bleibt gelähmt und er wurde berufsunfähig.

Nach jahrelangem Rehatraining gelangen ihm 2014 kleine Erfolge in anderen Sportarten. Stefan Tripke wurde sogar Seniorenlandesmeister im Quadmotocross. Nach diesem Erfolg beschloss der heute 48-Jährige, wieder mit dem Fallschirmspringen zu beginnen. Gemeinsam mit einem erfahrenen Sprunglehrer in Fehrbellin tüftelte er ein System aus, mit dem er den Fallschirm mit nur einer Hand bedienen und damit sicher springen kann.

Stefan Tripke und Trainingspartner Uwe. (Quelle: Andreas Pötzl)Stefan Tripke (rechts) und sein Trainingspartner.

"Es war wie ein Befreiungsschlag"

"Noch nie war das Gefühl, nach Hause zu kommen, so stark, wie bei meinem ersten Sprung mit Handicap über den Wolken von Fehrbellin", sagt Tripke. "Als die Flugzeugtür aufging, konnte ich in den Garten meiner Oma schauen." Damit hatte sich für den leidenschaftlichen Fallschirmspringer ein Kreis geschlossen und ein positives Lebensgefühl kehrte zurück.

Seitdem ist er schon mehr als eintausend Mal über Fehrbellin abgesprungen. Dieses Glücksgefühl wollte er gerne mit anderen Fallschirmspringern mit Handicap teilen. Deshalb entwickelte Tripke ein Konzept für die erste internationale Fallschirmmeisterschaft für Menschen mit Behinderung.

In den vergangenen sieben Jahren hat er bei anderen Events viele Fallschirmspringer kennengelernt. Dabei gefielen ihm vor allem die sogenannten Formationssprünge, bei denen mehrere Fallschirmspringer in der Luft Figuren bilden. Zwei dieser Formationssprünge sind auch Teil des Para-Take-Off. Beim ersten Wettbewerb werden Zweierteams ausgelost, die im freien Fall innerhalb von 40 Sekunden so viele Figuren wie möglich fliegen. Im zweiten Wettbewerb bilden dann jeweils vier Springer einen Kreis in der Luft. Diese Leistungen werden von Schiedsrichtern bewertet, die sich die Flugfiguren in einer Videoaufzeichnung ansehen. Am Ende werden die Sieger gekürt.

"Wir fallen mit 250 bis 300 Stundenkilometern"

15 Fallschirmspringer mit unterschiedlichen Handicaps haben sich für das Event in Fehrbellin angemeldet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Deutschland, England, der Schweiz und den Niederlanden. Mit einem Propellerflugzeug geht es hinauf auf rund 4.000 Meter Höhe.

"Wenn der Flieger startet, schwingt immer Lampenfieber mit", sagt Uwe Rabenstein aus Thüringen. Mit diesem Gefühl könne er aber umgehen. Ihm sei wichtig, dass der Fallschirm richtig gepackt ist und er alle nötigen Ausrüstungsgegenstände dabei hat. "Wenn die Tür dann aufgeht und das Go kommt, ist die Angst weg." Mit einer Geschwindigkeit von 250 bis 300 Kilometern pro Stunde geht es dann im freien Fall Richtung Erde. "Wir kalkulieren das Risiko", sagt Stefan Tripke, "Wenn wir uns nicht sicher sind, springen wir nicht!"

Wer wird Meister im Rollstuhlbeschleunigungsfahren?

An den beiden Wettbewerbstagen gibt es für Zuschauer ein großes Rahmenprogramm. Auf dem Flugplatz können zum Beispiel Tandemsprünge gebucht werden, außerdem ist ein Parkour mit Hindernissen aufgebaut. Dort können Menschen ohne Handicap testen, wie Rollstuhlfahrer, den normalen Alltag bewältigen.

Ein Höhepunkt ist das Rollstuhlbeschleunigungsrennen am Samstag. In Zusammenarbeit mit dem Verein Respekt statt Mitleid wird der erste Berlin-Brandenburg-Meister im Rollstuhlbeschleunigungsrennen gekürt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.06.2022, 15.30 Uhr

Beitrag von Andreas Pötzl

2 Kommentare

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  1. 1.

    Tolle Aktion. Und Gut Sprung :-))

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