Interview | Neuer Hertha-Präsident Bernstein - "Jetzt wartet die größte Aufgabe meines Lebens"

So 26.06.22 | 18:21 Uhr | Von Torsten Michels
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Kay Bernstein auf dem Dach seiner Firmenzentrale in Neukölln, am 21.06. 2022. (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audio: rbb| 26.06.2022| Noll, Jessy Lee | Bild: imago images/Matthias Koch

Kay Bernstein ist seit diesem Sonntag neuer Präsident des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Im Interview unmittelbar nach der Wahl spricht er über die anstehenden Ziele als Klubpräsident und stellt klar, wo er besonderen Handlungsbedarf sieht.

rbb: 1.509 Stimmen hatten Sie für das Präsidenten-Amt benötigt - letztlich wurden es sogar mehr als 1.600. Wie geht es Ihnen mit der erfolgreichen Wahl?

Kay Bernstein: Es ist noch nicht ganz verarbeitet. Auf der Bühne war es sehr emotional, eine Träne war dabei. Es war schön, den Rückhalt zu spüren und auch die Hoffnung im Saal: Lasst uns das gemeinsam schaffen. Das war besonders. Und jetzt wartet die größte Aufgabe meines Lebens.

Sie haben in Ihrer Rede die Hertha als "alte Dame auf Intensivstation" bezeichnet. Was wollen Sie nun als erstes anpacken?

Als erstes gilt es, wieder den Burgfrieden herzustellen mit allen Parteien innerhalb des Vereins. Es geht aber auch um die rund 1.300 Herthanerinnen und Herthaner, die mich nicht gewählt haben, Ihnen die Hand zu reichen und zu signalisieren: Lasst uns reden, lasst uns in den Dialog treten. Und: Das Votum spricht für den Wunsch der Mitglieder, den Neustart auch wirklich zu vollziehen.

Sie hatten vor der Abstimmung ausgeschlossen, als zweite Kraft hinter Ihrem Gegenkandidaten Frank Steffel zur Verfügung zu stehen. War das genau die richtige Entscheidung?

Es geht gar nicht um mich oder Frank Steffel. Sondern der Verein hat die richtige Entscheidung getroffen, die Mitglieder haben die richtige Entscheidung getroffen, welchen Weg sie für Hertha BSC einschlagen wollen. Wir haben seit 2008 Jahre der nicht so glücklichen Entscheidungen durchlebt. Und jetzt geht es in die andere Richtung.

In Ihrer Rede deuteten Sie an, dass Sie selbst unternehmerisch nun kürzer treten werden, korrekt?

Ich gehe raus aus dem operativen Geschäft und werde mich der Aufgabe hier voll und ganz widmen (Anm.: Bernstein war zuletzt Unternehmer in der Kommunikationsbranche).

In Bezug auf den Hertha-Investor Lars Windhorst sagten Sie, ihm wollen Sie auch die Hand ausstrecken – ebenfalls, um Ruhe in den Verein zu bringen?

Um Ruhe reinzubekommen, um eine abgestimmte Kommunikation zu vollziehen und um bei den Zielen in die gleiche Richtung zu laufen.

Wie würden Sie zusammenfassen, was in den letzten Jahren so grundsätzlich schief gelaufen ist bei Hertha?

Wir haben eine zu große Entfremdung gehabt vom Verein zur Basis. Und wenn wir eines mitnehmen vom Votum der Mitglieder, dann, dass es um Nahbarkeit geht. Es geht darum, die Menschen, denen Hertha BSC am Herzen liegt, ernst zu nehmen.

Wann geht es mit Ihrer Arbeit als Präsident los?

Morgen.

Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Torsten Michels, rbb Sport.

Sendung: rbb Abendschau, 26.06.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Torsten Michels

40 Kommentare

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  1. 40.

    Na als Erstes wird Euer neuer Präsident in die Satzung schreiben lassen, daß alle Spieler, die nach einer Niederlage noch auf'm Platz stehen, sofort die Trikots in die Ostkurve zu bringen haben. Hertha ist der WAHRE Karnevalsverein Deutschlands.

  2. 39.

    Umso erstaunlicher, dass dann Hertha aktuell nicht sportlich vor Union steht! Können Sie sich sicherlich auch nicht so richtug erklären, gelle...

  3. 38.

    Blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau,
    Mittelmaß ist blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau, blau.

  4. 37.

    Die Wahl von Bernstein ist schon szn. eine Mutige, die nicht wenige wohl kaum erwartet haben - ich übrigens auch nicht. Und sie zeigt deutlich auf, wie zerrissen das Band zwischen den Anhängern und den Vereinsverantwortlichen war bzw. ist. Den Kandidaten Steffel, der aus der Belle Etage favorisiert wurde, wollte die Basis nicht haben, da er aus deren Sicht wohl für ein "weiter so" mit kleinen Anpassungen stand.

    Ob nun aber ein scheinbar eher emotional geprägter 'Jungspund' wie Bernstein, der bisher m. W. nur einer nicht allzu großen IT Firma vorstand, den Dampfer Hertha BSC wieder auf Kurs bringen kann, bleibt abzuwarten . . .

  5. 36.

    Zitat: "Und der aktuellste Titel von Union? ;-)"

    Der FCU war immerhin Meister der zur Saison 2008/09 neu eingeführten eingleisigen 3. Liga - und das ganz souverän drei Spieltage vorm Abschluss. ;-)

    Und so schön die aktuellen Erfolge des FCU auch sind, aber von einer "Wachablösung" kann man wohl kaum sprechen. Die meisten Fans machen das auch nicht und der Verein schon gar nicht. Der FCU landete in der Buli bisher zweimal deutlich vor Hertha; was die nächsten Jahre bringen, wird man sehen . . .

  6. 35.

    Zitat: "HERTHA BSC gab es schon, da hat Union noch im Park gespielt"

    Nu ja, Der FCU (bzw. seine Vorläufer) spielt immerhin schon seit mehr als 120 Jahren im Stadion An der Alten Försterei. Und Hertha ist gerade mal knapp 14 Jahre älter als Unions erster Vorgängerverein FC Olympia Oberschöneweide.

  7. 34.

    Verrate dem Unioner67 aber nicht, dass entgegen seiner Vereinsfarben in den Farben Berlins kein Gelb ist! :D Und am besten auch nicht, dass Union früher als Logo eine blau-weiße Flagge hatte und es dann geändert hat, um "anders" zu sein als Hertha BSC (was ja heute noch in der DNA Unions steckt - Hauptsache "anders" sein).
    Als Hertha BSC gegründet wurde, war die Flagge Berlins übrigens noch gar nicht Rot und Weiß.

  8. 33.

    Das oly wird blau angestrahlt und nicht blau/ weiß wenn hertha spielt. Also bleib bei blau.

  9. 31.

    Na, dann mal viel Spaß beim Vertauen des Brötchens. Mit oder ohne Betäubung?

  10. 30.

    HERTHA BSC gab es schon, da hat Union noch im Park gespielt

  11. 29.

    In der Tat. Die Landesflagge Berlins ist rot-weiß mit einem schwarzen Bären (fast) in der Mitte. Insofern ist Berlin rot-weiß. Der Köpenicker Club hat anscheinend die Farben der nahegelegenen Hauptstadt übernommen. ;)

  12. 27.

    Wenn man sich mal die private Webseite von Frank Steffel zu Gemüte führt (bitte aber erst nach Vertauen eines Schweinemettbrötchens, das ist nüchternen Magen ist das kaum zu ertragen), weiß man was ihn mit Hertha und dem Investor so idealerweise verbunden hätte:

    Großspurigkeit.

    Dass Steffel nicht gewählt wurde, ist die erste positive Überraschung, die ich als Gladbach-Fan von Hertha seit den Tagen von Erich Ete Beer von diesem Club vernommen habe.

  13. 26.

    Nachdem in den letzten drei Jahren alle Abteilungen des Vereins mit kolossalem Unvermögen geglänzt haben zieht nun die Basis nach. Ein Präsident ohne jegliche Kompetenzen und Vorkenntnisse, der nur hohle Werbephrasen drischt, aber ein "Kind der Kurve" ist - der Kurve, die in den letzten Jahren nur durch grenzkriminelle Querelen und die immer gleichen drei "Lieder" aufgefallen ist. Jetzt wird bestimmt alles besser...

  14. 25.

    Da sitzt der Stachel aber tief.Das Hertha den allein anspruch für Berlin und Umland erhebt,ist seit langem Geschichte und würd so bald nicht wieder kommen(auch mit neuem Präsi. nicht).Berlin ist rot weiss

  15. 23.

    "Burgfrieden"?
    Vereinbarung zwischen [zwei] Parteien, sich [eine bestimmte Zeit lang] nicht zu bekämpfen.
    Toll.
    Statt zu einigen, ist das der billigste Kompromiss.
    Sieht so aus, als bliebe uns weiterhin ein Verein erhalten, dessen innere Zerrissenheit, wie seit Jahren Usus, nur gesittet, eben eine brüchige Schönheitsreparaturen, Berlin zum Lachen bringt. Eine Harlekin-Truppe eben.

  16. 22.

    Schön das die meisten Leute hier Kay offensichtlich persönlich kennen oder woher nehmt IHR eure vollumfassende Meinung ???
    Einfach mal abwarten und schauen was seine 100 Tage bringen werden.
    HaHoHe

  17. 21.

    Nun, die Erfolge des BCC halten sich auch in Grenzen und scheinen aus grauer Vergangenheit.
    Seit den letzten Saisons ist wohl eher das Bestreben den Rekord von Tasmania zu brechen.
    18/19 13 verlorene Spiele, 19/20 waren es 14, 20/21 15 und in der Saison 21/22 17 Spiele verloren! Der Anfang wird am 04.08. gemacht, wenn der BCC seine erste Klatsche der Saison einfährt.
    Eine erste Bewährungsprobe für den gewählten Ultra zum Präsident.

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