Golfturnier German Masters in Michendorf - Eine Lokalmatadorin aus den USA

Mi 29.06.22 | 17:36 Uhr | Von Ilja Behnisch
Symbolbild Golf (imago images/Jorge Lemus)
Audio: Inforadio | 29.06.2022 | Johanna Rüdiger | Bild: imago images/Jorge Lemus

Am Donnerstag starten in Michendorf die German Masters, ein Golf-Turnier der Ladies European Tour. Mittendrin: Polly Mack. Die 23-Jährige ist in Berlin geboren, musste für ihren Traum vom Profi-Golf aber weit reisen.

Wenn am Donnerstag, den 30. Juni 2022, nach rund fünf Jahren Pause wieder Europas Spitzengolferinnen in Deutschland an den Start gehen, heißt es für Polly Mack früh aufstehen. Denn die 23-Jährige gehört zu den ersten drei Spielerinnen, die bei den dann beginnenden Amundi German Masters in Michendorf, südwestlich von Berlin, auf die um 8.30 Uhr angesetzte, erste Runde gehen.

Doch zum einen ist es für die in Berlin geborene Mack eine Art Heimspiel. Schließlich kennt sie die Anlage des Golf- und Country Clubs Seddiner See aus ihrer Kinder- und Jugendzeit. Und auch das mit dem frühen Aufstehen gehört für Mack quasi zum Alltag. Zwei Mal die Woche Workout bereits um 7 Uhr hieß es für sie am US-College, welches Mack in den letzten drei Jahren besuchte. Zunächst an der University of Nevada, im letzten Jahr an der University of Alabama, des besseren Trainers wegen. Ein Studium im Zeichen des Golfsports, mit einem "full scholarship" gefördert, Taschengeld inklusive, über das Mack gegenüber rbb|24 sagt: "Meistens konnte man am Ende des Monats sogar etwas sparen."

Der Traum von Olympia

Was vielleicht auch daran liegt, dass Mack gar nicht so viele Möglichkeiten hatte, Geld auszugeben. Der Stundenplan war eng getaktet, zwischen Uni-Kursen und Golf-Training blieb da wenig Zeit. Neben den Athletik-Einheiten kamen so auch zwei bis drei Stunden spezifisches Golf-Training hinzu. Und auch am Wochenende seien sie "normalerweise auf den Platz gegangen" und hätten gespielt. Inzwischen hat Mack nicht nur ihren Uni-Abschluss in der Tasche, sondern auch die Zulassung für die sogenannte Epson-Tour.

Die gilt als die Fördertour der LPGA, der amerikanischen Profi- und mithin stärksten Tour der Welt. Dass sie den direkten Zugang zur LPGA bei den Qualifikationsturnieren im Herbst verpasst hat, schmerz Mack nicht sonderlich, der "Epson-Tourstatus war mir das Wichtigste", sagt sie. Mack investiert viel in den Sport, will sich aber auch den Spaß nicht verderben lassen. Auf ihre Träume angesprochen etwa sagt sie: "Wenn das Pro-Leben wirklich so ist, wie ich mir das vorstelle und wenn ich das so mag, wie ich mir das vorstelle, dass ich dann wirklich ein paar Jahre solide LPGA spiele." Ein noch größerer Traum sind die Olympischen Spiele: "Das wäre Wahnsinn, wenn das mal klappen würde."

Mehrere Favoritinnen

Ein Vorbild für "kleinere Ichs" wolle sie sein, sagt sie. Womit wir wieder beim mit 300.000 Euro dotierten German Masters wären. Als Favoritin auf den Sieg firmiert sie noch nicht. Dazu zählt schon eher die Hamburgerin Esther Henseleit. Die 23-Jährige spielt bereits auf der LPGA Tour, kann es aber "kaum erwarten, dass endlich wieder ein Profi-Damenturnier in Deutschland stattfindet", so Henseleit.

Neben der Hamburgerin gehören die deutschen Golferinnen Olivia Cowan, Karolin Lampert, die Schwedin Julia Engström sowie die 18 Jahre alte Slowenin Pia Babnik, die beim ersten Major des Jahres in Kalifornien den dritten Platz belegte, zu den Favoritinnen auf den Turniersieg. Ebenfalls am Start: Die 22 Jahre alte Schwedin Linn Grant, die in dieser LET-Saison bereits dreimal erfolgreich war und bei der Scandinavian Mixed Geschichte schrieb, als sie sich eindrucksvoll auch gegen die Männerkonkurrenz der DP World Tour durchsetzte.

Heimspiel für Polly Mack

Trotzdem kommt Mack als Lokalmatadorin eine besondere Rolle zu bei diesem Turnier. Ihr Heimatclub, der Berliner Golfclub Stolper Heide, liegt schließlich gerade einmal rund 50 Kilometer entfernt. Dort kenne man sie, seit sie drei Jahre alt war. Sie wuchs direkt neben dem Golfplatz auf, der ihr wie "ein zweites zu Hause" wurde. Nun kehrt sie zurück, spielt vor ihrer "Home-Crowd", wie sie sagt, vor ihrer Familie, ihren "Leuten". "Jetzt in einem wirklich großen Turnier spielen zu dürfen, meinen Golfclub präsentieren zu dürfen, ist eine mega Chance und eine Ehre für mich."

Und wer weiß, vielleicht sorgt Polly Mack ja eines Tages dafür, dass die "kleineren Ichs" nicht mehr in den USA studieren müssen, um ihren Traum vom Golfprofi zu verfolgen. Noch aber habe der Sport dort einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland. "In Amerika hat man in jedem Restaurant fünf Fernseher an der Wand hängen - einer davon zeigt immer Golf", so Mack. Sollte sie dazu beitragen, dass sich daran etwas ändert, ist auch das mit dem Frühaufstehen nicht mehr ganz so arg. Favoritin Esther Henseleit etwa geht am Eröffnungstag erst um 14.39 Uhr an den ersten Abschlag und damit satte sechs Stunden später als Polly Mack. Aber die ist das ja zum Glück gewöhnt.

Sendung: rbb24 Inforadio, 29.06.2022, 15:15 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

Nächster Artikel