Füchse Berlin im Saison-Endspurt - Der Verfolger will mehr

Sa 04.06.22 | 10:23 Uhr
Abklatschen bei den Füchsen Berlin. / imago images/Zink
Video: rbb24 | 31.05.2022 | Jonas Schützeberg | Bild: imago images/Zink

Drei Spiele in acht Tagen: Auf die Füchse Berlin wartet der Endspurt in der Handball-Bundesliga. Die Champions League können sie zwar nicht mehr aus eigener Kraft erreichen - aufgegeben haben sie aber noch nicht.

Die Füchse Berlin lauern. "Wir haben es nicht in der eigenen Hand und müssen hoffen, dass Kiel irgendwie ausrutscht", sagt Trainer Jaron Siewert vor dem Endspurt in der Handball-Bundesliga. Zwei Punkte liegt sein Team als Tabellendritter hinter dem Rekordmeister von der Ostseeküste - und es sind noch drei Spieltage, um diesen Rückstand wettzumachen. Denn Kiel als Zweiter hat aktuell das, was die Berliner wollen: ein Ticket für die Champions League. "Das ist das Nonplusultra. Das hat nochmal einen ganz anderen Reiz", sagt Siewert.

Showdown gegen Flensburg

Am Sonntag beginnt der finale Kraftakt gegen Minden (16:05 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Danach geht es Schlag auf Schlag. Die letzten drei Spiele finden binnen acht Tagen statt. Mittwoch geht es nach Balingen (19:05 Uhr), ehe zum Abschluss der aktuell Viertplatzierte Flensburg nach Berlin kommt (12. Juni, 15:30 Uhr). Es könnte der Showdown um die Spitzenplätze werden - oder wie Siewert sagt: "Wir wollen die ersten beiden Spiele unbedingt gewinnen, um gegen Flensburg das Finale um den dritten oder zweiten Platz zu haben."

Die Form passt. Die vergangenen vier Spiele haben die Füchse gewonnen. "Wir haben sehr konstant gespielt und auch souveräne Siege eingefahren", sagt Siewert, "die Jungs machen es jetzt zum Ende wirklich gut." Die bislang letzte Partie liegt jedoch schon knapp zwei Wochen zurück. Natürlich hätten sie gerne mehr Spiele in dieser Phase. Daraus macht Siewert keinen Hehl. Er denkt dann "zum Beispiel an so ein Final Four in der European League, das letztes Wochenende anstand." Es ist Wermutstropfen für den Trainer und sein Team, sich schon im April gegen Nantes aus dem europäischen Wettbewerb verabschiedet zu haben. Aber es ist eine Chance zugleich: "Wir haben den vollen Fokus auf der Bundesliga."

Siewert warnt vor Abstiegskandidaten

Dort wollen sie ihren Flow aus dem Mai nutzen. Gegen Minden und in Balingen zählen nur Siege. Die Teams stecken als Tabellen-16. und 17. tief im Abstiegskampf. Dennoch warnt Siewert - genau das mache sie so gefahrlich. "Sie sind in keinster Weise zu unterschätzen. Sie werden topmotiviert und gut eingestellt sein. Ich glaube, das setzt nochmal ganz andere Kräfte frei, wenn du gegen den Abstieg spielst. Minden ist jetzt nicht gerade unser Lieblingsgegner."

Das Restprogramm der Top-Teams

In Zahlen bedeutet das: Drei der letzten fünf Spiele verloren die Berliner gegen die wankenden Ostwestfalen. Und auch Balingen ist bei Siewert und Co. nicht in allerbester Erinnerung: Am Tag vor Weihnachten trotzten sie den Füchse im Hinspiel ein 26:26 ab und dämpften die Festtagsstimmung gehörig. Es war die Phase, in der Siewert und Co. eine noch bessere Ausgangslage verspielten. "Wir haben grundsätzlich eine sehr, sehr gute Saison gespielt. Aber da sind natürlich ein paar Punkte, die man gerne mehr hätte. Das kann man nicht mehr ändern", sagt auch Routinier Hans Lindberg, der kürzlich mit 40 Jahren seinen Vertrag noch einmal verlängerte.

Wildcard für den Bundesliga-Dritten?

Lindberg kennt die Handball-Bundesliga seit 15 Jahren als Spieler. Der Traum vom zweiten Platz? In seinen Augen eher unrealistisch. Ein Straucheln des THW Kiel kann er sich nicht vorstellen. "Aber wir gehen natürlich rein, um alle drei Spiele zu gewinnen. Wenn wir das machen, sind wir Dritter und krönen eine sehr gute Saison. Das ist auch etwas wert", sagt Lindberg.

Und vielleicht führt der dritte Platz sogar doch in die Champions League. Es ist allenfalls eine kleine Chance, aber: Sie existiert. Für die Königsklasse vergibt der europäische Verband zehn feste Startplätze - zwei davon an die Handball-Bundesliga. Hinzu kommen noch sechs Wildcards. Eigentlich ist die Bundesliga bei diesen außen vor. Nun kann sie aber auf einen dritten Startplatz schielen. Zwei der vakanten Tickets gingen nämlich zuletzt nach Belarus und in die Ukraine. Ob das auch in der kommenden Champions-League-Saison so sein wird, ist kriegsbedingt unklar. Werden die Wildcards frei, könnte eine von ihnen an den Dritten aus Deutschland gehen. Diese Möglichkeit dürfte - trotz viel Konjunktiv - ein weiterer Ansporn für die Füchse im Endspurt sein.

Sendung: rbb24, 31.5.2022, 18 Uhr

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