Multisport-Event in Berlin - Das waren die Highlights der Finals 2022

Mo 27.06.22 | 07:13 Uhr | Von Shea Westhoff
Kugelstoßerin Sara Gambetta vorm Brandenburger Tor
Audio: rbb24 Inforadio | 26.06.2022 | Jakob Rüger | Bild: picture alliance / Geisler-Fotop

Die Finals in Berlin haben in den vergangenen Tagen zahlreichen unterrepräsentierten Sportarten und Athleten eine große Bühne geboten. Doch auch die Superstars der Leichtathletik sorgten für Glanzmomente. Die Höhepunkte der Finals 2022.

Lita Baehre sendet Ausrufezeichen an die WM-Konkurrenz

Bo Kanda Lita Baehres Auftritt wirkte schon fast aufreizend mühelos, und der Erfolg gab ihm recht. Der Stabhochspringer ist in Berlin am Samstag über die 5,90m gesegelt und hat sich damit mal eben in die ewige Bestenliste eingetragen. Es war der achthöchste Sprung eines deutschen Leichtathleten. Nur einen Fehlversuch hatte sich der gebürtige Düsseldorfer zuvor im Wettbewerbsverlauf erlaubt. Ergänzt durch seine hippe Sonnenbrille ergab seine Vorstellung ein lässiges Gesamtbild.

Mit seiner persönlichen Bestleistung holte sich der 23-Jährige seinen vierten deutschen Meistertitel. "Germany’s finest", kommentierte Lita Baehre seine eigene Leistung lapidar und abgebrüht. Die 5,90m dienen natürlich ebenso als starkes Signal an die internationale Konkurrenz, auf die Baehre in Kürze bei den Weltmeisterschaften in Eugene trifft (15.-24.07).

Scheinwerferlicht auf Randsportarten - Beispiel Trial

Beim Rad-Trial konnte man erkennen: Das Konzept der Finals, sogenannten Randsportarten eine Bühne zu geben, ist einmal mehr aufgegangen. Vor dem Roten Rathaus verlief der Parcours für den Radsport-Wettkampf, bei dem die Athletinnen und Athleten über 1,50m-hohe Hindernisse fahren, möglichst ohne dabei den Fuß auf dem Untergrund abzusetzen.

Sportbegeisterte, aber auch flanierende Touristen und Passanten machten Station beim Radsport-Event, und staunten nicht schlecht im Angesicht der halsbrecherischen Radkünste. "Phänomenal, was die da machen, das ist unglaublich", kommentierte ein Zuschauer bereits die Aufwärmübungen am Parcours, bei denen die Athleten auf den herumstehenden Stein-, Holz- und Metallelementen entlangbalancieren. "Wenn wir das auch nur annähernd versuchen würden, bräuchten wir wahrscheinlich einen Krankenwagen", sagte ein anderer Zuschauer und lachte.

Nina ReichenbachNina Reichenbach springt mit ihrem Trial-Bike beim Wettbewerb Trial Damen über die Hindernisse.

"Es ist ein Prozess, wo die Hindernisse immer verrückter werden, so wird man immer besser", sagte Deutschlands beste Trialerin Nina Reichenbach aus Baden-Württemberg dem rbb. "Ich mag das Grenzenlose. Egal, auf was für einem Level man ist, es gibt immer noch Räume, in denen man sich verbessern kann."

Die spektakulären Wettkampfstätten

Genau wie das Rote Rathaus beim Radsport-Trial sorgten auch andere Berliner Sehenswürdigkeiten für eine spektakuläre Kulisse für insgesamt 190 Titel-Entscheidungen in 14 Sportarten. Außer dem Roten Rathaus und dem angrenzenden Alexanderplatz, waren dies etwa der Spree-Abschnitt entlang der East Side Gallery, wo die Kanusportler gegeneinander antraten, oder das malerische Strandbad Wannsee, das als Startpunkt für die Triathlon-Wettbewerbe diente.

Den Titel vor der wohl atemberaubendsten Kulisse hatte am Donnerstag Sara Gambetta aus Halle geholt: Direkt vor dem Brandenburger Tor stieß sie die Kugel 18,67m weit - und überließ es den Zuschauern, ob die sportliche Leistung oder die Szenerie mit dem Berliner Wahrzeichen atemberaubender war.

11-jähriger Lenni: Dabei sein ist alles

Oft sind es gerade nicht die Weltrekordler und Serienmeister, die an die große Kraft des Sports erinnern. Der 11-Jährige Lenni sorgte für einen Gänsehaut-Moment bei vielen Zuschauern, als der sehbehinderte Nachwuchs-Triathlet in der Mixed Staffel an der Hand seines Vaters über die Ziellinie am Olympischen Platz rannte. "Für mich war es zwar anstrengend, manchmal hatte ich auch etwas Angst, aber ich fand das wunderschön", sagte Lenni hinterher stolz.

Mihambo hält dem Druck stand

Malaika Mihambo hat es wieder einmal allen gezeigt. Die Weitspringerin war eines der Gesichter der Finals 2022, ihre Vorstellung war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden. Wie präsentiert sich die Olympiasiegerin von Tokio - so kurz vor den anstehenden Weltmeisterschaften in Eugene? Die Antwort: vielleicht noch nicht ganz in WM-Gold-Form, aber doch als unangefochtene Top-Springerin in Deutschland.

Am letzten Finals-Abend sprang Mihambo im Olympiastadion gute 6,85 Meter und holte sich damit - natürlich - ihre sechste deutsche Meisterschaft.

Aileen Röslers erfolgreicher Auftritt

2018 war die Karriere der Trampolinspringerin Aileen Rösler fast vorbei. Als damals 18-Jährige schaffte sie es nach einer komplizierten Sprungfigur nicht, zum Stehen zu kommen, wurde vom Tuch erneut in die Höhe geschleudert, verlor die Kontrolle und landete mit dem Kopf auf dem Boden. Röslers Halswirbel verrenkte sich dabei. Die OP glückte, doch immer wieder war sie seitdem gehemmt, sprach selbst von "Black Outs".

In Berlin kam sie nun unter die besten drei, hinter Vereinskollegin Leonie Adam sowie Maya Möller. "Glücklich" sei sie "jetzt sagen zu können, dass ich wieder zurück bin", schrieb danach auf Instagram.

Sendung: rbb24 Inforadio, 26.06.2022, 16:15 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

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