Interview | Basketball-Trainer Israel Gonzalez - "Ich bin bei Alba genau an dem Ort, an dem ich sein will"

So 10.07.22 | 10:39 Uhr
Alba-Trainer Israel Gonzalez bei der Arbeit an der Seitenlinie (Bild: IMAGO/Contrast)
Bild: IMAGO/Contrast

In seiner ersten Saison als Cheftrainer hat Israel Gonzalez mit Alba Berlin das Double gewonnen. Im Interview spricht der Spanier über den Schritt vom Assistenten zum Chef, überraschende Erfolge und seine Vertragsverlängerung.

rbb|24: Herr Gonzalez, wo erwischen wir Sie gerade?

Israel Gonzalez: Ich bin gerade in Gran Canaria bei der Familie meiner Frau. In einer Woche geht es dann in meine Heimat, den Norden von Spanien, um dort ein wenig zu campen. Ich kann mich also nicht beschweren.

Vor drei Wochen ist die Saison von Ihnen und Alba mit der dritten Meisterschaft in Serie zu Ende gegangen. Was sticht heraus, wenn Sie mit etwas Abstand zurückblicken?

Als erstes, dass es sowohl für Alba als auch für mich persönlich ein perfektes Jahr war. Zweitens, dass der Weg zu diesem perfekten Jahr nicht einfach war. Wir hatten über die Saison viele Probleme. Probleme, die wir als Coaches, Spieler und Klub in viel Zusammenarbeit sehr gut gelöst haben. Ich bin also sehr glücklich, wenn ich zurückgucke.

Es war ihre erste Saison als Cheftrainer und Nachfolger von Aito Garcia Reneses. Hätten Sie zum Saisonstart mit zwei Titeln gerechnet oder haben Sie sich selbst überrascht?

Ich habe mich selbst sehr überrascht. Vor der Saison war das Ziel, unsere Mannschaft weiterzuentwickeln und in der Liga, im Pokal und in der Euroleague gut mitzuspielen. In zwei Wettbewerben einen Titel zu holen, das habe ich nicht erwartet. Auch weil wir wussten, dass die Bayern viel mehr Geld als wir und ein sehr starkes Team hatten.

Trotzdem haben Sie Alba zur Meisterschaft und zum Pokalsieg geführt. Was waren hierbei die größten Unterschiede in Ihrer neuen Arbeit als Cheftrainer im Vergleich zu der eines Assistenten?

Nun ja, ich muss jetzt viel häufiger mit den Medien sprechen und mehr Interviews geben als vorher. Nein, Spaß beiseite. Am Ende habe ich die letzte Entscheidung. Wir diskutieren zwar als Trainerteam alle Entscheidungen gemeinsam, aber wenn wir uns mal nicht einig werden, muss ich entscheiden. Natürlich habe ich so mehr Verantwortung, aber ansonsten war meine Arbeit sehr ähnlich. Ich habe mich ja bereits als Assistent von Aito sehr wichtig und ernstgenommen gefühlt.

Wie viel von dem Trainer Aito steckt denn noch in Alba und dem Trainer Gonzalez?

Aito war mein Mentor. Ich habe seinen Stil schon verfolgt, bevor ich unter ihm arbeiten durfte und unter ihm habe ich mich als Trainer sehr weiterentwickelt. Als er gegangen ist, haben wir versucht, seinen Stil und die Grundlagen seines Spiels beizubehalten. Es wäre ja auch dumm gewesen, die gute Arbeit der letzten vier Jahre zu verwerfen, nur weil ich der neue Trainer bin. Zumal ich ja auch an Aitos Philosophie glaube.

Ein Teil dieser Philosophie ist auch, Erfolg nicht nur anhand von Siegen und Niederlagen zu messen. Abseits der Titel: Was von der Arbeit mit Ihrem Team ist Ihnen aus der letzten Saison noch im Kopf geblieben?

Die tägliche Arbeit war großartig. Die Spieler waren froh, dass sie jeden Tag weitergelernt haben, und ich, dass ich etwas lehren durfte. Dazu die Situation rund um Corona: Wir hatten zwischenzeitlich elf Coronafälle im Team und mussten danach jede Woche drei, teilweise sogar vier Spiele spielen. Deswegen haben wir, wann immer wir konnten, alle zwölf Spieler eingesetzt. Das hat unserem gesamten Team Selbstvertrauen verschafft, nicht nur einigen Spielern. Ich bin sehr stolz auf mein Team, dass es eine so schwere Situation nicht nur überstanden, sondern sie zu ihrem Vorteil genutzt hat und an ihr gewachsen ist. Am Ende haben wir es geschafft, nicht nur schönen und spektakulären Basketball gespielt, sondern auch erfolgreichen.

Von der vergangenen Saison zur kommenden: Mit Gabriele Procida hat Alba jüngst den ersten Zugang vermeldet. Was halten Sie von Ihrem neuen Schützling?

Ich bin sehr gespannt, wie Gabriele sich bei uns entwickeln wird. Er ist ja erst 20 Jahre alt, ist aber ein großes Talent und hat meiner Meinung nach eine große Zukunft vor sich. Und er ist schon jetzt ein guter Werfer, der uns auch beim Rebound weiterhelfen wird.

Inwiefern sind Sie als Cheftrainer nun allgemein in die Kaderplanung und Verpflichtungen von Sportdirektor Himar Ojeda eingebunden?

Ich spreche jeden Tag mit Himar. Ich erkläre ihm, was ich glaube, wie wir das Team noch besser und erfolgreicher machen können. Aber wenn es darum geht, das Team zusammenzustellen, hat er am Ende den Hut auf. Himar hat in den letzten Jahren tolle Arbeit geleistet, sodass es keinen Grund gibt, ihm da nicht zu vertrauen.

Auch Sie selbst haben unter der Woche einen neuen Vertrag bei Alba unterschrieben. War das im Grunde reine Formsache oder mussten Sie länger darüber nachdenken?

Das war keine besonders schwere Entscheidung für mich. Ich bin bei Alba genau an dem Ort, an dem ich sein will. Alba ist ein toller Klub mit einem tollen Team und einer Organisation, die sich stetig weiterentwickeln will. Es war also ein leichter Schritt, meinen Vertrag zu verlängern.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Gonzalez.

 

Das Interview führte Jakob Lobach.

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