Sorbische Fußballer werden bei Europeada Dritter - "Unsere Nationalhymne haben alle gelernt"

So 03.07.22 | 20:25 Uhr
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Spieler der sorbischen Auswahl machen eine Welle mit ihren Fans (Quelle: europeada)
Audio: Antenne Brandenburg | 02.07.2022 | Sebastian Schiller | Bild: Europeada

Die sorbische Auswahl "Serbske mustwo" ist bei der Fußball-Europameisterschaft der nationalen Minderheiten in Österreich Dritter geworden. Viel wichtiger als das sportliche Abschneiden war aber die kulturelle Begegnung.

Horst Adam überlegt auffallend lange auf die Frage, ob der dritte Platz bei der Europeada für die sorbische Auswahl ein Erfolg sei. Der Vereinsvorsitzende des sorbischen Fußballteams "Serbske mustwo" verzichtet nach der Gedankenpause auf eine Einordnung und verweist auf die Fakten: "Wir wollten eigentlich das Finale erreichen, aber die anderen waren besser. Immerhin war es bei der vierten Europeada unser bislang bestes Abschneiden."

Die Auswahl der Sorben hatte das Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft der nationalen europäischen Minderheiten im österreichischen Kärnten am Samstag gegen die Gastgeber vom Team Koroška, die Auswahl der Slowenen in Kärnten, mit 0:1 verloren und damit den Finaleinzug verpasst. Trainer Sven Ballack muss nicht so lange überlegen, für ihn ist dieser dritte Platz "sensationell". Dazu stellte das Team mit Christian Rinza den Torschützenkönig des Turniers (6 Treffer). Doch bei aller sportlichen Ernsthaftigkeit: Bei diesem Turnier ist die kulturelle Begegnung mindestens so wichtig wie die Endplatzierung.

Sportliche Unterschiede, aber ähnliche Erfahrungen

Das fußballerische Niveau sei laut Adam sehr unterschiedlich gewesen. Die stärkeren Teams wie die Kärntner Slowenen und die Turniersieger, die südtiroler Deutschen, hätten das Niveau einer hiesigen Landesligamannschaft (siebte Liga). Andere könnten hier lediglich in der Kreisliga mithalten, so seine Einschätzung. Da hätte es "Serbske mustwo" gut getan, einige Halbprofis aus Krieschow dabei zu haben, hier immerhin Fünftligaspieler, "aber der Verein hat sie nicht mitfahren lassen".

So groß die sportlichen Unterschiede, sei in vielen Gesprächen aufgefallen, dass man sich in den Erfahrungen zu Hause sehr ähnliche sei. "Auch die Rätoromanen haben Mühe, Ihre Sprache zu bewahren." Dieser interkulturelle Austausch sei die entscheidende Idee hinter der Europeada. "Dieses gemeinsame Erleben, sich gegenseitig Mut zu machen, das funktioniert."

Niedersorben und Obersorben erstmals gemeinsam

Für die Gruppe war dieses Turnier etwas Besonderes. Zum ersten Mal haben die Niedersorben aus Brandenburg und die sächsischen Obersorben ein gemeinsames Team gebildet. "Wir sind in kürzester Zeit zusammen gewachsen," freut sich Horst Adam. Überhaupt sei der Sport für die sorbische Identität schon immer wichtig gewesen. Dabei seien innerhalb der Gruppe die anfänglichen Unterschiede groß gewesen, gerade sprachlich: "Die Niedersorben sprechen kaum sorbisch, während das bei den katholischen Obersorben völlig alltäglich ist. Aber wir haben dann doch gemeinsam gesungen. Die Niedersorben haben die letzten Tage fleißig geübt", so der Vereinsvorsitzende.

Und da fällt Adam doch noch der entscheidende Grund ein, warum dieses Turnier für "Serbske mustwo" ein voller Erfolg war: "Die Nationalhymne haben sie am Ende alle mitgesungen." Und offenbar haben auch die Spieler die Zeit genossen. Denn zum Abschied gab es ein herzliches "až do pśiducego raza" - das ist sorbisch für "bis zum nächsten Mal!"

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.07.2022, 05 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Das ist der Unterschied zu unseren Spielern: Die kennen die Nationalhymne nicht und schauen beim Abspielen in die Luft!

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