Boxweltmeisterin Nina Meinke - Der Titel als Türöffner

Sa 19.11.22 | 18:55 Uhr
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Boxweltmeisterin Nina Meinke. (Bild: IMAGO / Torsten Helmke)
IMAGO / Torsten Helmke
Video: rbb24 | 14.11.2022 | Torsten Michels | Bild: IMAGO / Torsten Helmke

Im dritten Anlauf schaffte Nina Meinke das, was vor ihr noch keiner Berlinerin gelungen ist: Sie ist Boxweltmeisterin. Es ist das vorläufige Highlight eines langen Weges. Doch Meinke sieht den aktuellen Titel nur als Zwischenstation.

Blitzeblank poliert glänzt der goldene Gürtel, den Nina Meinke aus dem schwarzen Koffer mit dem roten Innenfutter holt. Mit einer Mischung aus Glückseligkeit und ungläubiger Verlegenheit auf dem Gesicht blickt Meinke auf den glitzernden Gürtel mit der Krone und dem WIBF-Logo darauf. Es wirkt, als könne die 29-Jährige noch immer nicht so ganz glauben, ihn in den eigenen Händen zu halten.

Meinke: "Es war ein Auf und Ab"

Zwei Wochen ist es her, dass die Spandauerin zur ersten Berliner Boxweltmeisterin wurde. Anfang November gewann Meinke gegen die Argentinierin Edith Matisse im dritten Anlauf den WM-Titel des WIBF-Verbands. Es ist für die Patentochter von Sven Ottke das vorläufige Highlight eines langen Weges. Gleichzeitig soll der Titelgewinn Ausgangspunkt für den nächsten Karriereabschnitt werden und nicht der einzige bleiben.

"Es war ein Auf und Ab", sagt Meinke, wenn sie über die vergangenen Jahre und ihren Weg zum Titel spricht. Insbesondere die vergangenen von Corona geprägten Jahre waren nicht einfach für die Berlinerin. Hinzu kamen gleich zwei verlorene Titelkämpfe – zuletzt im April eine knappe und nicht unumstrittene Punktniederlage in Kopenhagen gegen die Dänin Sarah Mahfoud.

Von Kapselriss lässt Meinke sich nicht aufhalten

Ein gutes halbes Jahr später wagte sie am 5. November in Hamburg den dritten Anlauf. Ohne große Ankündigungen im Vorfeld des Kampfes, im etwas kleineren Rahmen mit nur einigen hundert ausgewählten Zuschauern, aber mit dem gleichen Ziel: Weltmeisterin werden. Dass Meinke dieses Ziel erreichte, lässt sie nun über die angesprochen Aufs und Abs sagen: "Es hat sich alles gelohnt."

Es ist eine Aussage, die auch auf das zweite Souvenir zutrifft, das Meinke – neben dem goldenen Gürtel – dieser Tage an ihren Erfolg erinnert. Früh im Kampf riss Meinke sich bei einer harten Grade eine Kapsel in der linken Hand – durchaus schmerzhaft, aber für Meinke kein Hindernis. "Da musste ich halt durch", sagt sie mit einem Lachen und ergänzt: "Davon habe ich mich nicht aufhalten lassen." Meinke ließ sich nur kurz beeindrucken, boxte weiter und gewann schließlich nach Punkten. Auch, davon ist sie überzeugt, dank der Erfahrungen aus den vergangenen und verlorenen Kämpfen: "Ich habe zwar verloren, aber an Erfahrung gewonnen."

Nachfolgerin von Regina Halmich hofft auf höhere Gagen

Diesmal hat Meinke nicht nur an Erfahrungen gewonnen, sondern auch den anvisierten Titel. Einen Titel, den einst auch Regina Halmich gewann, und der zu den renommierteren im Frauen Boxen gilt. Einen Titel, der für Nina Meinke nicht nur ein erfülltes Ziel bleiben, sondern auch ein Startschuss für mehr werden soll. Wie auch ihr Trainer Kai Huste, der Meinke seit nunmehr fünf Jahren betreut, spricht sie von einer "neuen Verhandlungsbasis" bei kommenden Kämpfen.

Zum einen hofft Meinke auf mehr Titelkämpfe auch in anderen Verbänden, zum anderen auf höhere Börsen bei ebendiesen Kämpfen. Maximal zehn Prozent der Gage von Männerkämpfen bekommen Boxerinnen aktuell. Die Lust auf mehr Kämpfe lassen sich Meinke und ihr Trainer dadurch nicht nehmen. "IBO, IBF, WBO, WBA, WBC", zählt Huste die Verbände auf, die das bieten, was er "Titel mit Wert" nennt. "Es öffnen sich mir jetzt natürlich viele Türen, auch für weitere spannende Kämpfe", zeigt Meinke sich zuversichtlich, dass ihr Status als Weltmeisterin sie auch für die anderen Verbände interessant macht.

Mit Geduld und Kampfgeist zum nächsten Ziel

Dass sie die Qualität für weitere Titel hat, davon ist sie überzeugt. Sie fühle sich besser als noch vor ein paar Jahren erzählt Meinke und ergänzt: "Ich glaube, die Reife ist gekommen." Auch Kai Huste bescheinigt seinem Schützling den nächsten Schritt in der Entwicklung. Ein wichtiger Faktor hierbei: Geduld." Manchmal dauert ein Weg so lange und manchmal muss man auch seine Rückschläge einstecken", sagt Huste. Meinke hat genau das – im wahrsten Sinne des Wortes – getan und ihren Kampfgeist hierbei nicht verloren. Sie hat den Anspruch, immer besser zu werden und investiert hierfür viel. Er müsse Meinke eher bremsen als anschubsen, sagt Huste über den Trainingsalltag.

Der Alltag abseits vom Boxen gestaltet sich für Nina Meinke dieser Tage eher stressig. Der Grund ist so einfach wie nervig: "Wir ziehen gerade um." Deswegen liegt auch der goldene Gürtel aktuell die meiste Zeit noch im schwarzen Koffer, statt prominent platziert in der neuen Wohnung. "Aber er wird auf jeden Fall einen schönen Platz bekommen und nicht in der Ecke liegen bleiben", sagt Meinke mit dem nächsten Lachen auf dem Gesicht.

Sendung: 14.11.2022, rbb24, 21.45 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Meinen Glückwunsch, Nina - the brave.

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