Über Katar in die Hauptstadt? - Die WM als Spielerbasar für Hertha und Union

Sa 26.11.22 | 14:13 Uhr | Von Till Oppermann
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Fredi Bobic am 24.04.2022 und Oliver Ruhnert am 16.10.2022. (Quelle: dpa/Sebastian El-Saqqa/Cathrin Müller)
Bild: dpa/Sebastian El-Saqqa/Cathrin Müller

Die aktiven Fan-Szenen von Hertha und Union boykottieren die Fußball-WM in Katar. Die Geschäftsführer Fredi Bobic und Oliver Ruhnert suchen jedoch dort nach Neuzugängen. Von Till Oppermann

Während die Spieler von Hertha BSC derzeit für die Rückrunde trainieren, schiebt Geschäftsführer Fredi Bobic in diesen Tagen Doppelschichten. Neben seinen Aufgaben als Chef bei Hertha analysiert der 51-Jährige für den Bezahlsender Magenta die Fußball-Weltmeisterschaft.

Dabei hat sein Haupt-Arbeitgeber zum Turnier in Katar eine klare Meinung. Weil sich Werte und Grundsätze des Vereins im Ausrichterland nicht wiederfänden, halte der Verein die Ausrichtung der WM im Emirat für falsch.

Bobic rechtfertigte den Einsatz auf der Mitgliederversammlung damit, dass er seine Gage spenden würde. Sollte am Ende sogar Hertha von Bobics Nebenjob profitieren, würden ihm wohl viele Fans verzeihen.

WM ist Schaufenster für Spieler

Auf der Mitgliederversammlung vor zwei Wochen hatte Bobic klargestellt: "Ich bin als Experte für Fußball da. Es ist für mich unsäglich, dass die WM in Katar stattfindet." In seiner Funktion als Geschäftsführer eines Bundesligavereins ist für Bobic sowieso jede WM ein Pflichttermin.

Denn neben Stars wie Messi, Neymar oder Mbappe - die für Hertha schon vor den verheerenden Geschäftszahlen der letzten Mitgliederversammlungen unerschwinglich waren - präsentieren sich bei den Turnieren zahlreiche Spieler aus weniger starken Ligen auf der Weltbühne. Für diese Spieler sind Weltmeisterschaften ein Schaufenster und damit eine Chance auf einen Vertrag in Spanien, England, Italien oder eben Deutschland. Die Ligen, in denen für Spitzenfußball besonders gut bezahlt wird.

Bobic verpflichtet viele internationale Spieler

Bobic scheute sich noch nie davor, ausländische Spieler ohne Deutschkenntnisse zu verpflichten. Zu Hertha holte er mit dem Uruguayer Agustin Rogel, dem Nigerianer Chidera Ejuke und den Kroaten Ivan Sunjic und Filip Uremovic im Sommer gleich vier Ausländer, die ihr Bundesligadebüt im Hertha-Dress feierten. Auch in Stuttgart und Frankfurt stand Fredi Bobic für internationale Transfers. Im Interview mit der TZ schwärmte der ehemalige Nationalspieler kürzlich von Stürmer Shinji Okazaki. Der Japaner habe sich schnell angepasst, Deutsch gelernt und sei immer selbstkritisch gewesen. Auch Japans aktuellen Topstar lotste Bobic in die Bundesliga: 2017 verpflichtete er Daichi Kamada vom japanischen Verein Sagan Tosu.

Hertha steht vor Abgängen

Mit Peter Pekarik und Vladimir Darida könnten im Winter gleich zwei altgediente Herthaner den Verein verlassen. Gleichzeitig sehnen sich die Talente Linus Gechter und Marton Dardai nach mehr Spielzeit und wollen ebenfalls wechseln. Es wäre also fahrlässig, wenn Bobic nicht auch bei der WM nach Ersatz suchen würde. Zwar müssen die Herthaner sparen, aber: "Wir wollen ja konkurrenzfähig sein und Bundesliga spielen. Man muss sich bei jeder Personalie genau überlegen, ob man es macht oder nicht", so Bobic. Immerhin muss er sich keine gesteigerten Sorgen machen, dass seine eigenen Stammspieler bei der Weltmeisterschaft neue Begehrlichkeiten wecken. Torhüter Oliver Christensen ist Herthas einziger WM-Teilnehmer. Bei Dänemark ist er nur Ersatz. Kurioserweise teilt er sich die Bank mit Frederik Rönnow vom 1. FC Union. Der Torhüter ist ebenfalls der einzige Spieler, den die Eisernen abstellen müssen.

Ruhnert holt gerne Spieler im Winter

Wie Christensen wird auch Rönnow in Katar eher nicht zum Einsatz kommen. Wie Bobic wird Unions Geschäftsführer Profifußball Oliver Ruhnert trotzdem genau bei der WM zuschauen. Nachdem Ruhnert bei den Eisernen lange viel Wert darauflegte, möglichst viele Spieler mit guten Deutschkenntnissen zu verpflichten, hat sich diese Strategie zuletzt etwas geändert. Die Sommerneuzugänge Morten Thorsby, Jordan Siebatcheu und Danilho Doekhi kamen allesamt aus dem Ausland und Union ist ihr erster Verein in der Bundesliga. Ruhnert ist dafür bekannt, dass er auch im Winter auf dem Transfermarkt aktiv wird. Warum dann nicht Spieler verpflichten, die bei der WM als Außenseiter überzeugen und bis dato für kleinere Klubs spielen? Einen ersten Transfer dieser Art scheint der schottische Rekordmeister Celtic Glasgow einzutüten: Kanadas Außenverteidiger Alistair Johnson wechselt aus der nordamerikanischen Profiliga MLS nach Europa.

Union bei WM-Fahrern wohl in der Pole Position

Fünf Wochen bevor das Transferfenster im Januar öffnet, wird Union bereits mit dem Ex-Nationalspieler Luca Waldschmidt und dem norwegischen U-21-Nationalspieler Sivert Mannswerk in Verbindung gebracht. Über das Profil für neue Spieler sagte Ruhnert kürzlich im rbb-Interview, die Spieler müssten bereit sein, das Profil, das Trainer Urs Fischer brauche, anzunehmen. "Dazu gehören eine taktische Disziplin, ein laufintensives Verhalten und eine komplette Bereitschaft, sich auf das einzulassen, was einen beim 1. FC Union erwartet." Spätestens seitdem Sandro Schwarz Hertha trainiert, sucht auch Bobic solche Spieler. Aber sollte ein WM-Teilnehmer vor der Entscheidung stehen, zu welchem Berliner Bundesligisten er wechselt, hat Union derzeit finanziell gesehen die etwas besseren Karten. Zumal Geschäftsführer und TV-Experte Fredi Bobic warnt: "Der Januar ist ein sehr schwieriger Monat. Man kann sehr viel falsch machen."

Sendung: rbb24, 25.11.2022, 18 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

15 Kommentare

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  1. 15.

    @Ivo
    Telekom und Gebühreneinzugszentrale (GEZ) haben nichts miteinander zu tun. Seit 1976 hat die Post nichts mehr mit Rundfunkgebühren zu tun. Die Post hat lediglich zeitweise rückständige Gebühren eingezogen und Schwarzhörer und-seher ermittelt. Das können Sie einem Telekompensionär glauben.

  2. 14.

    @Swen
    Wann war denn das Spiel Deutschland gegen Südkorea? Das habe ich verpasst.Ich habe Südkorea nur gegen Uruguay gesehen.

  3. 13.

    Ich würde beiden Berliner Bundesligisten raten, (noch) mehr Geld in den eigenen Nachwuchs und die dazu gehörende strukturelle Arbeit zu investieren.
    Ich war aus Berliner Sicht ein bisschen entsetzt, als ich auf kicker.de die Eigengewächs-Quote der Hinrunde studiert habe: Union auf dem letzten Platz - Quote 0,0 % / null Eigengewächse mit null Spielminuten im Einsatz, Hertha immerhin im Mittelfeld mit einer Quote von 5,5 % / drei Eigengewächse mit zusammen 876 Spielminuten.
    Auf Platz eins mit Abstand mein SCF: 34,2 % / acht Eigengewächse mit zusammen 7798 Spielminuten :-)
    Insbesondere Union scheint da erheblichen Nachholbedarf zu haben. Und auf die WM schauen doch jetzt endlos viele Scouter zur gleichen Zeit, ob man da tolle Schnäppchen machen wird?

  4. 12.

    Sind Sie der härteste Fan, der zu jedem Spiel fährt?
    Sollten Sie mal wieder zu sich kommen, werden Sie Parallelen der Unfähigkeit feststellen.
    Die Bindentruppe, mit der moralischen Selbstgerechtigkeit und die dauerabstiegsgefährdeten Truppe, die sich darüber freut, mal keine Klatsche von einem Regionalligist bekommen zu haben.
    Und natürlich Japan und nicht Süd-Korea, @Nils

  5. 11.

    Wenn der Kommentar von @ Swen für sie Hass darstellt, sollten sie vielleicht mal über diese Begrifflichkeit etwas länger nachdenken oder ihre Schwelle nach justieren.

    Wenn solch Kommentare als Hass gelten würden, würde ich mir um unseren Werteverfall gar nich so viel Gedanken machen müssen.

    Allen anderen, welche wirklichem Hass ausgeliefert sind sollte ihr Kommentar wie Hohn vorkommen.

    Satire und Kritik hat rein gar nichts mit Hass zu tun, auch nicht wenn es sich um den 777-Club handelt.

  6. 10.

    Irgendwie ist ihr Kommentar komisch
    Sie wissen das Deutschland gegen Japan verloren hat
    Nicht gegen Südkorea, das ist 4 Jahre her
    Und ich drücke nicht Spanien die Daumen, ganz bestimmt nicht
    Es wird sehr schwer, aber man sollte schon Deutschland die Daumen drücken,

  7. 9.

    Schlimm das Ihr Hassgefassel hier auch noch veröffentlicht wird.

  8. 7.

    Wenn Ihnen die Telekom GEZ-Gebühren abnötigt, so empfiehlt sich ein Gang zur Polizei. Es steht der Tatbestand des Betrugs im Raum.

  9. 6.

    Diese so genannten Experten kosten doch nur unsere Gebühren Gelder für Laber Laber.

  10. 5.

    Herr Bobic analysiert Spiele die bei der Weltmeisterschaft laufen? Da muß er Ahnung haben.
    Da frage ich mich, wo die Analysen zu seinem abstiegsgefährdeten Club bleiben?
    Und: wenn die Herthafans sich Verweigern, richtigen Fußball zu sehen, statt ihrer Rumpeltruppe, ist denen nicht zu helfen.
    Nun gut, die Deutsche Nationalmannschft Sspiel letztlich auch auf dem Niveau vom BCC.
    Bisher habe ich auch die Spiele gesehen, aber boykottieren das der Moraltruppe, die grandios einknickte und folgerichtig gegen Südkorea (!) verloren haben.
    Ich drücke Spanien und Südkorea fest die Daumen

  11. 4.

    FC Franchise 777 is kein Verein mehr. ;)

    Hoffentlich ist das Votum genau so groß wenn es um Verdrängung von alteingesessenen Sportvereinen und Mietern geht.

  12. 3.

    Ich persönlich boykottiere die Übertragungen im deutschen Fernsehen und schaue die WM beim SRF. Ohne dieses ganze Gequatsche....wie erholsam. Und die Deutschen können doch die WM boykottieren - einfach morgen verlieren.

  13. 2.

    Nicht nur die Fanszene von Hertha BSC lehnt diese Veranstaltung ab, auch der Verein hat mit dem überragenden Votum der letzten Mitgliederversammlung kund getan, dass er diese WM ablehnt.

  14. 1.

    Ich möchte guten Fußball sehen.
    Kommerz und Politik haben ganz hinten anzustehen.

    Auf welche Mannschaft trifft die deutsche Nationalmannschaft im Achtelfinale?
    Auf das Flughafenpersonal.

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