Boxen - Debüt mit 15 Jahren: Jüngster Box-Profi Deutschlands kommt aus Berlin

So. 08.06.25 | 10:05 Uhr | Von Lynn Kraemer
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Der 15-jährige Berliner Arminius Rolle hebt die Hände nach seinem Sieg in seinem ersten Profikampf (Quelle: Picture Alliance/Robert Rolle)
Robert Rolle
Video: DER TAG |03.06.2025 | Sebastian Meyer | Bild: Robert Rolle

Der 15-jährige Boxer Arminius Rolle hat mit seinem Profidebüt Geschichte geschrieben. Der Berliner gewann bei der "Boxclub 1. FCN Warriors Night" prompt seinen ersten Kampf. Doch die Ambitionen des Neuntklässlers enden nicht im Ring.

Was haben Sie so mit 15 Jahren gemacht? Der Neuköllner Arminius Rolle kann in dem Alter bereits zwei Weltmeistertitel und sein Profidebüt im Boxen vorweisen. 2023 und 2024 wurde Rolle Junioren-Weltmeister im Schachboxen (drei Minuten Schach, drei Minuten Boxen). Vergangene Woche wagte der Jugendliche seinen nächsten Karriereschritt.

Der Vater als großes Vorbild

Nach dem Wechsel zum reinen Boxsport bestritt Arminius Rolle seinen ersten Profikampf in Nürnberg. Möglich war das nur mit einer Sondergenehmigung des Bundes Deutscher Profiboxer (BDB). Im Weltergewicht (bis 67 kg) stand Rolle bei der "Boxclub 1. FCN Warriors Night" dem 22-jährigen Constantin Albrecht gegenüber. Mit einem technischen K.o. in der zweiten Runde setzte er sich durch. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Hier und da war ich etwas verkrampft, aber sonst war es sehr gut", sagt Arminius Rolle im Gespräch mit rbb|24.

Für Arminius Rolle ist Boxen "ein mega geiler Sport und macht übertrieben Spaß." Trainiert wird er von seinem Vater – und das bis zu zehn Mal die Woche. Robert Rolle ist früherer Europameister im Halbschwergewicht und sein großes Vorbild. "Wenn man den Vater als Trainer hat, ist das Vertrauen zueinander auf jeden Fall da. Ich vertraue ihm blind, wenn es um das Training geht", sagt der 15-Jährige.

Boxer Arminius Rolle beim Schachspiel mit seinem Vater Robert Rolle (Bild: rbb)
Arminius Rolle beim Schachspiel mit seinem Vater | Bild: rbb

Ehrgeizige Familie

Robert Rolle ist vor allem stolz auf seinen Sohn und dessen Talent: "Ich bin immer wieder beeindruckt, wie stark er mental ist. Der nimmt das total locker. Das ist bestimmt auch das Schachboxen, was ihn da geformt hat." Am Schachbrett besiegt Arminius Rolle seinen Vater inzwischen locker. Und: "Er hat einen unglaublichen Ring-IQ. Er ist sehr intelligent und kann im Ring den Gegner analysieren. Das macht er teilweise auch besser als ich", sagt Robert Rolle, der seinen Sohn langsam aufbauen möchte.

Die Liebe zum Boxsport geht mit Arminius Rolle bereits in die dritte Generation, denn schon seine Oma Eva Rolle war Box-Promoterin in Berlin. Auch der Rest der Familie ist sportbegeistert. "Ich finde es mit das Allerwichtigste, dass ich meinen Kindern mit auf den Weg gebe, dass sich Fleiß immer auszahlt. Dass man im Leben engagiert sein soll", sagt Robert Rolle. Ihm sei egal, was seine Kinder machen: "Er muss nicht boxen. Das ist seine eigene Entscheidung." So haben sich die Geschwister von Arminius für Fußball (beim 1. FC Union Berlin) und Eishockey (bei den Eisbären Berlin) entschieden. "Ich werde meine Kinder immer unterstützen, aber eben bis ganz nach oben."

Kämpfer mit Köpfchen

Arminius Rolle besucht die neunte Klasse eines mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums. "Es ist auf jeden Fall nicht einfach, Schule, Sport und das alles zusammen unterzubringen. Der ganze Tag ist voll und strukturiert", sagt der 15-Jährige. Er versuche seine Hausaufgaben möglichst schon in der Schule zu machen, damit er danach keinen Stress habe. Für Klassenarbeiten müsse er zuhause lernen, "aber da sind wir flexibel mit dem Training." Ein Vorteil, wenn der Vater der Trainer ist.

Die Schule darf der Jugendliche auch nicht komplett hintenanstellen, wenn er sein zweites großes Ziel erreichen möchte. Arminius Rolle will Medizin studieren. Wie das mit der Karriere als Boxprofi funktionieren soll? "Unser Plan ist es, vor dem Studium noch ein paar Kämpfe zu absolvieren und dann theoretisch deutscher Meister oder Jugend-Weltmeister zu werden. Und dann fokussiere ich mich auf das Studium", sagt der 15-Jährige. Danach könne es im Ring weitergehen.

Ich möchte, dass sich die Leute noch in hundert Jahren an meinen Namen erinnern.

Arminius Rolle

Große Ziele

Über seinen ersten Profikampf wurde deutschlandweit berichtet. Dass er jetzt so viel Aufmerksamkeit bekommt, habe Arminius Rolle "noch nicht richtig realisieren können." Dabei hat der 15-Jährige große Ambitionen: "Das Ziel ist auf jeden Fall einer der größten deutschen Boxsportler zu werden. Ich möchte, dass sich die Leute noch in hundert Jahren an meinen Namen erinnern." Also merken Sie sich ihn schon mal: Arminius Rolle.

Sendung: DER TAG, 03.06.2025, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Die „Expertisen“ Boxsportfamilie ( = der Vater lebt am Sohn seinen Ehrgeiz aus, ohne sportwissenschaftliche Trainerausbildung), naturwissenschaftliches Gymnasium (= der Junge besucht eine Berliner Schule). Das reicht Ihnen? Hm, haben Sie Kinder?

  2. 4.

    Sondergenehmigung für einen 15 jährigen, manchmal frag ich mich wirklich. Dann mit mitte 30 rum jammern über gesundheitliche Dauerschäden. Ja is halt Ehrgeiz und was er aus einem macht.

  3. 3.

    Die beiden bisherigen Beiträge hier sind ja wieder mal herzallerliebst. Der Junge entstammt einer Boxsport-Familie (Expertise ist also vorhanden), besucht ein mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium und wurde zweimal infolge Junioren-Weltmeister im Schachboxen. Anstatt sich aber über den Erfolg zu freuen und das Engagement von Arminius Rolle anzuerkennen, wird er als wohl zukünftiges Opfer von "Kopftreffern" bedauert. Au man.

  4. 2.

    Den Erfolg gönne ich ihm, ohne wenn und aber. Die jungen Menschen werden doch von den älteren Generationen nur noch verarscht....
    Ich kann nur hoffen, dass ihn irgendjemand (z.Bsp. sein Vater) über die Prinzipien von Ursache und Wirkung und Konsequenzen aufgeklärt hat und er das auch einigermaßen verstanden hat. Alles hat seine Preis und wenn du schon als Teenager öfter mal schläge vor den Kopf bekommst...
    Andererseits kann ich den Hedonismus der jungen Menschen gut nachvollziehen. Ihre Zukunft (so sie denn eine haben) ist ziemlich ungewiss und es wird wohl eine Katastrophe brauchen, bevor die Menschheit es schafft einigermaßen klar zu denken und entsprechend zu handeln.

  5. 1.

    Armer Junge. Schneller Erfolg, schnelles Leben, schnelles Ende. Aber okey - wir leben in einem freien Land.

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