Fußball-Historie - Diese Berliner Vereine träumten vom Profifußball - und scheiterten

Mo. 09.06.25 | 13:14 Uhr
Frust bei den Spielern des FC Viktoria nach dem Abstieg aus der Regionalliga in der Saison 2024/25 (Quelle: IMAGO / Matthias Koch)
Bild: IMAGO / Matthias Koch

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hatten mehrere Berliner Vereine die Ambition, sich nachhaltig im hochklassigen Fußball zu etablieren - scheiterten jedoch mit ihren Versuchen. Teil 2 des Rückblicks: mit dem BFC Dynamo, Berliner AK und FC Viktoria.

BFC Dynamo

Auf den Höhenflug folgte der tiefe Fall: Zwischen 1979 und 1988 sammelte der BFC Dynamo zehn Meistertitel in Folge. Die Weinrot-Weißen sind Rekordmeister der DDR-Oberliga, scheiterten nach der Wende aber daran, sich auch im wiedervereinten Deutschland als starke Kraft im Profi-Fußball zu behaupten. Stattdessen musste der Verein im Jahr 2001 Insolvenz anmelden und die Spielberechtigung für die Oberliga abgeben - was letztlich auch daran lag, dass finanzielle und personelle Unterstützung seites der Politik, anders als noch zu DDR-Zeiten, ausblieb.

Nach einem Auf und Ab in den Folgejahren gelang 2014 der Sprung in die viertklassige Regionalliga Nordost, in der sich der Verein aus Alt-Hohenschönhausen seitdem gehalten hat.

Unter Trainer Christian Benbennek gewann der BFC in der Saison 2021/22 sogar die Regionalliga-Meisterschaft, musste sich in den Spielen um den Drittliga-Aufstieg allerdings dem VfB Oldenburg, Staffelsieger der Regionalliga Nord, geschlagen geben (0:2, 2:1).

Berliner AK

Als der Bauunternehmer Mehmet Ali Han im Jahr 2001 mit seiner Han-Netzbau GmbH beim Berliner Athletik-Klub 07 einstieg, stand der Verein als Tabellenletzer der NOFV-Oberliga Nord kurz vor der Insolvenz.

In den Folgejahren etablierten sich die Moabiter in der viertklassigen Regionalliga Nordost und schielten immer mal wieder weiter nach oben, scheiterten jedoch am Sprung in die Drittklassigkeit. Am dichtesten dran, den Schritt in den Profifußball zu meistern, war der BAK in der Saison 2015/16 – unter Trainer Steffen Baumgart, dem heutigen Coach des Bundesligisten 1. FC Union Berlin. Damals trennte den Verein in der Endabrechnung nur ein Tor vom punktgleichen Staffelmeister FSV Zwickau.

Frust bei den Spielern des Berliner AK in der Saison 2023/24 (Quelle: IMAGO / Kruczynski)Ein Sinnbild aus der Abstiegssaison 2023/24: Der Berliner AK am Boden.

In den Jahren danach nahm der Niedergang seinen Lauf: Im Sommer 2023 beendete die Unternehmerfamilie Han nach über 20 Jahren ihr Engagement beim BAK, was den Verein wiederum vor erhebliche finanzielle Schwierigkeiten stellte. Eine umfassende Neustrukturierung von Klub und Mannschaft war nicht von Erfolg gekrönt: Denn schon in der darauffolgenden Saison stieg der Berliner AK als Tabellenletzter in die fünftklassige Oberliga ab.

FC Viktoria

Zuletzt versuchte sich der FC Viktoria 1889 am offensiv formulierten Anspruch, hinter dem 1. FC Union und Hertha BSC die "dritte Kraft" im Berliner Fußball zu werden. Um das zu schaffen, stieg im Frühjahr 2018 der chinesische Investor Alex Zheng beim Regionalligisten ein – doch schon im Dezember desselben Jahres musste der Verein vor dem Amtsgericht Charlottenburg einen Antrag auf Insolvenz stellen. Denn: Die Zahlungen des Geldgebers blieben aus.

Es folgten Punktabzug, Kaderumbau und Trainerwechsel. Außerdem stieg der Unternehmer und Investor Tomislav Karajica bei den "Himmelblauen" ein – und untermauerte die Ambitionen auf Profifußball in Südberlin. Für eine Saison (2021/22) mischte Viktoria dann auch tatsächlich in der 3. Liga mit – stieg allerdings postwendend wieder ab.

Vor wenigen Tagen kam es schließlich zum Kollaps: Erst musste der Berliner Verein den sportlichen Gang in die Fünftklassigkeit antreten, dann machten Medienberichte die Runde, dass das Amtsgericht Charlottenburg erneut ein vorläufiges Insolvenzverfahren gegen die Fußball GmbH der Männer eröffnet habe [kicker.de].

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