Interview mit Torhüter-Experte Sascha Felter - "Frederik Rönnow zählt zu den Top-5 der Liga"

Seit Sommer 2021 spielt Frederik Rönnow für Union Berlin und das zumeist ziemlich gut. Torhüter-Experte Sascha Felter spricht darüber, was Rönnow auszeichnet und warum sein vielleicht größtes Manko gar nichts mit Fußball zu tun hat.
rbb|24: Herr Felter, "Erwartete Tore nach dem Schuss minus tatsächlich kassierte Tore" nennt sich eine Statistik für Torhüter. Geht es nach ihr, ist Frederik Rönnow vom 1. FC Union Berlin der sechstbeste Torhüter der Bundesliga. Ist das ein sinnvolles Zahlenwerk?
Sascha Felter: Dass Rönnow einer der Top-6 oder sogar Top-5-Torhüter der Liga ist, stimmt auf jeden Fall. Auch unabhängig von dieser Statistik. Die zwar durchaus sinnvoll ist, aber auch ihre Tücken hat. Weil zum Beispiel Elfmeter eine sehr hohe Torwahrscheinlichkeit haben, weshalb der Wert für den Torhüter in die Höhe schnellt, wenn man einen verhindert. So wie bei Rönnow, der diese Saison gleich vier Elfer gehalten hat - so viel wie niemand sonst in der Liga. Über sein grundsätzliche Torwartspiel ist damit aber trotzdem noch nicht viel ausgesagt.
Was macht Rönnow denn zu einem so guten Torhüter?
Er hat eine sehr, sehr gute Strafraumbeherrschung, ist wahnsinnig präsent bei Flanken. Obwohl Union da ja generell eher kein so großes Problem hat angesichts von Danilo Doekhi und Co. - diese Hünen können ja alle aus der Dachrinne trinken wahrscheinlich.
Rönnow selbst ist mit 1,88 Meter allerdings gar nicht so groß.
Aber durch sein Tempo und sein Timing im Absprung hat er eine starke Präsenz. Dadurch schafft er es schon seit Jahren, eine sehr gute Quote bei abgefangenen Flanken zu haben. Auch, weil er es immer wieder konsequent durchzieht.
Was zeichnet ihn noch aus?
Generell sein Stellungsspiel. Er hat selten einen unglücklichen Winkel oder eine unglückliche Distanz zum Schützen. So hat er meistens genug Zeit, um richtig abzuspringen oder den Ellenbogen komplett durchzudrücken, um sich richtig lang zu machen. Auch, weil er so eine gute Beinarbeit hat, weil er ganz oft noch einen Zwischenschritt macht, der ihm dann den entscheidenden Tick mehr Reichweite einbringt. Man sieht einfach, dass er wirklich weiß, was er tut und wo er steht.
Angenommen, er ist wirklich auf Platz fünf der besten Bundesliga-Torhüter. Dann gibt es noch vier vor ihm. Was machen die besser als er? Was könnte Frederik Rönnow noch besser machen?
Die letzte Saison war nicht durchgehend gut. Die Rückrunde allerdings war wieder sehr stark. Auch, weil ich glaube dass der Fußball, den Union unter Trainer Steffen Baumgart spielt, besser zu ihm passt. Dreierkette, tiefer stehen - das liegt ihm eher. Wenn Mannschaften höher verteidigen, müssen Torhüter nicht nur bis zum Strafraumrand denken, sondern noch 10, 15 Meter darüber hinaus. Das ist immer schwierig. Und mit dem Ball gibt es sicherlich Bessere. Das fehlt ihm vielleicht noch zu der absoluten Top-Riege.
Top fünf ist ja auch schon sehr, sehr gut. Man wird allerdings nicht gerade erschlagen mit Lobeshymnen auf ihn.
Er wird komplett unterschätzt. Vielleicht liegt es daran, dass er - in Anführungsstrichen - nur bei Union spielt. Dabei hatte er ja auch seine spektakulären Momente dabei, auch in der Champions League. Wo er fantastisch gehalten hat im Eins gegen Eins, wo er Flugparaden dabei hatte. An sich ist Rönnow ein sehr spektakulärer Torhüter. Aber das gibt es eben manchmal. So wie bei Stefan Ortega, der vor ein paar Jahren noch dritte Liga mit Arminia Bielefeld gespielt hat und dann Champions-League-Sieger mit Manchester City geworden ist.
Rönnow ist ja Däne. Gibt es sowas wie eine dänische Torhüter-Schule und falls ja, passt er da hinein?
Das sind zumeist sehr gut und ausgewogen ausgebildete Torhüter, die ein sehr gutes Postionsspiel haben. Das schon. Ein Alleinstellungsmerkmal gibt es aber eher nicht. Ich finde, Rönnow spielt sehr, sagen wir mal, international. Das liegt sicher auch an Unions österreichischem Torwart-Trainer Michael Gspurning, der sehr anerkannt ist im Kollegenkreis für seine akribische Arbeit und auch für die gute Atmosphäre, die er unter den Torhütern schafft.
Vielleicht fehlt ihm auch einfach das gewisse Extra auf und neben dem Platz?
Mir ist auch nichts bekannt. Keine besonderen Hobbys, keine Allüren. Er ist einfach ein stiller Arbeiter und sehr guter Torhüter. Vielleicht fehlt ihm ein bisschen so eine nordische Kantigkeit. Also Herr Rönnow, wenn Sie das lesen - wie wäre es mal mit einem schönen Vollbart?
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview wurde geführt von Ilja Behnisch.
Sendung: rbb24, 06.06.2025, 22:00 Uhr











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