Erste Handball-Meisterschaft - "Heute Abend lassen wir die Kuh fliegen": Die Füchse am Ziel ihrer Träume
Es war am Sonntag noch ein hartes Stück Arbeit. Am Ende belohnten sich die Füchse Berlin für eine herausragende Saison aber verdient mit dem ersten Meistertitel der Klubgeschichte. Etwas ungläubig blicken Spieler und Verantwortliche auf das Geleistete. Von Jonas Bürgener
Die Füchse Berlin haben es geschafft. Die Berliner sicherten sich am Sonntag die erste Deutsche Meisterschaft der Klubgeschichte. Es ist ein besonderer Erfolg, der für den Verein Genugtuung und das Ende einer langen Reise bedeutet. Nach dem Spiel entluden sich Ungläubigkeit und pure Freude.
Ein Handball-Spiel wie ein Arztbesuch
Niemand kennt die Füchse Berlin so gut wie Bob Hanning. Der 57-Jährige übernahm den Verein 2005 als bedeutungsloser Zweitligist und formte ihn zu einem Spitzenklub. Als die Meisterschaft am Sonntagnachmittag nach einem über weite Strecken dramatischen Spiel schließlich feststand und die letzten Sekunden von der Spieluhr tickten, hielt Hanning immer wieder die Hände vor die Augen, nahm Glückwünsche entgegen und konnte das Geschaffte ganz offensichtlich noch nicht fassen. Der Manager und sein Klub haben auf herausragenden Art und Weise Besonderes geschafft.
Nach dem Spielende beobachtete Hanning die Vollendung seines Lebenswerks aus sicherer Entfernung und mit Tränen in den Augen. "Leer" fühle er sich, sagte der 57-Jährige nach der Partie und verglich das Spiel mit einem Arztbesuch: "Es war wie 60 Minuten auf dem Zahnarztstuhl bei Voll-OP ohne Spritze. In meinem Kopf ist es noch gar nicht angekommen." Den größten Erfolg der Vereinsgeschichte bezeichnet der Füchse-Boss beim Sender "Dyn" als Resultat "echter Handarbeit". "Ich bin nicht konzerngesteuert und habe auch keinen Mäzen an meiner Seite. Ich mache das seit 20 Jahren mit diesen Händen, von Montagmorgen 7 Uhr bis Sonntagabend 23 Uhr", sagte Hanning.
Siewert wird jüngster Meister-Trainer jemals
Hilfe bekommt er dabei seit fünf Jahren von Stefan Kretzschmar, dem Punk im Ruhestand. Während er als Spieler noch mit extrovertiertem Auftreten und bunten Frisuren für Aufsehen sorgte, ist Kretzschmar bei den Berlinern heute als routinierter Sportvorstand ebenfalls maßgeblich für den Aufstieg der letzten Jahre verantwortlich, der am Sonntag mit dem Meistertitel gekrönt wurde. "Es war heute brutal emotional", sagte Kretzschmar am rbb-Mikrofon. "In der ersten Halbzeit kamen schon ein paar Zweifel, da bin ich ehrlich. Die Löwen haben es überragend gespielt, umso mehr ist es zu respektieren, wie wir in der zweiten Halbzeit zurückgekommen sind", so Kretzschmar. "Die Deutsche Meisterschaft ist für mich der schwerste Titel im Welthandball. Die Bundesliga-Schale ist der Pokal, für den du dich am meisten fokussieren musst. Deswegen ist es jetzt so emotional. Wir werden heute Abend die Kuh fliegen lassen und richtig feiern."
Hanning und Kretzschmar entschieden sich neben einer jungen Mannschaft für einen jungen Trainer. 2020, als damals 26-Jähriger, übernahm Jaron Siewert die Verantwortung für das Team und machte es schnell spürbar besser. Seit Sonntag, als jetzt 31-Jähriger, ist Siewert der jüngste Trainer, der jemals Meister in der Handball-Bundesliga wurde. Er hat seiner Mannschaft einen mitreißenden, weil temporeichen Handball-Stil eingeimpft, der nun belohnt wurde.
Gidsel hat Füchse auf neues Level gehoben
Angetrieben wird das Team vom absoluten Ausnahmehandballer Mathias Gidsel, den Hanning und Kretzschmar vor drei Jahren nach Berlin lotsen konnten. Seitdem wurde der dänische Nationalspieler zwei Mal zum Welthandballer ernannt. Er hat die Füchse auf ein neues Level gehoben und bringt die Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle Woche für Woche zum Staunen. "Als ich nach Berlin gekommen bin, habe ich ehrlicherweise nicht gedacht, dass wir Meister werden würden", sagte Gidsel nach Verleihung der Meisterschale lachend. "Es ist unfassbar, dass wir das geschafft haben. Heute war es vielleicht die schwerste Aufgabe der letzten Monate. Ich bin so glücklich - auch für unsere Fans."
Am nächsten Wochenende haben die Füchse nun noch die Möglichkeit, eine jetzt schon herausragende Saison sensationell zu machen. Beim Final Four in Köln spielen sie um die Champions League. "Wenn wir über 60 Minuten unser Spiel durchspielen, sind wir momentan die beste Mannschaft der Welt", sagte der langjährige Füchse-Spieler Fabian Wiede am Sonntag nach dem Spiel. An Selbstbewusstsein fehlt es den Berlinern nicht nur wegen des Gewinns der Meisterschaft ganz offensichtlich nicht.
Sendung: rbb24 Abendschau, 08.06.25, 19:30 Uhr













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