Dennis Kimetto steht erschöpft hinter der Zillinie nach seinem Weltrekordlauf 2014
Video: rbb UM6 | 22.09.2017 | Tim Tonder | Bild: dpa

Berlin-Marathon einer der schnellsten der Welt - Weltrekordjagd sorgt für Freude und Skepsis

Der Berlin-Marathon ist einer der schnellsten der Welt. Das freut den Veranstalter, nimmt ihn aber auch in die Verantwortung. Denn schnelle Zeiten bedeuten in der Leichtathletik angesichts von regelmäßigen Dopingenthüllungen auch hochgezogene Augenbrauen.

41,57 Kilometer hatte Dennis Kimetto schon hinter sich, das Brandenburger Tor vor Augen, da gab es noch eine letzte Anfeuerung vom Streckensprecher: "Come on Dennis, you can do this!" 625 Meter später war klar: Yes, he can. Der erste Marathonlauf unter zwei Stunden und drei Minuten. Wieder ein Weltrekord, wieder in Berlin. Die 2:02:57 des Kenianers aus dem Jahr 2014 sind noch heute das Maß der Dinge im Marathon.

Wenn es am Sonntag durchs Brandenburger Tor geht, sind die drei zurzeit schnellsten Marathonläufer der Welt dabei. Auch sie haben wieder die magische Marke im Blick wie Kimetto vor drei Jahren.

Rekordtempo: Freude und Skepsis

Den Renndirektor freut die wilde Rekordjagd am Tiergarten natürlich: "Rekorde sind nicht alles, aber sie sind das Salz in der Suppe", sagt Mark Milde. Und die perfekt gesalzene Weltrekord-Suppe kann man getrost als Berliner Spezialität bezeichnen. Zehnmal wurde sie schon serviert. "Es wurde in den letzten Jahren fast zu unserem Markenzeichen", ist Mark Milde begeistert.

Aber was, wenn einer in der Suppe ein Haar entdeckt? Nach zahlreichen Enthüllungen in der Leichtathletik ist der Doping-Verdacht oft schnell zur Hand, besonders bei Rekorden, gerade auch im Marathon. ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt würde sich daher über ein Umdenken freuen: "Alle Marathonveranstalter weltweit sind aufgerufen nachzudenken, ob die Philosophie des höher, schneller, weiter, die richtige ist", sagt Seppelt, "die Hatz nach Weltrekorden führt dazu, dass Doping begünstigt und nicht reduziert wird." Gleichzeitig nimmt er aber die Berliner Veranstalter auch ein Stück weit in Schutz: "Die Organisatoren des Berlin-Marathons können sicher nichts dafür, wenn in der Welt des Laufsports gedopt wird."

Geheimsache Doping

Das Problem: Die Motivation durch lukrative Preisgelder ist groß, vor allem in den armen Ländern Ostafrikas, wo damit ganze Familien ernährt werden. So groß, dass es für einige Grund genug ist um nachzuhelfen und das geht in manchen Ländern leichter als in anderen.

In der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" deckte Seppelt auf, dass in Kenia und Äthiopien gleich in mehreren Apotheken das bei Ausdauersportlern beliebte Dopingmittel Erythropoetin (kurz EPO) ohne Rezept an Sportler verkauft wurde.

Gut kontrolliert zum Weltrekord?

Den Berlin-Marathon sieht Mark Milde in Sachen Dopingprävention gut aufgestellt: "Wir haben zusammen mit dem Weltverband ein Bündel von Maßnahmen geschnürt, die härteste Maßnahme sind die Trainingskontrollen in den Ländern, wo die Läufer trainieren." Trotzdem soll es auch in diesem Jahr wieder auf Rekordjagd gehen.

Wilson Kipchang, einer der diesjährigen Favoriten, der bereits 2013 in Berlin einen Weltrekord lief, verkündete vor dem Rennen: "Ich bin top vorbereitet. Ich will ein gutes Rennen laufen, gewinnen und den Weltrekord!" Die Suppe steht also auf dem Herd – ob sie gesalzen ist, erfahren wir am Sonntag. Bei Weltrekordkurs zwischen 11.17 und 11.18 Uhr.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Gerade in Kenia. Ich verweise auf die Dokumentation von Hajo Seppel anlässlich der Leichtathletik WM über das Doping im Keniatischen Leichtathletikverband. Da kommen erhebliche Zweifel über die "Sauberkeit" der Läufer auf.
    Aber darüber kann man sicherlich hinwegsehen, schließlich will man den Weltrekord, egal wie.
    Allen Volksläufern wünsche ich viel Spaß und Erfolg und genießt den "Wilden Eber"

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