Mark Milde ist als Organsitor des Berlin-Marathons immer nah an den Sportlern dran. (Quelle: imago/Camera 4)
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Audio: Inforadio | 20.09.2017 | Jakob Rüger | Bild: imago/Camera 4

Interview | Marathon-Organisator Milde - "Wir wollen sie nicht die Avus rauf und runter laufen lassen"

Mehr als 43.000 Marathon-Läufer sind am Sonntag quer durch Berlin unterwegs, vorbei an Hunderttausenden Zuschauern - und ebenso vielen Bundestagswählern. Organisator Mark Milde über die Marathon-Familie, die Wahl und den Wunsch, es allen recht zu machen.

rbb: Herr Milde, 42,195 Kilometer gilt es am Sonntag zu bewältigen. Welche Bedeutung hat diese Zahl in Ihrem Leben?

Mark Milde: Ich weiß gar nicht, wie lange ich diese Zahl schon kenne. Aber eingeprägt hat sie sich natürlich. Mein Autokennzeichen ist 4215, da fehlt die neun. Die Zahl findet sich in vielen Bereichen meines Lebens, sie ist so eine Art Mindestmaß. Und auch wenn ich sie mir nirgendwo hintätowiert habe: Im Hinterkopf ist sie schon ziemlich präsent. 

Mark Milde im Interview bei Inforadio. (Quelle: rbb/Jakob Rüger)
Mark Milde freut sich auf die Berliner Marathon-Party | Bild: rbb/Jakob Rüger

In diesem Jahr gibt es eine ganz besondere Konstellation: Bundestagswahl trifft Marathon. Inwieweit hat dies im Vorfeld die Planungen des 44. Berlin-Marathons beeinflusst?

Herausforderungen gibt es jedes Jahr, denen müssen wir uns stellen. Als der Termin im Februar feststand, haben wir mit den Bezirksämtern und der Landeswahlleitung zusammengesessen und in mehreren Sitzungen eine gangbare Lösung herausgearbeitet. Wir 'durchteilen' rund 30 Wahlbezirke und sorgen so für eine Querungsmöglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger. Jetzt darf man aber nicht erwarten, dass so jeder gleich von Helfern über die Straße rüber-geshuttelt wird - man wird auch in den Stoßzeiten der Läufer ein bisschen warten müssen. Aber wir sind guter Dinge, dass wir uns gut vorbereitet haben und die Wähler zu ihren Wahllokalen kommen.            

Neben den Top-Athleten startet eine gewaltige Masse an Hobby-Läufern. Wie schafft man den Spagat zwischen den Profis, für die das ein knallharter Job ist, und den Hobby-Läufern, die im Kostüm auf die Strecke gehen?

Wir haben diese beiden Zielgruppen natürlich im Hinterkopf. Berlin ist inzwischen die schnellste Strecke der Welt ist. Wir könnten sie natürlich noch schneller machen, wenn wir die Avus rauf und runter laufen lassen würden. Da ist es eben, es gibt keine Löcher und die Windanfälligkeit ist vielleicht geringer. Aber schneller machen können wir es nicht, weil wir auch noch 40.000 andere Läufer haben, denen wir ein Happening in der Stadt bieten wollen. Wir wollen, dass sie alle Berlin in allen Facetten sehen können. Von daher gehen wir den Spagat bewusst und auch gerne ein. Und ich glaube, wir haben eine gute Mischung gefunden, dass alle glücklich werden.

Es heißt, Sie haben als Neunjähriger schon Startnummern verteilt. Stimmt das?

Da müsste ich jetzt mal genau nachrechnen. Aber das könnte gut hinkommen. Damals waren wir in irgendeinem Hotel in der Berliner Innenstadt, da gab es die Startnummern-Ausgabe, bei der ich mitgeholfen habe. Damals wurden Pressemitteilungen noch per Post verschickt. Ich glaube, da war ich auch ganz gut im Briefmarken anlecken.

Wie ist es Ihnen gelungen, so ein hochkarätig besetztes Starterfeld auf die Beine zu stellen?

Kipsang, Kipchoge und Bekele: Alle drei Top-Läufer waren schon mal in Berlin. Sie haben den Berlin-Marathon gewinnen können und dadurch haben sie Erfahrungen in der Stadt gesammelt. Sie kommen sehr gerne her. Sie kennen unsere Vorteile, die wir haben und wollen diese nutzen. Wir haben eine sehr stabile Wetterlage Ende September mit guten Bedingungen. Eine exzellente Strecke, eine super Atmosphäre durch das Berliner Publikum. Die Olympischen Spiele waren im letzten Jahr, jetzt fehlt ein Leichtathletik-Höhepunkt. Das hat es für uns ein bisschen einfacher gemacht, diese drei Titanen, wenn man sie so bezeichnen will, hier zu versammeln. Denn alle vereint ein Ziel: Sie haben im Hinterkopf, den Marathon-Weltrekord zu brechen. Er liegt in ihrer Reichweite.

Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung der Inforadio-Sendung "Vis à Vis". Das vollständige Interview können Sie oben im Beitrag im Audio hören.

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