Lorenzo Loi vorm Männertraining beim TSV Gutsmuths in Berlin (Quelle: rbb/Fink)
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Video: rbb|24 | 02.06.2017 | Anke Fink | Bild: rbb/Fink

Interview | TSV-Trainer Lorenzo Loi - "Nach dem Turnen fühle ich mich einfach glücklich"

Berlin hat auch ohne Turnfest eine vitale Turnszene, etwa beim TSV Gutsmuths in Moabit. Sportstudent Lorenzo Loi traniert dort u.a. eine altersgemischte Männergruppe. Der älteste ist 83 und macht immer noch seine Vorwärtsrollen.  

Lorenzo Loi aus Berlin-Wilmersdorf ist 22 Jahre alt, studiert Sport auf Lehramt in Potsdam und ist Turner aus Leidenschaft. Er trainiert Kinder und eine altersgemischte Männergruppe beim TSV Guthmuths in Berlin-Moabit. Als elfjähriger hat er im Verein zu trainieren angefangen. Damals war er einer von zwei Jungs. Inzwischen ist das anders - auch dank seiner Fähigkeiten, für das Turnen zu werben.

rbb|24: Lorenzo, jetzt am Wochenende ist Turnfest. Bist Du dabei?

Lorenzo Loi: Ja, bei einem Amateurwettbewerb, einem Vierkampf. Da kann man aus den verschiedenen Sportarten seine Disziplinen raussuchen, zum Beispiel kann man sich beim Turnen vier Geräte auswählen. Entweder man macht nur diese Geräte oder eben fächerübergreifend mit Leichtathletik oder Schwimmen. Da hat man die freie Wahl.

Misst Du Dich auch sonst in Wettkämpfen?

Im Gerätturnen tatsächlich nicht. Da habe ich jetzt beim Turnfest meinen ersten Wettkampf. Aber beim TGW/TGM (Turn Gruppen Meisterschaft/Turn Gruppen Wettkampf d. Red.) mache ich seit 2006 regelmäßig bei Wettkämpfen mit.

Was sind Turnergruppenmeisterschaften? Was macht man da genau?

Das ist ein super cooles Konzept. Da tritt man als Mannschaft auf und nicht als Einzelturner, steht auf der Fläche und turnt nach Musik – entweder mit Kasten oder ohne Kasten. Neben dem Turnen, tanzen wir da auch, laufen einen Orientierungslauf und machen Medizinball-Weitwurf.

Und die Männer in Deiner Trainingsgruppe machen sowas auch?

Nein, die machen nur klassisches Geräteturnen mit Reck, Barren, Boden, Pauschenpferd, Ringe und Sprung.

Wie holst Du neue Mitglieder in den Verein?

Prinzipiell werbe ich in der Uni in Potsdam im Sportstudium, weil da eine superschwere Turnprüfung zu absolvieren ist. Denen sage ich, sie können zu mir kommen und bei uns üben. Ich studiere da auch selbst auf Lehramt. Ansonsten, wenn ich versuche, Leute für ein Probetraining zu überreden, sage ich eigentlich, dass das ein guter Sport ist, um Kraft aufzubauen, Kondition aufzubauen und Koordination zu fördern. Das ist ein super vielseitiger Sport.

Was bringst Du als Trainer den Männern im Training bei?

Wir handhaben das so, dass wir ein freies Training machen. Jeder kommt hier her, um für sich selbst zu üben. Ich leite die ein bisschen an, zeige ihnen, wie man sich warm macht und wie man an die Geräte rangeht, bringe ihnen die ersten Elemente bei und guck' dann, ob die bereit sind, um ins freie Training entlassen zu werden. Dann fragen sie mich einfach, wenn sie ein neues Element lernen wollen oder wenn ich nochmal auf die Haltung gucken soll.

Und das machen die nur für sich?

Ja. Um sich selbst zu stärken und Spaß zu haben.

Ist das ein Sport, den man gut bis ins hohe Alter machen kann?

Wenn man es falsch trainiert, kann es schon auf die Gelenke gehen. Es hat auch einen Grund, warum Turner meistens eher klein sind. Wenn man wirklich nachhaltiges Training macht, sich nicht zu hoch belastet und nicht in den Leistungssportbereich geht, sondern eher im Breitensport bleibt, dann kann man es auch bis ins hohe Alter noch machen. Unser ältester Turner wird jetzt Wochen 83 Jahre alt. Der war hier jahrelang Abteilungsleiter, und der macht hier immer noch seine Vorwärtsrollen, seinen Sturzhang am Barren oder am Reck. Der ist noch topfit.

Ist noch Platz in Eurem Verein?

Bei uns ist immer Platz. Es gibt keine Begrenzung. Ist sogar besser, wenn mehr kommen. Einfach vorbei kommen zum Probetraining und dann gucken, ob es was für einen ist.

Bist Du hauptamtlicher Trainer im Verein?

Nein, ich mache eine ehrenamtliche Tätigkeit. Da bekommt man eine kleine Vergütung vom Senat. Für mich ist das super. Ich kann selber trainieren. Ich habe die Chance, Kinder zu trainieren, was eine Superbereicherung für mich ist. Das Geld, was man dafür bekommt, ist einfach ein kleines Dankeschön. Ich denke mal, ich würde es auch ohne Geld machen.

Wolltest Du früher lieber Fußballspielen als Turnen?

Komischerweise überhaupt nicht. In der Freizeit mit meinen Freunden schon, auf jeden Fall, aber im Verein hatte ich nie Interesse.

Kommst aus einer Sportlerfamilie oder wo kommt Deine Leidenschaft her?

Eigentlich überhaupt nicht. Das war damals mein bester Freund, der mich mitgebracht hat. Nach dem Turnen fühle ich mich einfach nur glücklich. Warum ich immer beim Turnen bleibe? Vielleicht, weil es nie langweilig wird. Man kann immer neue Sachen lernen und die weiter perfektionieren. Die perfekte Form kann man fast gar nicht erlernen. Das macht’s halt extrem spannend. Man versucht, so nah wie möglich an die Perfektion heran zu kommen und kann da extrem viel dran trainieren, und sei es nur am Handstand.

Gibt es Vorbilder? Außer Fabian Hambüchen fällt den meisten wohl kaum ein berühmter Turner ein.

Ich bin totaler Fan von Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen. Es wäre schön, wenn man sowas könnte, aber das wäre ein sehr weiter Weg dahin. Nicht umsonst haben die mit fünf oder sechs Jahren angefangen täglich zu trainieren.

Das Gespräch führte Anke Fink

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