Läuferinnen und Läufer passieren beim 45. Berlin-Marathon die Siegesäule im Tiergarten (Quelle: imago/Reiner Zensen)
Video: rbb|24 | 16.09.2018 | Vanessa Klüber | Bild: imago/Reiner Zensen

Marathon-Wochenende 2018 - Tolles Wetter und prächtige Stimmung beim Berlin-Marathon

44.389 Läuferinnen und Läufer sind beim 45. Berlin-Marathon gestartet, und mehr als 40.000 kamen ins Ziel - das sind gleich zwei neue Bestmarken. Dazu gab's einen neuen, fabelhaften Weltrekord bei den Männern und einen Streckenrekord bei den Frauen.

Beim 45. Berlin-Marathon sind am Sonntag gleich mehrere Bestmarken gefallen: Nicht nur, dass Eliud Kipchoge aus Kenia einen neuen Weltrekord lief und seine Landsfrau Gladys Cherono einen neuen Streckenrekord aufstellte - mit insgesamt 44.389 Läuferinnen und Läufern waren mehr Teilnehmer auf die Strecke gegangen als bei jedem anderen Berlin-Marathon. Und mit 40.775 kamen auch mehr ins Ziel als je zuvor.

Damit überholt der seit 1974 stattfindende Lauf in der Kategorie "Finisher" den Marathon in London und rückt weltweit auf den vierten Platz vor - hinter New York, Paris und Chicago.

Eliud Kipchoge aus Kenia, Sieger des Berlin-Marathons 2018 und neuer Weltrekordhalter, mit seinen Pacemakern (Quelle: imago/Peter Meissner)
Eliud Kipchoge mit Pacemakern | Bild: imago/Peter Meissner

Fabel-Weltrekord durch Eliud Kipchoge

Für den absoluten Höhepunkt beim Berlin-Marathon 2018 sorgte aber Kipchoge mit einer neuen fantastischen Bestmarke: Der Vorjahressieger lief 2:01:39 Stunden und blieb damit um 78 Sekunden unter dem alten Weltrekord seines Landsmannes Dennis Kimetto aus dem Jahr 2014 - Laufexperten schwärmten von einem "unglaublichen Ergebnis".

Wie Kipchoges Zeit eingeschätzt werden muss, sieht man auch daran, das Amos Kipruto (ebenfalls Kenia) in 2:06:23 fast fünf Minuten später ins Ziel kam. Auf dem dritten Platz vervollständigte Wilson Kipsang den kenianischen Dreifacherfolg. Im Jahr 2013 hatte er den Berlin-Marathon noch in neuer Weltrekordzeit gegen Kipchoge gewonnen, diesmal blieb er in 2:06:48 Stunden über fünf Minuten hinter seinem Landsmann zurück.

Gladys Cherono, Kenia, gewinnt den 45. Berlin-Marathon mit neuem Streckenrekord. (Quelle: dpa/AP/Markus Schreiber)
Gladys Cherono im Ziel am Brandenburger Tor | Bild: dpa/AP/Markus Schreiber

Gladys Cherono gewinnt mit neuem Streckenrekord

Kipchoge kann sich neben seinem Rekord über ein ordentliches Preisgeld freuen. Insgesamt kassiert der Kenianer 120.000 Euro, darin enthalten sind 50.000 Euro für den Weltrekord, 40.000 Euro für den Sieg und 30.000 Euro als Zeitbonus.

Bei den Frauen ging der Sieg ebenfalls nach Kenia: Vorjahresiegerin Gladys Cherono feierte ihren dritten Erfolg in Berlin und stellte mit 2:18:11 Stunden einen neuen Streckenrekord auf. Hinter Cherono kamen mit Ruti Aga (2:18:34) und der dreimaligen 10.000-Meter-Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba (2:18:55) zwei Läuferinnen aus Äthiopien ins Ziel.

Berlin läuft, rollt und fiebert mit

Peter Steudtner läuft am Potsdamer Platz

Der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner dreht wie angekündigt während des Berlin-Marathons in einem abgesperrten Bereich seine Runden. Der eingezäunte Bereich am Potsdamer Platz sei dabei dem Gefängnisinnenhof nachempfunden, in dem Steudtner vor einem Jahr in der Türkei während des Berlin-Marathons symbolisch etwa 22 Kilometer gelaufen war, sagte er rbb|24.

"Vor einem Jahr bin ich wegen der Terrorismusvorwürfe inhaftiert gewesen und dann in Silivri im Innenhof gelaufen, vorher noch nie", so Steudtner, "dieses Jahr wollte ich mich nun solidarisch mit anderen Menschenrechtsaktivisten weltweit zeigen." Steudtner lud auch andere Läufer ein, sich ihm anzuschließen. Allerdings musste er aus Sicherheitsgründen 100 Meter von der Strecke entfernt separat laufen.

Erst gegen 11 Uhr gesellte sich ein erster Freund dazu. Steudtner wollte bis 15 Uhr stündlich für etwa 30 Minuten in dem Innenhof seine Runden drehen und stand in Kooperation mit Amnesty International Deutschland auch für Gespräche zur Verfügung.

rbb-Marathon-Staffel scheitert knapp am Weltrekord

Für Aufsehen sorgte auch in diesem Jahr die vom rbb-Inforadio organsierte Marathon-Staffel - bestehend aus 41 Hörerinnen und Hörern (ein Läufer war kurzfristig ausgefallen). Ihr Ziel: den zu diesem Zeitpunkt noch aktuellen Weltrekord aus dem Jahr 2014 zu brechen, doch am Ende war das Inforadio-Team um etwa 1 Minute und 30 Sekunden langsamer.

Die Staffelläufer starteten unmittelbar vor der Elite und hatten dadurch 42,195 Kilometer freie Bahn durch die Hauptstadt. Kern der schnellen Staffel waren vor allem junge Läuferinnen und Läufer aus Berlin und Brandenburg. Bei ihrem ehrgeizigen Ziel bekamen sie prominente und schnelle Unterstützung. Dabei waren zum Beispiel der Vize-Europameister über 1.500 Meter von 2010, Carsten Schlangen. Als Erster ging der ehemalige Europameister über 10.000 Meter, Jan Fitschen, an den Start. Coach der Inforadio-Marathonwette ist DLV-Bundestrainer André Höhne.

Schon zum Frühstück locker eingelaufen

Für die meisten Läuferinnen und Läufer sind die Ausnahmezeiten, die an der Spitze des Feldes gelaufen, gerollt oder gefahren werden, eher nebensächlich - wollen sie doch vor allem ihre ganz persönlichen Ziele erreichen und dabei möglichst viel Spaß auf der Strecke haben - wofür auch in diesem Jahr einige hunderttausend Menschen und zahlreiche Musikgruppen sorgten.

Begonnen hatte das Marathon-Wochenende bereits am Samstagmorgen: Mehrere hundert Läuferinnen und Läufer hatten sich auf den Weg gemacht, um am traditionellen Frühstückslauf teilzunehmen. Unter dem Motto "janz langsam" führte er über rund sechs Kilometer vom Schloss Charlottenburg bis zum Olympiastadion.

Bambini-Lauf beim Berlin-Marathon 2016 (Quelle: imago/Camera 4)
Die Bambinis liefen auch in diesem Jahr auf dem Tempelhofer Feld. | Bild: imago/Camera 4

Großer Andrang bei Bambini-Lauf und Marathon der Schulen

Ebenfalls am Samstagvormittag fand der Bambini-Lauf für die ganz Kleinen statt. Auf dem Vorfeld des Flughafen Tempelhofs standen für Kinder bis zu zehn Jahren Distanzen von 200 bis 800 Meter auf dem Programm.

Wie beliebt der Berlin-Marathon bei den Breitensportlern ist, lässt sich auch an den Teilnehmer-Zahlen beim Mini-Marathon der Schulen ablesen. Dieser führte am Samstag wie gewohnt über 4,2195 Kilometer - also über ein Zehntel der klassischen Marathon-Distanz. Bei der 30. Auflage waren mehr als 10.000 Jungen und Mädchen am Start. "Das ist die größte Zahl, die wir bisher hatten", sagte der Geschäftsführer von SCC-Events, Jürgen Lock.

Swings und Rumpus gewinnen Skater-Marathon

Ein erster Höhepunkt war am Samstag das Rennen der Inline-Skater, die so schnell unterwegs sind, dass sie traditionell einen Tag vor den Läufern starten. Zum sechsten Mal in Folge hieß dabei der Sieger Bart Swings. Der Belgier benötigte für die gut 42 Kilometer lange Marathon-Strecker 57:58 Minuten. Felix Rijhnen aus Darmstadt, der vorab als Favorit gehandelt wurde, kam als bester Deutscher auf den fünften Rang (58:17 Minuten). 

Bei den Frauen konnte sich Katharina Rumpus über ihren ersten Sieg in Berlin freuen. Neun Mal ist die Heidelbergerin bislang hier angetreten. Am Samstag setzte sie sich in 1:09:15 gegen ihre Dauerrivalin Sandrine Tas aus Belgien und der Italienerin Francesca Lollobridgida (beide 1:09:16) durch. 

Sieg bei den "Rollis" geht nach Kanada und in die Schweiz

Kurz bevor Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Sonntag den Startschuss gab, waren 180 Handbiker sowie 63 Rennrollstuhl-Fahrer auf die 42,195 Kilometer lange Strecke gegangen. Dabei war das Feld der "Rollis" in diesem Jahr besonders stark besetzt.

Der Sieg ging an den Kanadier Brent Lakatos, der für die 42,195 Kilometer 1:29:41 Stunden benötigte. Drei Sekunden dahinter kam der mehrmalige Berlin-Sieger Marcel Hug aus der Schweiz ins Ziel. Der vielfache Paralympics-Sieger David Weir aus Großbritannien kam in 1:29:55 auf Platz zwölf.

Bei den Frauen ging der Sieg an die Schweizerin Manuela Schär, die in 1:36:53 ins Ziel kam, gefolgt von Susannah Scaroni aus den USA in 1:41:44 Sunden und Sandra Graf, ebenfalls aus der Schweiz, in 1:42:55 Stunden.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich habe an dem Marathon das erste mal teilgenommen.
    Es war grandios! Tolle Stimmung... eine einzige Party an der gesamten Strecke... Danke Berlin!
    Eines hat mich jedoch erschüttert und gibt mir sehr zu denken.
    Es wurden für die Getränkeausgabe an den Versorgungsständen Plastikbecher verwendet! Warum keine Pappe?

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