John Kunkeler stellt die Playlists für den Berlin-Marathon zusammen (Quelle: rbb)
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Video: rbb UM6 | 09.09.2018 | Birgit Hofmann | Bild: rbb

John Kunkeler: DJ, Vermesser, Streckenplaner - Die Allzweckwaffe des Berlin-Marathons

Er gibt den Beat vor. Er designt die Strecke. Er ist eigentlich überall. John Kunkeler ist beim Berlin-Marathon so etwas wie der Mann für alle Fälle. Es ist die Liebe zu diesem Event, die ihn antreibt - und das mit inzwischen 70 Jahren. Von Johannes Mohren

John Kunkeler schwärmt. So wie man das eben bei seiner großen Liebe so tut. Der 70-Jährige - kurze graue Haare, bescheidenes Lächeln - und der Berlin-Marathon pflegen eine ganz besondere Beziehung. "Diese Sogwirkung, die es hier gibt", sagt Kunkeler, "diese Impulse, die man vom Streckenrand von den Zuschauern bekommt". Das ist es, was ihn so fasziniert - und weshalb er den 42,195 Kilometern durch die Hauptstadt verfallen ist.

Dass der Berlin-Marathon so ist, wie er ist, daran hat der gebürtige Holländer einen nicht gerade geringen Anteil. Wenn das Lauf-Event näher rückt, beginnt für ihn die Puzzlearbeit. Denn Kunkeler ist der Mann für die Playlisten. Unter anderem. Er baut die Klang-Kulisse - im "Schlot", dem Jazz-Club, den er seit Mitte der 1990er Jahre mit betreibt. An mehr als 90 Punkten an der Strecke gibt es Musik: Bands, Trommelformationen, DJs - alles ist dabei. 

Früher selbst Marathonläufer

Das will koordiniert sein. Kunkeler macht das mit all seinem Erfahrungsschatz und viel Herzblut. Er kann erahnen, was die Läufer wann auf die Ohren brauchen. Auch weil er lange Zeit selbst auf der Strecke unterwegs war. 1983 zum ersten Mal - und das ziemlich schnell: "Ich bin mal unter zweieinhalb Stunden gelaufen", erzählt er mit seinem sympathischen holländischen Akzent, der, auch nach vielen Jahrzehnten in Berlin, geblieben ist.

Doch bei seiner Rekord-Zeit ging nicht alles mit rechten Dingen zu. Die Strecke war zu kurz - falsch vermessen. "Das hat mich so geärgert und ich habe mich gefragt: Wer misst die Dinger eigentlich? Oder: Wie macht man das?, fragt er. Kunkeler wäre wohl nicht Kunkeler, wenn er der Sache nicht weiter auf den Grund gegangen wäre. Im Rahmen eines Berlin-Marathons gab es eine Schulung zu genau dem Thema. Er war natürlich dabei.

Streckendesigner? Auch Kunkeler!

Heute entwirft Kunkeler die Strecke. Jahr für Jahr fährt er sie mit Kollegen ab. Natürlich auch dabei: das Messgerät. Da soll ja nichts schief gehen. Zur Vorsicht wird die Strecke sogar leicht verlängert. So sehen es die Regularien vor. "Wenn man misst, ist man gehalten, für jeden Kilometer einen sogenannten Karenzmeter dazuzumachen", sagt Kunkeler, sprich: "Die Strecke ist - streng arithmetisch gesehen - 42 Meter zu lang". Er lacht.

Zu lang ist die Strecke auch noch für Artur, Kunkelers Enkel. Ob mit oder ohne die 42 Meter Karenz. Aber laufen wird er natürlich schon: beim Bambini-Lauf am Sonnabend um 15 Uhr auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Schönefeld. Wie sollte es bei so einem Opa auch anders sein? Vielleicht wächst da ja auch der neue Mann für alle Fälle beim Berlin-Marathon heran.

Sendung: rbb UM6, 09.09.2018, 18 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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