Arne Friedrich (links) und Joachim Löw (re.) bei einem Freundschaftsspiel 2010 (Quelle: imago/DeFodi)
Audio: Inforadio | 28.06.2018 | Interview mit Arne Friedrich | Bild: imago/DeFodi

Interview | Ex-Herthaner Arne Friedrich - "Ich hoffe, dass Löw bleibt"

Nach dem Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM ist eine Diskussion über die Zukunft von Bundestrainer Jogi Löw entbrannt. Einer der sich für das Bleiben von Löw ausspricht, ist Ex-Nationalspieler und einstiger Hertha-Kapitän Arne Friedrich.

rbb: Die Kommentatoren sind heute fast einhellig der Meinung, die goldene Generation um Khedira und Özil habe abgewirtschaftet. Warum hat Bundestrainer Joachim Löw das nicht vor der WM erkannt?

Arne Friedrich: Das ist natürlich immer sehr einfach, hinterher zu sagen, so und so hätte man es machen müssen. Ich glaube, Jogi Löw hat uns zum WM-Titel gebracht, hat eine sehr, sehr gute Entwicklung für den deutschen Fußball in die Wege geleitet - und, klar, jetzt sind wir komplett auf die Nase gefallen. Jogi Löw übernimmt dafür die Verantwortung, das hat er auch gesagt. Ich denke, jetzt wird es einen Umbruch geben. Ob es dann mit Jogi Löw sein wird oder ohne, das wird sich in den nächsten Tagen herausstellen, aber definitiv wird es Veränderungen geben.

Was vermuten Sie: Wird es mit Jogi Löw diesen Umbruch geben?

Ich wünsche es mir. Ich kenne Jogi Löw seit vielen Jahren. Ich halte sehr viel von ihm als Trainer. Natürlich hat auch er sicherlich Fehler gemacht und wird sich hinterfragen in vielen Bereichen. Aber ich glaube, dieses gesamte Gespann um Oliver Bierhoff, Jogi Löw, der ganze Trainerstab hinten dran hat schon die Möglichkeit, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Denn sie haben damals etwas aufgebaut und es muss jetzt halt nur ein Neuanfang her. Ich denke aber, dass sie das als Trainerteam und auch als Manager zusammen in die Wege leiten können und werden. 

Neuanfang bedeutet sicherlich: Es müssen junge Leute ran. Wie weit sind denn Leo Goretzka, Julian Draxler und andere?

Ich glaube, es ist sehr gut zum Beispiel zu vergleichen mit Hertha BSC. Hertha hat jetzt wieder zwei unterschiedliche Halbserien in der Bundesliga gespielt. Natürlich gibt es immer wieder Schwankungen, auch bei einem solchen Turnier. Timo Werner zum Beispiel ist ein hochtalentierter Spieler. Er hat sich sehr bemüht. Aber natürlich kann der noch nicht in die Fußstapfen eines Miroslav Klose treten. Aber das kann er auch nur dann schaffen, wenn er die Erfahrung sammelt und auch diese Turniere spielt.

Wir haben jetzt Zeit bis zur EM. Es sind jetzt zwei Jahre, in denen, wer auch immer es sein wird - ich hoffe, wie gesagt, dass es Jogi Löw sein wird - auch Spielern die Chance geben wird. Und es wird mit Sicherheit auch der eine oder andere etablierte Spieler zurücktreten, davon gehe ich aus. Es wird auf den einen oder anderen auch verzichtet, von Trainerseite aus. Ich denke schon, dass wir ein neues Gesicht jetzt sehen werden. 

Die deutsche U21-Auswahl hat im vergangenen Jahr die Europameisterschaft gewonnen. Trotzdem hat der Trainer Stefan Kuntz dieser Tage gesagt, andere Nationen seien in der Nachwuchsarbeit an Deutschland vorbeigezogen. Sie selbst, Herr Friedrich, haben Erfahrung in der Nachwuchsarbeit. Was machen andere Nationen wie etwa England besser als wir?

Ich weiß nicht, ob die etwas besser machen. Das ist jetzt natürlich auch nicht so einfach, solche Vergleiche zu ziehen. Natürlich ist Stefan Kuntz wesentlich näher dran. Ich bin seit zwei Jahren nicht mehr beim DFB tätig, oder anderthalb Jahren. Deswegen bin ich da auch gar nicht mehr so richtig drin im Thema, aber Fakt ist, dass der Deutsche Fußballbund weiter darauf setzt, junge Talente zu fördern.  

Das Gespräch führte Oliver Rehlinger, Inforadio. 

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Jedes Zeitalter geht einmal zu Ende.
    Es gab eine Zeit vor und es wird eine Zeit nach Löw geben.
    Nur einige haben den Schlag der Uhr zur vollen Stunde nicht gehört.

  2. 4.

    Ich habe keine andere Reaktion vom Schleimer Friedrich erwartet. Der war und ist ein ähnlicher Löw-Fan wie Lahm. Löw hat das Desaster zu verantworten. Hat er Rückgrat, geht er. Es wird Zeit für einen Neuanfang, in jeder Hinsicht. Bierhoff könnte auch gleich mit abtreten.

  3. 3.

    Hallo Wolfgang, soviel verstehe ich noch vom Fußball, wenn ein Trainer Murks gemacht hat, übernimmt er die Verantwortung Punkt. Da ich den Jogi Löw sehr schätze, denn bisher hat dieser seine Arbeit immer gut gemacht, kann ich nur hoffen er bleibt der Nationalmannschaft erhalten.

  4. 2.

    Löw hat solche Verdienste, dass es sich verbietet, ihn zu entlassen. Allerdings sollte er nach dieser desaströsen WM von sich aus den Hut nehmen, das ist eine Frage des Anstandes. Wenn er weitermacht besteht die große Gefahr, dass jeder Misserfolg von Trainerdiskussionen begleitet wird und es wird bei einem Neuaufbau genug Niederlagen geben.

  5. 1.

    bin erstaunt über die Kritik an Löw
    der hat doch garnicht mitgespielt-

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