Archivbild: Der ARD-Journalist Hajo Seppelt bei einer Sitzung des IOC-Exekutivkomitees. (Quelle: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa)
Video: Abendschau | 14.06.2018 | Christina Rubarth | Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Fußball-WM - Seppelt reist nicht nach Russland

Ein "unberechenbares Risiko" wäre es für Sportreporter Seppelt, wenn er nach Russland zur Fußball-WM fahren würde, so die Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden. Von René Althammer

Hajo Seppelt reist nicht zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland. Die Entscheidung traf die ARD nach einem Gespräch mit Außenminister Heiko Maas. Grundlage der Entscheidung waren Gefährdungsanalysen von Bundessicherheitsbehörden, darunter das Bundeskriminalamt (BKA), der Nachrichtendienste und das Landeskriminalamt Berlin (LKA), dessen Einschätzung dem ARD-Politikmagazin Kontraste vorliegt.

An dem Gespräch mit Maas nahmen neben Seppelt die Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg, Patricia Schlesinger, und ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky teil.

Es ging nur um eine Frage: Besteht ein Risiko für den ARD-Dopingexperten, wenn er zur WM nach Moskau fährt? Die Antwort war eindeutig und lautete: Ja. Schriftlich heißt es dazu, "dass das Auswärtige Amt die Analysen auch der zuständigen Innenbehörden ernst nehmen müsse und mit Blick auf Sicherheitsfragen zu keiner andersgelagerten Einschätzung gelangen könne."

Die Einschätzung teilt auch das LKA Berlin. In dessen Analyse hieß es schon Mitte Mai, dass "dringend von einer Reise Seppelts nach Russland abgeraten werde. In die Analyse waren neben dem LKA und dem BKA auch deutsche Nachrichtendienste einbezogen.

"Unberechenbares Risiko" bei Einvernahme

Hauptproblem sei die bevorstehende Einvernahme durch das staatliche Ermittlungskomitee in der Strafsache Grigori Rodschenkow. Er ist der Kronzeuge im russischen Dopingskandal.

Rodschenkow war 2016 in die USA geflüchtet und befindet sich im Zeugenschutzprogramm des FBI. Angesichts der russischen Untersuchungen zu den Dopingvorwürfen befürchten die Sicherheitsbehörden ein "unberechenbares Risiko" einer "rechtlichen Eskalation" durch die Behörden im WM-Gastgeberland. Das bedeutet, dass Seppelt Gefahr läuft, festgesetzt zu werden, wenn das russische Komitee der Auffassung sei, dass er nicht kooperiere. Außerdem seien "spontane Gewalttaten selbstmotivierter Akteure" nicht auszuschließen.

Kritischer Journalismus nicht geduldet

Hintergrund sind Seppelts Recherchen zum Staatsdoping in Russland, die dazu führten, dass zahlreiche Sportler von den Olympischen Spielen 2016 in Rio und 2018 in Pyeongchang ausgeschlossen worden waren oder nur unter neutraler Fahne teilnehmen durften.

Viele Russen sehen dies als Kränkung, was Seppelt für viele zu einer Art "Staatsfeind" macht. Seither ist er immer wieder Bedrohungen ausgesetzt.

"Was sagt das über den Sportjournalismus aus, wenn es inzwischen schon so weit gekommen ist und was sagt es vor allem darüber aus, was Menschen passiert, die als Journalisten in Russland leben", sagte Seppelt dem Magazin Kontraste dazu.

rbb-Intendantin Patricia Schlesingerrbb-Intendantin Patricia Schlesinger | Bild: rbb/Thorsten Klapsch

Diese Einschätzung teilt rbb-Intendantin Patricia Schlesinger: "Die Tatsache, dass wir davon ausgehen, dass der Grad der Gefahr relativ hoch, ist heißt ja, dass dort ein kritischer Journalismus nicht nur nicht erwünscht ist, sondern auch nicht geduldet wird."

Auch Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, sieht die Freiheit der Berichterstattung eingeschränkt. Zudem halte Russland Zusagen, die es der FIFA gemacht habe, nicht ein. "Solche Länder kommen zukünftig nicht mehr in Frage für internationale Veranstaltungen", sagte die SPD-Politikerin dem Magazin Kontraste.

Sendung: Inforadio, 14.06.2018, 00.00 Uhr

Beitrag von René Althammer

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Wer weiß für welchen Auftraggeber der sogenannte 'ARD-Doppingexperte' Herr Seppelt noch so arbeitet?

  2. 26.

    "Der damalige BRD - Sport und seine Dopingverstrickungen wurde bis heute nicht aufgearbeitet. Es ist einfach nicht im Interesse von unseren Medien."

    Es gab in den letzten Jahren zahlreiche Berichte zu systematischem Doping in der BRD.
    Beispiele:

    http://www.sueddeutsche.de/sport/doping-in-westdeutschland-doping-mit-politischer-unterstuetzung-1.3442478

    http://www.dw.com/de/doping-republik-deutschland/a-38267760

    http://www.deutschlandfunk.de/doping-in-westdeutschland-ein-noch-immer-verkanntes-problem.890.de.html?dram:article_id=389837

    http://www.spiegel.de/sport/sonst/studie-der-humboldt-universitaet-systematisches-doping-in-der-brd-a-914597.html

  3. 25.

    Stimme Ihnen voll zu. Auch mir ist Hajo Sebbelt schon immer als ein sehr engagierter Reporter in Sachen Doping bekannt. Von Einseitigkeit kann hier überhaupt keine Rede sein.

  4. 24.

    Nur um mal mit der Legende aufzuräumen, Hajo Seppelt würde einseitig zu Russland recherchieren: Der Mann berichtet seit 20 Jahren über Doping, in den letzten Monaten z.B. über afrikanische Läufer, deutsche Boxer oder britische Radprofis. Aber viele der Kommentatoren hier orientieren sich wohl lieber an "alternativen Fakten"...

  5. 23.

    Warum bohrt Herr Seppel eigentlich nicht in den "befreundeten" Ländern nicht so energisch herum??? Katar, Kuweit Saudi Arabien und und und.... Ach so, das sind ja alles lupenreine Demokratien...

  6. 22.

    Keine ARD Sportsendung ohne Herrn Seppelt!!!
    Diesen Mann ständig zu sehen und hören, der einseitig Richtung Russland so um Dopingaufdeckung bemüht ist und der vom GEZ Beitrag der Zuschauer bestens bezahlt wird, ist eine Zumutung. Hier hilft nur TV off!!!
    Der damalige BRD - Sport und seine Dopingverstrickungen wurde bis heute nicht aufgearbeitet. Es ist einfach nicht im Interesse von unseren Medien. Aber mit dem angeblichen Staatsdoping in der DDR, da kann man punkten. In der heutigen Zeit muss eben der "russische Bär" hinhalten. Es glaubt doch nur der Weihnachtsmann, dass deutsche "Stars des Sports" ihre Rekorde und Siege nur mit sauberen Mittel erreichen!
    Und noch was zu den Sportevents von ARD und ZDF. Die Zahl von sogenannten Experten, die natürlich auch was vom Geldkuchen der TV-Sender abbekommen, wird immer umfangreicher!!!
    Früher gab es 1-2 Kommentatoren und eventuell einen Experten. Es ufert heute immer mehr aus!!!

  7. 21.

    "Aber liebe Redaktion - wäre es vielleicht möglich, künftig auf die Abkürzung "BRD" zu verzichten? Diese drei Buchstaben waren eine Erfindung der DDR und sind bis heute negativ konnotiert."

    Falsch. Oder zumindest nicht ganz richtig.

    https://de.wikipedia.org/wiki/BRD

  8. 20.

    Die von Ihnen genannten Presseorgane lese ich schon aus Prinzip nie und Verschwörungstheorien hänge ich nicht hinterher, so wie Sie es vermutlich tun. Ich habe sehr großen Respekt für die Arbeit von Hajo Seppelt, schon immer gehabt und betone nochmal, es ist gut wenn er nicht nach Russland reist. Nur zur Information: Fußball interessiert mich herzlich wenig. Bisherige WM Spiele der Deutschen Nationalmannschaft habe ich mir allerdings schon angesehen. Diesmal leider eben nicht. Es gibt soviele andere Interessen denen ich nachgehen werde.

  9. 19.

    Um Gotteswillen, Sie werden Ihre Drohung doch nicht tatsächlich wahr machen und die WM boykottieren... :-O
    Jetzt ist alles aus...! :-(
    Nutzen Sie die gesparte Zeit und schauen Sie ohne Scheuklappen mal bisschen rum, informieren sie sich mal außerhalb von Springer, Funke-Medien und öffentlich rechtlichen, lesen Sie auch mal Berichte, die Ihnen vielleicht nicht auf Anhieb gefallen und Ihrem Weltbild möglicherweise widersprechen. Ich bin sicher, dann - und erst dann wissen Sie, wer von uns nicht begreifen will.

  10. 18.

    Wir sind schon soweit das Berichte über Doping in Russland vom Bundespräsidenten mit dem Orden für Verdienste für die Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz) geehrt werden!
    Kein Wort über die 28 freigesprochenen Sportler durch den Internationalen Sportgerichtshof, die aufgrund der "Recherchen" eines Herrn Seppelt gesperrt waren! Der von russischen Staatsdoping sprach, im Gegensatz zum McLaren-Report.
    Wirklich "mutiger Journalismus".
    Da es in Russland eine Identifizierung mit seinem Land der Sport hinaus geht existiert, wundert mich nicht das einige Menschen dort in den verschiedenen Landesteilen nicht gut zu sprechen sind auf die "Berichterstattung" eines Herrn Seppelt und die Würdigung dieser durch Herrn Steinmeier.

  11. 17.

    Aber warum denn? Passt doch alles wunderbar harmonisch zusammen.

    Ein durch und durch korrupter Verband hält seine Werbeveranstaltung in einem durch und durch korrupten Land ab.

    Beide werden jeweils von einem Diktator mit ihren Apanage erhaltenen Lakaien geleitet. Passt wie A*sch auf Eimer! ;-)

  12. 16.

    Die Gefahrenlage ist nicht für alle gleich, die Einschätzung zu Seppelt kam nicht von Maas und Kategorien wie "böse" sind für solche Einschätzungen auch bedeutungslos, weil subjektiv.

  13. 15.

    Hajo Seppelt gehört zu den wenigen wirklich investigativen Journalisten, die sich trauen, auch in die größten Wespennester zu stechen. Dass das nicht jedem gefällt, liegt in der Natur der Sache. Die Einschätzung der Sicherheitsbehörden, dass er besser nicht nach Russland reisen sollte, kann er also glatt als Auszeichnung betrachten.

    Aber liebe Redaktion - wäre es vielleicht möglich, künftig auf die Abkürzung "BRD" zu verzichten? Diese drei Buchstaben waren eine Erfindung der DDR und sind bis heute negativ konnotiert. Ich sehe da sofort die Grenzübergänge vor mir. Das Land, in dem wir leben, kann man heute ganz einfach "Deutschland" nennen, wenn "Bundesrepublik Deutschland" zu lang ist.

  14. 14.

    Eines sollte doch klar sein, die Maasische Einschätzung, einem ausgewiesenen Russland-Verächter und Scharfmacher, müsste dann für Alle gelten. Die Gefahrenlage ist für alle gleich, im Reich des Bösen.
    Vielleicht aber sind die Erkenntnisse im Dopingskandal doch nicht so, wie man uns weiß machen will.
    Ich fragte mich doch schon, warum der Focus nur auf die Russischen Sportler ausgerichtet war. Wird/wurde bei den Chinesen, den Amerikanern, den, ich weiß nicht noch wo, nicht auch gedopt?
    Oder ließ sich der "Doping-Aufklärer" nur politisch instrumentalisieren und hat deshalb Angst, dass ihm dieses Engagement um die Ohren fliegt?

  15. 13.

    Seppelt hat systematisches Doping aufgedeckt, unter Förderung russischer Behörden. Gilt für die BRD-Nationalmannschaft, Fans und andere Pressevertreter die über Fußball berichten, nicht.

    Er selber weigert sich nicht, zu fahren, also stimmt ihr Vorwurf nicht, dass er "nicht will". Seine Arbeitgeber folgen den Einschätzungen der Sicherheitsbehörden, mehr nicht.

  16. 12.

    Das verstehe ich jetzt nicht. Erst wurden große Wellen geschlagen, als er keine Einreise zu "Putins" Fußballweltmeisterschaft bekam, dann wurde das Verbot aufgehoben, danach wollte er fahren, bekam das Bundesverdienstkreuz und jetzt will er doch nicht? Wenn die "Gefahrenlage" so gefährlich ist, warum fährt dann die BRD-Nationalmannschaft hin, oder der Tross von Pressevertretern, die Fans und und und.
    Ich finde die Weigerung peinlich.

  17. 11.

    Es gibt Menschen die einfach nicht begreifen wollen und dazu zählen Sie. Des weiteren schließe ich mich @ BlickDicht voll an.

  18. 10.

    Ja genau :-DDD
    Dann zeigen Sie mir doch z.B. mal die Beweise für Doping in der russischen Nationalmannschaft. Bin gespannt...
    PS. ...und nicht von der Wahrheit "abdriften" ;-)

  19. 9.

    Das hat wenig mit "trauen" zu tun. Es wäre schlicht töricht sehenden Auges in ein russischen Gefängnis zu gehen, weil man in Russland der Böse ist, der das Staatsdoping aufgedeckt hat. Auch den ausländischen Reportern, die in Krisenregionen gehen, steht die freie Entscheidung zu, dies nicht zu tun.

  20. 8.

    Bitte nicht sinnfrei die Wahrheit verdrehen. Herr Seppelt hat berichtet und alle Fakten dazu offengelegt, Insofern ist Ihre Anschuldigung gegenstandslos. Auch wenn Sie mehr und mehr in die Welt der Verschwörungstheorien abdriften, sollten Sie nicht jede Meldung zum Anlass nehmen Ihre alternativen Fakten - also Lügen - in die Welt zu posaunen.

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