Das Stadion An der Alten Försterei (links) und das Olympiastadion (rechts). Quelle: imago images
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Vor dem Derby - So unterschiedlich ticken Hertha und Union

Zum ersten Mal treffen Hertha und Union am Samstag in der Bundesliga aufeinander. Zwar spielen beide Vereine in der gleichen Stadt, die Geschichte und derzeitige Ausgangslage könnte unterschiedlicher allerdings nicht sein. Es finden sich aber auch Gemeinsamkeiten.

Hertha, Union und die Hauptstadt

"Aus Berlin, für Berlin" - so lautete lange Zeit das Motto von Hertha BSC. Zwar hat man sich bei den Charlottenburgern nicht komplett von diesem Slogan verabschiedet, ihn aber durch einen weiteren ergänzt und diesen in den Vordergrund gerückt: "Wir sind ein Berliner", heißt es nun bei Spielen im Olympiastadion, am Trainingsgelände der Blau-Weißen und in den sozialen Medien. "Hertha BSC ist der Verein für Gesamt-Berlin, für Ost und West", erklärt Klub-Manager Michael Preetz die Stellung Herthas innerhalb der Hauptstadt.

Im Gegensatz dazu sieht sich der 1. FC Union noch deutlich stärker in seiner Heimat Köpenick verankert. Hier hat der Verein seine Wurzeln und sein Stadion. Auch Vereinslegende Torsten Mattuschka kann sich keine andere Basis für seinen Herzensverein vorstellen: "Für mich war und ist Union Köpenick". Doch auch die Eisernen haben mittlerweile Fans in der ganzen Stadt. Am Spieltag pilgern die Anhänger aus ganz Berlin in die Alte Försterei.

Hertha, Union und die Fans

Die treuesten Hertha-Fans treffen sich bei Heimspielen in der Ostkurve des Olympiastadions. Bunte Choreografien werden dort dargeboten und lautstarke Fangesänge hallen durch das weite Rund. Doch die Ostkurve steht für mehr als nur die Unterstützung des Vereins an Spieltagen: Seit Jahren organisieren die Fans die Aktion "Spendet Becher, rettet Leben". Der Ertrag der Pfandbecher wird gesammelt und an soziale Projekte gespendet. Außerdem setzt sich die aktive Fanszene kritisch mit den modernen Ideen der Geschäftsführung auseinander, ist auf Traditionswahrung aus. Herthas-Markenchef Paul Keuter sieht sich regelmäßiger Kritik für seine Digitalisierungs- und Internationalisierungsstrategien ausgesetzt.

Auch beim 1. FC Union pochen die Fans auf ihr Mitspracherecht. Ähnlich wie bei Hertha engagieren sich die Anhänger auch abseits des Fußballs, halfen ihrem Verein in den dunkelsten Stunden. In den finanziell schwierigen Zeiten spendeten sie Geld und halfen beim Stadionbau. Für Union-Fan Christian Schnuppe ist der Verein wie eine Familie: "Das Weihnachtssingen, das Drachenboot-Rennen, die Sand-Völkerschlacht - es gibt so viele Sachen neben dem Fußball. Das ist Union". Doch auch bei den Eisernen stemmt man sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung und den ansteigenden Anteil an Eventzuschauern. Bei steigenden Fan- und Mitgliederzahlen werden Tickets in der Alten Försterei knapp, einige Anhänger befürchten einen Wandel des Vereins.

Hertha, Union und die Stadien

Groß, schön, antik - aber nicht mehr zeitgemäß. Herthas Beziehung zum Olympiastadion wird von Monat zu Monat angespannter, die Suche nach einem Alternativstandort intensiver. Ein neues Stadion soll her, man will sich trennen von Deutschlands letzter Fußballarena mit einer Laufbahn. Der Wunschstandort im Olympiapark scheint nicht mehr realisierbar, nun rückt das Flughafengelände Tegel mehr und mehr in den Fokus. Herthas neue Heimat soll lauter und enger werden, die Fans näher an das Spielfeld rücken.

So wie im Stadion An der Alten Försterei. Die Union-Fans sprechen, wenn sie über die Heimspielstätte ihres Klubs reden, liebevoll von ihrem Wohnzimmer. Für die Bundesliga hat das Stadion eigentlich zu wenige Sitzplätze, deshalb soll das Fassungsvermögen möglichst bald auf 37.000 Plätze vergrößert werden. Baulich stellt das den Verein zwar nicht vor Herausforderungen. Bei einem ausverkauften Stadion steht der Bezirk allerdings schon heute vor Problemen bei der An- und Abreise der Zuschauer. Ein neues Verkehrskonzept stellt bislang die größte Herausforderung dar.

Hertha, Union und die Zukunft

Für die Zukunft hat Hertha große Pläne. Mit Investor Lars Windhorst will man zu neuen Ufern aufbrechen. Der Unternehmer möchte nach seiner großzügigen Millionenspritze mit dem Verein mittelfristig in die Champions League. Den ersten Schritt hat man mit ambitionierten wie kostspieligen Transfers gemacht, trotzdem möchte man mit Geduld an die internationalen Plätze anschließen. "Das Ziel wird sein, in den nächsten Jahren - und ich sage bewusst in den nächsten Jahren und nicht in den nächsten zwei Wochen - den Anschluss an die internationalen Plätzen herzustellen", erklärt Manager Preetz.

Auch Union steht nach dem ersten Bundesligaaufstieg der Vereinsgeschichte vor einer aufregenden Zukunft. "Wenn wir die erste Liga ernst nehmen wollen, müssen alle im Verein - nicht nur der Sport - ihre Qualität erhöhen. Wir sind gekommen um zu bleiben", erklärt Präsident Dirk Zingler. Die Zeit in der Bundesliga soll sich nicht auf einen kurzen Ausflug beschränken. Die Eisernen wollen sich dauerhaft in der ersten Liga etablieren und weiter wachsen. Das Gesicht des Klubs soll dabei nicht verloren gehen - als Vorbild gilt der SC Freiburg, der zurzeit die Bundesliga aufmischt.  

Sendung: Inforadio, 31.10.19, 16:15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich bin zwar kein sehr großer Fußballfan, aber das Weihnachtssingen und das super Engagement der Unionanhänger(Fans) hat mich doch wirklich sehr beeindruckt und berührt, das war und ist auch etwas für das Herz und die Seele. So wünsche ich beiden Vereinen für heute ein gutes und friedliches Spiel. Denn so ein Spiel strahlt auch über die Stadtgrenze von Berlin hinaus.

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