1. FC Union Berlin - Hertha BSC in der Alten Försterei. Eine Rakete kommt mitten auf dem Spielfeld herunter (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
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Video: rbb UM6 | 04.11.2019 | Felix Edeha | Bild: dpa

Drei Verletzte - Polizei ermittelt nach Pyroattacken beim Berlin-Derby

Torschütze Sebastian Polter hat Angst um seine Familie, Union-Torwart Rafal Gikiewicz drängt vermummte Chaoten vom Rasen: Das erste Hauptstadtderby seit 42 Jahren wurde überschattet von Krawallen. Für mehrere Fans könnte die Gewalt Folgen haben.

Die Berliner Polizei hat nach Raketenwürfen und dem Zünden von Pyrotechnik beim Bundesliga-Derby zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC insgesamt 25 Ermittlungsverfahren eingeleitet - unter anderem wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. 

In beiden Fanblöcken waren während des Spiels Raketen gefeuert und bengalische Feuer abgebrannt worden. Aus dem Gäste-Block waren Raketen auf die Tribüne, auf das Spielfeld und in den benachbarten Union-Fanblock geschossen worden. Dadurch kamen den Polizeiangaben zufolge ein Union-Fan und ein Zivilpolizist zu Schaden, ein weiterer Beamter wurde leicht verletzt.

Auch DFB ermittelt

Als während des Spiels ein rot brennender Feuerwerkskörper nur knapp neben der Union-Trainerbank einschlug, brach Referee Deniz Aytekin die Partie für fünf Minuten ab und schickte beide Teams in die Kabine. "Letztendlich haben wir dann auch in Abstimmung mit der Polizei - da waren wir in sehr engem Kontakt - entschieden, das Spiel zu Ende zu bringen", berichtete der Unparteiische.

Sieg-Torschütze Sebastian Polter berichtete angesichts der Leuchtraketenschüsse aus dem Hertha-Block sogar über Angst um seine Familie. Eine Rakete sei während der ersten Halbzeit einen Meter neben seinen beiden Kindern und seiner Freundin auf der Haupttribüne aufgeprallt, berichtete der Stürmer. Nur mit beherztem Eingreifen gegen vermummte Chaoten aus dem eigenen Fanlager verhinderten Torwart Rafal Gikiewicz Co. nach dem 1:0 eine weitere Eskalation.

Beide Vereine müssen sich auf empfindliche Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) einstellen. Der Kontrollausschuss kündigte am Sonntag Ermittlungen an.

Vereine empört über Verhalten der Fans

So spielte das sportliche Fazit - ein Sieg und drei Punkte für Union im ersten Bundesligaduell der beiden Berliner Clubs - nach dem Spiel kaum noch eine Rolle, weil die Berichterstattung über die Gefahren und die drohende Gewalt überwogen. "Das ist eine Katastrophe, das In-die-Menge-Schießen", schimpfte Unions Robert Andrich. Und Hertha-Manager Michael Preetz "distanzierte" sich von den Vorfällen und sprach im ZDF von einem insgesamt "gebrauchten Abend": "Wir haben ein Bild abgegeben, das wir so nicht abgeben möchten."

Und Hertha-Trainer Ante Covic ergänzte: "Im Stadion saßen heute viele kleine Kinder mit ihren Vätern. Sie sollen Spaß und Freude an diesem Sport haben und keine ängstlichen Zustände bekommen", sagte Covic: "Wir haben auch in der Kurve eine Vorbildfunktion für die kleinen Knirpse."

Sendung: Inforadio, 03.11.2019, 9 Uhr

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18 Kommentare

  1. 18.

    Warum sollen Mannschaften und tausende Fans wegen ein paar Gehirn amputierte bestraft werden. Dies mit Pyro und Platzstürmen ist ja heute leider schon bei fast jedem Fußballspiel zur Regel geworden. Hier sollten generell und in jedem Stadion scharfe Einlasskontrollen wie an Flughäfen üblich, und unüberwindbare Absperrungen zum Spielfeld zur Pflicht gemacht werden. Auch wenn der Einlass länger dauert, aber Sicherheit für Spieler, Schiedsrichter und Fans hat Vorrang.

  2. 17.

    ein Umstand wird viel zu wenig betont, obwohl ihn am Sonnabend alle live im Fernsehen sehen konnten: Es waren eine Handvoll Vermummte, die nach Abpfiff versuchten, über den Platz zum Gästeblock zu kommen. Nicht tausend, nicht hundert, sondern um die zehn. Sogar die anderen Ultra-Gruppen - auch das ist in Bildern festgehalten - hielten sich zurück. Und drum rum standen 20.000 Fußballfans, die diese Szene mit Pfiffen kommentierten. Das sind die realen Zahlenverhältnisse. Ähnlich sah das Verhältnis bestimmt auch unter den Herthafans aus. Ein paar Infantile und eine riesige Menge friedlicher Menschen.

  3. 16.

    Zu Pyrotechnik im Stadion gibt es verschiedene Meinungen. Ich selber würde sie nicht zünden, habe aber nichts dagegen, wenn sie kontrolliert abgebrannt wird und im Block bleibt. Kann aber auch verstehen, dass sie komplett dagegen sind.
    Dass das Rückspiel ein Geisterspiel wird, wünsche ich mir nicht. Dadurch würden 40.000 friedliche Fans für das Fehlverhalten von 30 Idioten bestraft werden.

  4. 15.

    Zu Pyro sage ich ganz klar NEIN. Haben im Stadion nichts zu suchen, genauso wie alles, was irgendwelche Typen aufs Spielfeld werfen.
    Die Erwachsenen haben eine Vorbildfunktion und Verantwortung für die Kids in den Manschaften und als Zuschauer im Stadion. Also, bitte Hirn einschalten und ein bißchen weiterdecken als nur an den eigenen Spaß. Der Einlass sollte so gründlich kontrollieren, dass auch nichts eingeschmuggelt werden kann, auch wenn es länger dauert. Geht schließlich um Sicherheit.
    Das Rückspiel sollte zum Geisterspiel werden.

  5. 14.

    Was dort wieder für Idioten in den Blöcken standen, unglaublich. Wie kommt man auf die Idee, Raketen und Pyrotechnik aufs Feld oder - noch viel schlimmer - in Menschenmengen zu feuern? Was geht da im Hirn ab?!
    Ich hoffe, die Verantwortlichen werden gefunden und bestraft.
    Was ich mir nicht wünsche ist ein Rückspiel vor leeren Rängen. Denn ich und ca. 95% der Herthaner haben NICHTS mit diesen Vollidioten am Hut. Es regt mich auf, dass diese Leute ein Ticket für das Derby bekommen haben, während andere Herthaner, die laut aber friedlich supporten wollten, leer ausgingen.
    Ich bin auch ein Befürworter von Pyrotechnik, solange sie im Block bleibt. Pyro als Stilmittel ja, als Waffe nein.

  6. 13.

    Das impliziert das nur die Anhänger der Gäste verantwortlich gewesen sein sollen, wobei die Anhänger der Heimmannschaft die ebenfalls Pyros abgefeuert haben und sogar über den Zaun geklettert sind um den Platz stürmen wohl die Unschuldigen der Auseinandersetzungen sind ? Tut mir leid, da gehe ich nicht mit. Wenn dann müssen beide Vereine gleichermaßen bestraft werden. Wobei ich in dem Punkt der Einlasskontrollen deutlich die Schuld bei Union sehe.

  7. 11.

    Wer solche " Fans " hat braucht keine Feinde.
    Bei keiner anderen Sportart werden Spieler, Trainer Schiedsrichter und Besucher von soviel Gewalt bedroht. Fussball wird völlig überbewertet.
    Ich hoffe es gibt drastische Strafen und lange Stadionverbote. Einlasskontrollen müssen personell verstärkt und strikt durchgeführt werden, auch wenn es länger dauert. Wer fliegen will muss ja für die Sicherheitskontrollen auch mehr Zeit mitbringen.
    Für das Rückspiel würde ich die Zuschauer ausschließen.
    Wer den Nachwuchs auf den Rängen nicht abschrecken und gefährden will, muss endlich durchgreifen oder sollen Kinder nicht mehr dabei sein.

  8. 10.

    Lamentieren über den Zustand unserer Gesellschaft hilft hier nichts. Es wird immer Personen geben, die sich nicht an Regeln halten. Zunächst sind die Zuständigkeiten zu klären. Zu- und Abgangswege außerhalb der Stadien muss die Polizei sichern. Innerhalb der Stadien sind die Vereine verantwortlich, folglich sind dortige Polizeieinsätze von den Vereinen zu bezahlen. Dies gilt auch für die Zugangskontrollen. Ob man dort Körperscanner oder Sprengstoffspürhunde einsetzen könnte, wäre zu prüfen. Für die Menschenmassen an Flughäfen geht das ja auch. Zudem ist an den Zugangskontrollstellen kenntlich zu machen, dass der Versuch des Hineinbringens verbotener Gegenstände in die Stadien sofortige Stadienverbote zur Folge haben, mindestens für eine Saison. Machen ja Kaufhäuser bei versuchten Ladendiebstählen mittels Hausverboten nicht anders.

  9. 9.

    Geldstrafen scheinen ja nicht zu helfen. Mein Tip zum Rückspiel im Oly ,Spiel vor leeren Rängen.

  10. 8.

    Die Zugangskontrollen zum Stadion waren ja offensichtlich zu lasch - nicht nur dass "Fans" sie überrennen konnten, wie gestern hier berichtet, sondern auch, dass anschenend in größeren Mengen Pyrotechnik mitgebracht werden konnte.
    Hier muss kritisch draufgeschaut und künftig nachgebssert werden.

  11. 7.

    Wie viele Hundertschaften waren eingesetzt, um noch Schlimmeres zu verhindern? Zwölf? Liebe Abgeordnete, fragen Sie doch einmal nach, wie viel Geld dieses "Lokalderby" den Steuerzahler gekostet hat! Und dann schicken Sie bitte den beiden Fußballvereinen die Rechnung!

    Mit Sport hat all das wirklich nichts mehr zu tun!

  12. 6.

    Wenn man heute Nachmittag die rbb24 Internetseite aufruft liest man als erstes über den Todesfall in Zusammenhang mit Gewalt und Drogenkriminalität in der Berliner U-Bahn. Im zweiten Bericht liest man über Gewalttaten im Zusammenhang mit der Rigaer Straße. Das ist nicht das erste Mal. Bei dem dritten Bericht hier geht es um eine Sportveranstaltung in der massiv Gewalt u.a. mit Feuerwerk ausgeübt wird. Auch das ist leider nicht das erste Mal.
    Hier wird zum vielfach wiederholten Mal Gewalt ausgeübt und die Verletzungen und der Tod von anderen Mitmenschen, häufig Mitbürger/innen in Uniformen in Kauf genommen. Die Gewalt im Fußballstadion ist offensichtlich vorbereitet und somit vorsätzlich.
    Als gebürtiger Berliner, der nicht mal falsch parkt oder mit dem Rad auf dem Gehweg fährt erschrecken mich diese viele Vorgänge. In was für einer Gesellschaft leben wir in der massive Gewalt in immer mehr Lebensbereichen immer mehr zum Alltag werden? Was kann man dagegen tun?

  13. 5.

    Der Torschütze Sebastian Polter hat selbst von Angst um seine Familie gesprochen. Die Anführungszeichen sollten das verdeutlichen, können in diesem Fall aber missverständlich sein, weshalb wir die Zeichen wieder entfernt haben.

  14. 4.

    Was soll dieses Herunterspulen der immer gleichen Worthülsen? Es ist ja fast ein Wunder, dass nicht von bedauernswerten Einzelfällen gesprochen wird. Würde es nicht um die heilige Kuh Fußball gehen, würden wir über Verabredung von Straftaten und kriminellen Strukturen sprechen. Denn es geht hier um Brandstiftung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruch und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Aber da ja der Profit an erster Stelle steht, lässt man es laufen.

  15. 3.

    Das Wort Angst in Kapitälchen zu setzen erschließt sich mir nicht. Was soll diese Anspielung?

  16. 2.

    Ich kann es nicht verstehen, was diese kranken Vollidioten im Stadion zu suchen haben. Es sind keine Fans , weil ein Anhäger eines Vereines diesen nicht finanzielle Schäden zufügen würde.
    Mit knallharten und hohen Strafen kann man dagegen nur vorgehen.

  17. 1.

    Warum wird so ein Spiel nicht abgebrochen?

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