Kenenisa Bekele gewinnt den 46. Berlin-Marathon. (Quelle: dpa/Michael Sohn)
dpa/Michael Sohn
Video: rbb|24 | Bild: dpa/Michael Sohn

Äthiopier gewinnt zum zweiten Mal - Bekele schrammt bei Berlin-Marathon knapp an Weltrekord vorbei

Am Ende war es knapp. Sehr sogar. Kenenisa Bekele hat den 46. Berlin-Marathon in 02:01:41 Stunden gewonnen, aber den Weltrekord verpasst. Bei den Frauen siegte Ashete Bekere - ein äthiopischer Doppel-Erfolg.

Den Sieg hat er sich gesichert - die Sensation ganz knapp verpasst: Routinier Kenenisa Bekele ist beim 46. Berlin-Marathon nur zwei Sekunden hinter der Weltrekord-Zeit zurückgeblieben. Der 37-jährige Äthiopier brauchte 02:01:41 Stunden für die 42,195 Kilometer. Für ihn ist es der zweite Sieg nach 2016 auf dem Kurs durch die deutsche Hauptstadt.

Tragischer Held

Und so waren es gemischte Gefühle beim Gewinner - ja, er war in gewisser Weise ein tragischer Held. Da war die Freude, die persönliche Bestzeit unterboten zu haben und das um mehr als eine Minute. Zuvor hatte sie bei 02:03:03 Stunden gelegen - aufgestellt bei seinem ersten Erfolg in Berlin. Doch gleichzeitig schmerzten die zwei Sekunden. "Ich bin nicht glücklich", sagte Bekele im rbb. Er gab sich aber auch kämpferisch: "Ich weiß, dass ich den Weltrekord drauf habe, ich gebe nicht auf."

Die aktuelle Bestmarke hatte Eliud Kipchoge im vergangenen Jahr beim Berlin-Marathon aufgestellt. Er legte ein sensationelles Rennen hin und meisterte die Strecke in 2:01:39 Minuten. Eigentlich hatte niemand damit gerechnet, dass diese Zeit in diesem Jahr angegriffen werden könnte. Doch Bekele machte es auf den letzten Metern spannend. Der zwölfte Weltrekord in der Geschichte des schnellen Hauptstadt-Kurses war ganz nah.

Schon früh schnell unterwegs

Schon die Halbmarathon-Marke hatte Bekele in 01:05:05 Stunden passiert - und damit deutlich schneller als erwartet. Da war er noch in einem Quintett unterwegs. Zu diesem gehörten die Äthiopier Birhanu Legese, Sisay Lemma und Leul Gebreselassie sowie der Kenianer Jonathan Korir. Zunächst schien es so, als würde Legese den entscheidenden Antritt setzen. Er schüttelte auch Bekele ab.

Ich weiß, dass ich den Weltrekord drauf habe, ich gebe nicht auf.

Kenenisa Bekele

"Ich hatte Probleme mit dem Oberschenkel", sagte Bekele später im Ziel: "Ich bin gerade erst von einer Verletzung zurückgekommen und meine Vorbereitung war nicht optimal." Doch der Topstar kam zurück. Und wie. Nach knapp 38 Kilometern setzte er sich wieder an die Spitze - und startete die furiose Weltrekord-Jagd. Legese wurde am Ende mit mehr als einer Minute Rückstand Zweiter. Sisay Lemma (2:03:36) rundete als Dritter den äthiopischen Dreifach-Erfolg ab.

Bekere siegt bei den Frauen

Im Marathon-Rennen der Frauen siegte ebenfalls eine Äthiopierin. Ashete Bekere schaffte die gut 42 Kilometer in 02:20:14 Stunden. Zweite wurde ihre Landsfrau Mare Dibaba mit acht Sekunden Rückstand. Die Mitfavoritin und dreimalige Siegerin Gladys Cherono aus Kenia musste vorzeitig aufgeben.

Die für Deutschland startende Melat Kejeta sicherte sich in starken 2:23:58 Stunden gleich in ihrem ersten Marathon die Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio. "Ich bin froh und sehr stolz auf mich", sagte die 27-Jährige im rbb.

Kipchoge verzichtet auf Start - Konzentration auf Wien

Bei den Männern war es nicht zum direkten Duell zwischen Bekele und Vorjahressieger Kipchoge gekommen. Er hatte bei der 46. Ausgabe auf den Start verzichtet. Der Kenianer bereitet sich stattdessen auf ein besonderen Lauf vor: Im Wiener Prater will er Mitte Oktober die magische Zwei-Stunden-Marke knacken.

"Es geht um Geschichte und darum, ein Vermächtnis im Sport zu hinterlassen. Es ist wie der erste Mensch auf dem Mond." Der Versuch startet unter Labor-Bedingungen - etwa mit künstlich erzeugtem Windschatten oder wechselnden Tempomachern. Die Zeit wird aufgrund dieser Umstände nicht offiziell anerkannt.

Sendung: rbb UM6, 29.09.2019, 18 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

13 Kommentare

  1. 13.

    Es ist beim Marathon schon immer viel Plastikmüll produziert worden, wenn Sie jedoch die anderen Berichte hier zum Marathon gelesen hätten, dann wüssten Sie auch warum und das so ist und etwas dagegen getan werden soll.

  2. 12.

    Sicherlich haben Sie recht, das vieles etwas nervig ist. Aber jetzt wo jedes zweite Thema irgendwie schuld am Klimawandel ist, muss der Marathon, der nun schon gefühlte hundert Jahre hier in Berlin der stattfindet, nicht auch noch da mit reingezogen werden.
    Irgendwann wird es lächerlich. Wobei der Klimawandel ein sehr ernst zunehmendes Thema ist.

  3. 11.

    Zur Frage, ob das die richtigen Sieger sind: IdR stehen die 'Spitzenläufer' direkt vorne an der Startlinie und das Feld wird meist nach erwarteten Zielzeiten (bzw. Vorleistungen) aufgestellt, sodass es – auch aufgrund des Zeitverlustes in einem Langsamen Feld bis zu Startlinie zu 'trotten' – sehr sehr unwahrscheinlich ist, dass ein|e Läufer|in von weit hinter der Startlinie startet, aber eine schnellere Zeit (ab Startlinie) hat. In den Wertungen gibt es meist (eigentlich fast immer) Brutto- und Nettozeiten: Brutto = ab Startschuss, Netto = ab überqueren der Startlinie. Für Siegerehrungen werden die Bruttozeiten herangezogen, für Platzierungen meist die Nettozeiten. Etwas "unfair" ist es also immer, aber zumindest die bestmögliche 'Gerechtigkeit' hergestellt.

  4. 10.

    Die Zeit läuft erst beim Überqueren der Startlinie individuell für jeden Läufer und ergibt am Ende, also nach Überqueren der Ziellinie, die Nettozeit. Nach dieser Zeit wird die Platzzierung ermittelt. Die Bruttozeit läuft ab Startschuss. Damit das funktioniert hat jeder Läufer einen individuelen Chip an der Startnummer oder am Schuh.

  5. 9.

    Warum wurde soviel Plastikmüll produzuiert?

  6. 8.

    Sperrungen, Umleitungen, Umfahrung (auch für ÖPNV)überfüllte Verkehrsmittel = Stau, Ausweichverkehr, Parkplatzsuchverkehr, CO2, Abgase, Lärm, KLIMA ?? Marathon ist Klimaschädlich.
    Kann man nicht 10 Runden ums Tempelhofer Feld rennen. Muss denn für jeden Müll die halbe Stadt lahmgelegt werden.
    Das betrifft ja nicht nur Autos sondern auch den ÖPNV, Radfahrer, Fußgänger... Muss denn so ein Irrsinn immer mitten in der Stadt sein.

  7. 6.

    Weil die Nettozeit maßgeblich für die Platzierung ist. Wer weiter hinten startet (denn aufgrund den bisherigen Leistungen werden die Startblöcke eingeteilt) hat also keinen zeitlichen Nachteil. Ergo der schnellste Läufer ist der Sieger. Dies ist allerdings im Normalfall auch der erste Läufer im Ziel.

  8. 5.

    jeder rennt eine individuelle Zeit, d.h. die persönliche Zeit läuft erst dann wenn du die Startlinie überschreitest. D.h. der Bekele hätte auch in Reihe 20 starten können und wär trotzdem der Schnellste gewesen- allerdings wohl nicht ganz so schnell weil er sich dann erst an den Läufern vor ihm vorbeiquälen hätte müssen, was natürlich Zeit kostet. Deshalb starten die schnellsten Läufer ganz vorne.

  9. 4.

    Gibt es eigentlich noch andere Läufer außer Äthiopier und Kenianer die herausragend gelaufen sind?

  10. 3.

    Wer sagt denn dass das die richtigen Sieger sind?
    Bei den Massen beim Start, starten etliche Läufer hunderte Meter entfernt von der Startlinie. Warum ist hierbei der der als erster durch Ziel läuft automaisch der Sieger? Wenn jemand 500m hinter der ersten Startreihe erst zum laufen kommt, kann er eine bessere zeit haben als der Dränger an der Frontlinie mit Idealstart. Hier muss nicht der "Erste" im Ziel der Schnellste sein.

  11. 2.

    Herzlichen Glückwunsch an Hrn. Bekele! Hoffentlich kann er sich "trotzdem" noch richtig freuen.

    Das Wetter @Marco (1): ja schön für die Natur, ob gut für die Läufer sei mal dahingestellt, ein Teil würde sicher lieber mit knapp 40°C tauschen, der andere wohl eher nicht.
    Btw. "Wetter" und spannende Sportveranstaltung: bei der gerade beendeten Rad-WM waren dann dank auch Bewässerung von oben von 200 noch 37 übrig im Ziel. Das war dann eher nicht gut für die Sportler.
    (Genauso, wie das "Andersherum-Wetter" in Doha.)

    Bewundernswert, wie Viele dann trotzdem hier noch durchgezogen haben.

    Hier noch der Miesepeterteil vom Kommentar: und jetzt bitte mal die CO2-Bilanz des Berlin-Marathons, inklusive aller Anreisen(den)und dem unglaublichen Plastikmüll (inklusive Klamotten, Plasteschuhe usw.). Wo bleibt Greta?

  12. 1.

    Endlich mal schönes Wetter, gut für Natur und gegen Feinstaub und gut für die Läufer.

Das könnte Sie auch interessieren