Kanute Jan Vandrey nimmt nach seinem Sieg ein bad in der Spree (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Video: Abenschau | 04.08.2019 | Interview mit Andreas Geisel | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Reaktionen auf die "Finals" - "Berlin ist sensationell, einzigartig und eine Sportstadt"

Es war ein Experiment. Zehn deutsche Meisterschaften wurden am Wochenende bei den "Finals" zeitgleich in Berlin ausgetragen. Zum ersten Mal überhaupt. Und das nationale Mini-Olympia kam an. So gut, dass es eine Wiederholung geben könnte.

Ronald Rauhe saß noch in seinem Kanu und atmete schwer. Der 37-Jährige war ziemlich außer Puste. Kein Wunder. Gerade erst war er wieder beim Parallel-Sprint über die Spree an der East Side Gallery gejagt. Gleichzeitig strahlte er - das Glück war ihm anzusehen. Und das nicht nur wegen des Meistertitels, den er soeben gewonnen hatte.

Was Berlin hier geleistet hat und wie die Zuschauer mitgegangen sind - das hätte ich niemals für möglich gehalten. Da zeigt sich: Berlin ist sensationell, einzigartig und eine Sportstadt.

Ronald Rauhe über die Stimmung

"Was Berlin hier geleistet hat und wie die Zuschauer mitgegangen sind - das hätte ich niemals für möglich gehalten", sagte der Mann, der die Hauptstadt gut kennt. Immerhin wurde Rauhe hier geboren. Seine Kanu-Heimat ist allerdings Potsdam und der dortige KC. "Da zeigt sich: Berlin ist sensationell, einzigartig und eine Sportstadt", fuhr der Routinier fort - und: Ich bin super dankbar, dass wir hier diese Rennen fahren konnten."

Randsport in den Fokus gerückt

Was Rauhe sagt, steht stellvertretend für die Aussagen vieler Sportler. Ja, eigentlich aller, die an diesen Tagen der "Finals" vor die Mikrofone traten. Es waren Tage, in denen Randsportarten aus dem Schatten rückten. Zum Beispiel auch das Stand-up-Paddling, das auf der Spree stattfand. "Wir sind eine junge Sportart und können uns hier präsentieren. So kann es weitergehen", sagte Norman Weber, der sich in diesem Wettbewerb zum neuen deutschen Meister krönte.

Viele Verbände äußerten sich - etwa in den sozialen Medien - auch begeistert von den "Finals". Sie hätten gezeigt, dass "sogenannte Randsportarten durchaus in der Mitte der Gesellschaft stehen", twitterte zum Beispiel der Deutsche Kanu-Verband.

Der Deutsche Schützenbund bedankte sich bei Instagram bei Berlin für eine "geile Zeit".

Die Bogenschützen erlebten - ebenso wie die Kanuten auf der Rennstrecke nahe der Oberbaumbrücke - einen großen Zuschaueransturm. Ungewohnt. Denn eigentlich fliegen die Pfeile bei deutschen Meisterschaften sonst eher vor Teamkameraden, Freunden und Familie - fernab der Metropolen. "Das sind meistens Dörfer oder kleinere Städte. In der Regel sind das Fußballfelder oder Bogenplätze von Vereinen. Und oft gibt es bei der Siegerehrung dann auch typisch regionale Geschenke. In Bayern zum Beispiel einen Korb mit Wurst", hatte Berliner Olympiazweite Lisa Unruh vor den Wettbewerben der "Süddeutschen Zeitung" erzählt.

Bogenschützin Unruh: "Das hat total gepusht"

Nun sahen Tausende Zuschauer die Wettbewerbe auf der großen Tribüne im temporären Stadion auf dem Olympischen Platz. "Die Tribünen waren voll, das hat total gepusht", sagte Unruh. Das erlebten am selben Ort auch die Modernen Fünfkämpfer und Triathleten. Ins Velodrom zu den Bahnrad-Wettkämpfen kamen gut 2.500 Menschen. Die "Finals" würden von den Zuschauern sehr gut angenommen, sagte Patrick Moster, Sportdirektor im Bund Deutscher Radfahrer, dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Im Olympiastadion sahen an den beiden Tagen 60.550 Zuschauer die Leichtathletik-Wettbewerbe. Ausverkauft war das riesige Rund damit bei weitem nicht. Und doch waren es für nationale Titelkämpfe starke Zahlen. "Wir haben es ganz gut hinbekommen, die Stimmung von der EM im vergangenen Jahr in Berlin hierher zu tragen", sagte Chefbundestrainer Alexander Stolpe.

ARD zufrieden mit den Quoten

Für große Aufmerksamkeit sorgte auch die Übertragung im Ersten und im ZDF. Fast 20 Stunden übertrugen die Sender das Event live im TV - hinzu kamen zahlreiche Streams im Internet. Und das Programm kam an. "Die Quote ist großartig", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky dem SID. 12,5 Prozent betrug der Marktanteil am Samstag demnach im Durchschnitt. "Keine Sportart fiel unter zehn Prozent. Schon morgens zum Triathlon hatten 900.000 Menschen eingeschaltet, abends zur Leichtathletik waren es 2,5 Millionen", so Balkausky.

Wir würden schon gerne. Wenn ARD und ZDF als starke Partner wieder mitziehen, dann kann ich mir das sehr gut vorstellen.

Andreas Geisel über eine erneute Ausrichtung

Es sind Zahlen, die dafür sorgen, dass eine Neuauflage durchaus möglich erscheint. Wohl nicht im nächsten Jahr. "Das schaffen wir zwischen Fußball-EM und den Olympischen Spielen nicht", sagte Balkausky. Danach sei das jedoch durchaus vorstellbar. Über die genauen Modalitäten müsse dann noch gesprochen werden. "Wir brauchen für eine nächste Austragung sicherlich eine Organisationsstruktur. Wie die aussehen wird, muss man schauen. Das hängt auch von der Stadt ab, die sich bereit erklärt, ein solches Multi-Event auszutragen."

Geisel: "Wir würden schon gerne"

Diese Stadt könnte erneut Berlin heißen. Zumindest wenn es nach SPD-Politiker Andreas Geisel geht. "Wir würden schon gerne. Wenn ARD und ZDF als starke Partner wieder mitziehen, dann kann ich mir das sehr gut vorstellen", sagte der Sportsenator im rbb. Und er sieht durchaus gute Chancen. Zwar habe Berlin "kein Abo auf die 'Finals'", aber einen klaren Vorteil: "Eine so vielseitige Infrastruktur, um zehn Meisterschaften an einem Wochenende auszutragen, ohne extra investieren zu müssen - das können nur wir."

Sendung: rbb24, 04.08.2019, 21:45 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

6 Kommentare

  1. 6.

    Vom Sportlichen her keine Frage, besonders beim Turnen, was ich gesehen habe - ganz große Klasse!
    Aber die organisatorische Abzocke nebenbei lässt Befürchtungen auf kommen, daß es auch bei den Nicht-Fussball-Sportarten immer "schlimmer" wird und bald nur noch was geht, wenn irgendeiner daran richtig verdienen kann :-(
    Max-Schmeling-Halle: beim Eintritt wird jedes Gepäckstück mit einer A4-Schablone verglichen. Alles was grösser ist muß abgegeben werden. Mein normaler Stadtrucksack "viel zu groß". Abgabe: 3 €. Dann weiter: Fahradhelm - Eintritt verboten. Abgabe nicht möglich (oder nur, wenn man den Helm in eine Tasche reinmacht). Dann Gang zur Gepäckaufbewahrung, um eine Jacke aus dem Rucksack zu holen. Mißtrauisches Beäugen durch die Angestellte, gleichzeitig drohender Ton: "Also wenn Sie jetzt was zu Essen rausholen, können Sie gleich nochmal 3 € bezahlen - Anweisung vom Veranstalter." Eindeutig, oder? Aber wer steckt eigentlich dahinter? Ich weiß es nicht.

  2. 5.

    Gute Veranstaltung. Olympia wäre schön, aber unrealistisch. Die Linksextremisten würden das sicher zu verhindern wissen.

  3. 4.

    Schön, das viele Besucher dabei waren. Die Menschen wollen eben, auch beim Sport, Klasse statt Masse.

  4. 3.

    Es war ein gelungenes Wochenende und für den Sport ein würdiger Rahmen. Wir sollten uns freuen, dass alles so gut funktioniert hat, was für unsere Stadt nicht unbedingt so selbstverständlich ist.
    Ich möchte aber aus dieser erfolgreichen Sportveranstaltung keine falschen Schlüsse ziehen. Ein ähnliches "Finale" können andere Städte sicher auch ausrichten. Für eine Olympia Bewerbung hat Berlin einfach nicht die notwendige Unterstützung bei den hier lebenden Menschen und schon gar nicht das notwendige Profil. Wir haben die Nase voll von den Vielen Baustellen, die Stadt muss erst wieder funktionieren.

  5. 2.

    Eine Sportstadt ohne Sport in der Grundsicherung. https://www.hartziv.org/regelbedarf.html

  6. 1.

    Billige Werbung für eine zukünftige Olympia Bewerbung.....Leicht zu durchschauen!!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier suppt nichts durch (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 14. Tür: Hier suppt nichts durch

Diese Brandenburger Erfindung gehört derzeit zu den wohl am meisten gehassten Umweltsünden. Schon allein bei seiner Erwähnung häuft man eine Tonne CO2 auf seinem persönlichen Umweltkonto an. Dabei war es so sauber gestartet.