Ein Stabhochspringer bei den "Finals" in Berlin. Quelle: imago/Beautiful Sports
Video: rbb|24 | 04.08.2019 | rbb, ZDF | Bild: imago/Beautiful Sports

Rückblick auf "Finals"-Premiere - Eine sportliche Stadtrundfahrt durch Berlin

Premiere für "Die Finals" in Berlin: Spitzensport in der ganzen Stadt, der zehntausende Menschen an die Wettkampfstätten trieb. Viele Zuschauer reisten von einem Austragungsort zum nächsten und erlebten ein abwechslungsreiches Sportwochenende. Von Jonas Bürgener

Die Tage bei den "Finals" beginnen früh. Bereits um 9 Uhr starten die ersten Schwimmwettkämpfe in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark. Man schaut in müde, aber viele Augen. Der Deutsche Schwimm-Verband hat sein komplettes Ticketkontingent verkauft, die Halle ist bereits früh morgens gut gefüllt.

Den Schwimmerinnen und Schwimmern ist es anzusehen, dass eine solche Kulisse nicht alltäglich für sie ist. Manche Athleten lächeln bei der Sportlervorstellung schüchtern ins Publikum, andere genießen das große Interesse und führen eine kleine Showeinlage auf. So schaut man Wettkampf um Wettkampf und könnte theoretisch den ganzen Tag in der Halle an der Landsberger Allee bleiben: lange Wartepausen gibt es nicht, das Teilnehmerfeld ist teils prominent besetzt.  

Vom Schwimmen zum Bahnrad in wenigen Schritten

Doch das Besondere der "Finals" ist es, dass erstmals zehn Deutsche Meisterschaften in nur einer Stadt ausgetragen werden. Da möchte man natürlich so viel sehen, wie nur möglich. Weiter geht es deshalb nur wenige Schritte entfernt der Schwimmhalle. Im Velodrom messen sich Deutschlands beste Bahnradfahrer und kämpfen um die Medaillen. Hier ist die Stimmung bei weitem nicht so gut, wie beispielsweise bei den Berliner Six Days, doch auch im Velodrom schauen einige Hunderte gebannt auf die Fahrbahn und verfolgen die sich mit über 70 km/h jagenden Rennfahrer.

Mit dem Fahrrad käme man auch zur nächsten Wettkampfstätte ohne Problem. Die Kanustrecke auf der City-Spree, direkt neben der East Side Gallery und im Schatten der Oberbaumbrücke, ist aber auch mit der Tram komfortabel zu erreichen. Bereits auf dem Weg dorthin schnappt man Gespräche Gleichgesinnter auf: "Ich glaube, die Kanustrecke ist eine der schönsten Wettkampfstätten", sagt ein junger Mann. "Gestern waren wir auf dem Olympiagelände unterwegs, heute decken wir den Osten ab", erklärt er weiter. Eine Stadtrundfahrt im Zeichen des Sports.

Kanu-Strecke der vielleicht schönste Austragungsort

Tatsächlich haben die Kanuten eine sehr ansehnliche Strecke zur Verfügung gestellt bekommen, die viele Hunderte Zuschauer anzieht. Eng gedrängt stehen sie direkt am Ufer und schauen sich die Wettkämpfe an. Kinder auf den Schultern ihrer Eltern, Paare beim Picknick-Brunch und ältere Herrschaften, die wohl eher nach dem Mittagessen als nach dem Aufstehen an die Spree gekommen sind. Den Schaulustigen ist es egal, dass die Strecke aufgrund der nicht idealen Voraussetzungen auf der Spree nur 160 Meter lang ist - und somit eigentlich zu kurz für Kanuwettbewerbe. Die Ergebnisse und Leistungen scheinen bei den "Finals" nur sekundär zu sein.

Vielmehr geht es für viele Zuschauer darum, die verschiedenen Sportarten zu erleben und die Atmosphäre an den Wettkampfstätten aufzuschnappen. "Ich finde es großartig. Alle Sportbegeisterten können sich hier versammeln, den Sport live beobachten und sich verschiedene Sportarten angucken. Das hat man sonst einfach nicht", erklärt ein junger Mann begeistert. Doch auch nicht allzu sportaffine Menschen treibt es am "Finals"-Wochenende an die Austragungsorte. "Ich hätte es ohne 'Die Finals' gar nicht mitbekommen. Ich finde es super", erzählt eine junge Frau an der Kanu-Strecke.

"Papa, Papa, los, wir müssen zur Siegerehrung", ruft ein Junge, der die Olympiasieger und neuen Deutschen Meister, die sich eben noch vor seinen Augen durch das trüber Wasser der Spree gekämpft haben, hautnah erleben möchte. Wer darauf verzichten kann, macht sich lieber auf den Weg zum nächsten Stopp der sportlichen Stadtrundfahrt. 

Epizentrum Olympiagelände

Denn nicht nur im Osten Berlins werden "Die Finals" mit Interesse angenommen: Das Epizentrum der Meisterschaften befindet sich im Olympiapark. Im Kuppelsaal messen sich die Boxer, in der eigens für "Die Finals" errichteten Arena auf dem Olympischen Platz findet Bogenschießen und Moderner Fünfkampf statt. Im Olympiastadion kämpfen die Leichtathleten um die Medaillen. Dabei hallen keine lautstarken Fangesänge über das Gelände, wie es vielleicht bei Spielen von Hertha BSC oder dem Pokalfinale der Fall ist, viel mehr verfolgen die Besucher die Wettkämpfe gespannt. Man merkt, dass bei den "Finals" Sportarten vertreten sind, die normalerweise keine allzu große Plattform finden.

Das gilt auch für Trial, Turnen und Triathlon, die am Jahn-Sportpark, in der Max-Schmeling-Halle und am Wannsee stattfinden. Dabei haben die Trial-Wettkämpfe, wo die Fahrer auf zwei Rädern und ohne Sattel Hindernisse überwinden müssen, auch etwa 1.500 Zuschauerinnen und Zuschauer in ihren Bann gezogen. Auch bei den "Finals" braucht man mindestens beide Wettkampf-Tage, um alle zehn Sportarten miterleben zu können. Dennoch ermöglichen die gesammelten Deutschen Meisterschaften eine sportliche Stadtrundfahrt, die Berlin in dieser Form noch nicht erlebt hat.  

Sendung: rbbUM6, 04.08.19, 18:00 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

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1 Kommentar

  1. 1.

    Haben bei der Leichtahletik, den Bahnrad-Wettbewerben und beim Trial vorbeigeschaut. War super Stimmung überall. Klasse Idee, die man unbedingt wiederholen sollte.

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