Trainer Claus-Dieter Wollitz von Energie Cottbus. Quelle: imago/Steffen Beyer
Bild: imago/Steffen Beyer

Regionalliga-Serie | Energie Cottbus - Energie Cottbus ist noch kein Titelfavorit

Nun sind sie wieder da, wo sie nicht mehr hinwollten: in der Regionalliga. Vor knapp einem Jahr krönte Energie Cottbus eine überragende Saison mit der Rückkehr in die dritte Liga. Weil aber am letzten Spieltag ein Tor fehlte, mussten die Lausitzer direkt wieder absteigen. Von Andreas Friebel 

Eine ganze Region im Dauer-Derby-Fieber: Ende Juli startet die Regionalliga Nordost in die neue Spielzeit - mit gleich zehn Vereinen aus Berlin und Brandenburg. rbb|24 stellt bis zum Saisonstart alle Klubs vor, schaut auf ihre Kader, ihr Umfeld und die Ziele. Der letzte Teil der Serie widmet sich dem FC Energie Cottbus.

Eine Karte zeigt die Vereine der Regionalliga Nordost 2019/2020 (Quelle: Imago/ Montage: rbb)
Bild: Imago/ Montage: rbb

Die sportliche Ausgangslage

Der Abstieg aus der dritten Liga hat seine Spuren hinterlassen, wirtschaftlich wie sportlich. Das größte Problem ist dabei das fehlende Geld aus der Zentralvermarktung der dritten Liga. Rund 1,5 Millionen Euro bekamen die Lausitzer in der Vorsaison aus diesem Topf. Das fehlt nun. Dazu wurde 2018 mit einem Minus von über 700.000 Euro abgeschlossen.

Nach einem Hilferuf von Präsident Werner Fahle, das unter diesen wirtschaftlichen Rahmenbedingen der Wiederaufstieg fast unmöglich wird, hat sich inzwischen breite Unterstützung formiert. Bundesligist Dortmund kommt im September zu einem Benefizspiel, auch Union Berlin hat sich angeboten zu helfen. Dazu kommen weitere Aktionen, wie ein Benefizkonzert oder der Kartenverkauf für ein Spiel, das nie stattfinden wird. Und weil die Lausitzer im DFB-Pokal auch noch den FC Bayern gezogen haben, kommt über diesen Weg auch noch mal eine Menge Geld zusammen.

Trotzdem zieht sich die Teamzusammenstellung seit Wochen hin. 16 Feldspieler plus drei Torhüter hat Cottbus derzeit unter Vertrag - das ist zu wenig für die ehrgeizigen Ziele des Klubs. "Die Spieler, die wir haben wollen, warten immer noch ab und hoffen höherklassig spielen zu können", beschreibt Trainer Claus-Dieter Wollitz die Ausgangslage. Immerhin konnten aber mit Verteidiger Robert Müller und Stürmer Dimitar Rangelov zwei Leistungsträger aus der alten Saison gehalten werden.

Die Neuen

Die Liste der Abgänge ist lang, die der Neuzugänge ziemlich kurz. 19 (!) Spieler haben den Verein nach dem Abstieg verlassen. Sieben Neue sind hinzugekommen. Mit Torwart Lennart Moser und Mittelfeldspieler Berkan Taz kommen zwei Akteure mittels Ausleihe von Bundesligaaufsteiger Union Berlin. Wichtig bei der Kaderzusammenstellung war Trainer Wollitz eine gewisse Erfahrung. Denn Talente und Perspektivspieler hat er im Cottbuser Nachwuchs reichlich.

Erster Neuzugang war im Juni Tobias Hasse, der über den Hertha-Nachwuchs später nach Erfurt wechselte und mit fast 100 Spielen in der vierten Liga in die Lausitz kommt. "Energie ist ein toller Klub und hat ein großartiges Stadion. Ich bin hierhergekommen, um den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen", so der 23-Jährige. Der prominenteste Neuzugang ist wohl Felix Brügmann. Vergangene Saison traf er in der dritten Liga für Jena acht Mal. Dass er mit dieser Bilanz in die vierte Liga wechselt, überrascht. "Als mir in Jena mitgeteilt wurde, dass ich gehen kann, waren viele Klubs in ihren Planungen schon sehr weit. Letztendlich war für mich das Gesamtpaket entscheidend. Und das hat in Cottbus am besten gepasst", sagt der Torjäger.

Drei oder vier neue Spieler will der FC Energie noch verpflichten. "Wir suchen unter anderem noch einen zentralen Mittelfeldspieler und einen für die linke und noch einen für die rechte Abwehrseite. Und am besten wäre auch noch ein weiterer Innenverteidiger", so Wollitz. Es kann aber sein, dass sich die Suche noch hinzieht. Vielleicht sogar bis zum Schließen der Transferliste Anfang September.

Der Trainer

Die sportliche Kompetenz beim FC Energie ist und bleibt Claus-Dieter Wollitz. Auch drei Jahre nach seiner Rückkehr ist der 54-Jährige Trainer und Sportdirektor in Personalunion. Nach dem Abstieg in die Regionalliga machte er seinen Verbleib davon abhängig, dass ihm ein Spieleretat zur Verfügung gestellt wird, mit dem der Aufstieg möglich ist. Erst als ihm Präsident Werner Fahle das garantierte, sagte Wollitz zu.

Ob das der ehemalige Bundesligaspieler inzwischen bereut? Kurz vor dem Saisonstart wirkt er unzufrieden. "Ich bin momentan voller Sorge und ohne jede Euphorie. Wir haben keine Automatismen in der Mannschaft, keine Ausgeglichenheit und die Vorbereitung lief auch nicht gut." Besonders das 0:6 bei Nord-Regionalligist Wolfsburg II und das 2:2 gegen Oberligist Krieschow haben Wollitz mächtig geärgert. Immerhin gab es aber bei der Generalprobe auf die neue Saison dann noch ein 4:1 gegen den lettischen Erstligisten Spartaks Jurmala. "Da haben wir dann schon viele Sachen besser gemacht. Wir hatten eine höhere Aggressivität und Intensität im Spiel."

Das Umfeld

Trotz des neuerlichen Abstiegs stehen die Fans zum FC Energie. Kurz vor dem Saisonstart waren 2.600 Dauerkarten abgesetzt. Damit liegt der Klub sogar leicht über dem Vorjahresniveau (2.500). Auch die über 8.000 verkauften Unterstützer-Tickets, für ein Heimspiel, das es gar nicht gibt, zeugen von hoher Sympathie für den Verein. Der Hilferuf des neuen Präsidenten Werner Fahle, hat die Lausitz noch ein Stück enger zusammenrücken lassen. Wie lange das anhält, hängt auch davon ab, wie Cottbus in die Saison startet.

Angaben zum Etat machen die Lausitzer auch in diesem Jahr nicht. In der vergangenen Saison lagen die Gesamtausgaben für Profis, Nachwuchs und Stadionbetreibung bei geschätzten 3,5 Millionen Euro. Da zumindest ein Teil der fehlenden Gelder aus der Zentralvermarktung (rund 1,5 Millionen Euro) durch Benefizspiele und dem Pokalkracher gegen Bayern München ausgeglichen sind, dürfte sich der Etat bei etwa 2,5 Millionen Euro bewegen. Damit ist Cottbus in der Regionalliga Nordost sehr, sehr gut aufgestellt.

Die größten Sorgen bereitet aber das Stadion der Freundschaft. Das gehört dem FC Energie und wird von ihm auch komplett betrieben. Die jährlichen Kosten liegen bei über einer Millionen Euro. Präsident Fahle will nun nach der politischen Sommerpause mit den Cottbuser Stadtverordneten ins Gespräch kommen, um zu erreichen, dass die Stadt einen jährlichen Betreiberzuschuss von 500.000 Euro zahlt. Damit sollen auch dringend notwendige Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Die letzten großen Arbeiten in und um das Stadion gab es vor mehr als zehn Jahren. Da spielte Energie noch in der Bundesliga.

Das Ziel

Ganz klar: Energie Cottbus will schnell wieder in die dritte Liga. Doch schon der erste Abstieg 2016 hat gezeigt, dass der Weg zurück sehr steinig und schwer ist. Gerade für eine Mannschaft, die neu zusammengestellt ist. "So was braucht Zeit. Wir haben das 2016 gesehen. Da war Jena Ende August schon neun Punkte vor uns. Das konnten wir dann nicht mehr aufholen", erinnert sich Wollitz. 

2017 war sein Team dann eingespielt und nur punktuell verstärkt worden. Deshalb folgte 2018 der Aufstieg in die dritte Liga. Der Vorteil zu damals ist aber, dass Claus-Dieter Wollitz die Liga inzwischen sehr gut kennt und ihre Leistungsstärke einzuschätzen weiß. Er weiß also, welche Spielertypen gebraucht werden. Doch die Meisterschaft führt in dieser Saison nicht automatisch zum Aufstieg. Im Gegensatz zum Chemnitzer FC, der im Mai als Nordost-Meister direkt rauf durfte, gibt es im kommenden Jahr wieder zwei Aufstiegsspiele. Auch deshalb spricht man in Cottbus nur allgemein vom Ziel "Wiederaufstieg" und nicht von einem "sofortigen".

rbb|24-Prognose

Grundsätzlich hat Energie Cottbus von allen Teams in der Regionalliga Nordost die besten Möglichkeiten, Erster zu werden. Im Gesamtpaket Finanzkraft, Stadion, Trainingsbedingungen und Kader, gibt es praktisch kein vergleichbares Team. Die Frage ist nur, wie schnell sich die neue Mannschaft findet. Gelingt dass zügig und wird sie in den nächsten Tagen mit zwei, drei weiteren Leistungsträgern verstärkt, dann sind die Lausitzer Favorit auf den Meistertitel. Noch sind sie es aber nicht.

Beitrag von Andreas Friebel

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

5 Kommentare

  1. 5.

    ViolaGerd, haben Sie jemals mit Eduard Geyer zu tun gehabt. Ich ja - sehr oft berufsbedingt. Das, was Sie absondern, ist nur scheinbar ein Lob. Ihn als "Stasi-Ede" zu bezeichnen ist mehr als übel.

  2. 4.

    Holt doch endlich den Stasi-Ede wieder und dann geht es auch Energie wieder aufwärts. Stasi-Ede hat Cottbus bereits in die Bundesliga geführt. Eine Leistung, die nur bestimmten Leuten gelingt.

  3. 3.

    Ich würde mir natürlich wünschen, wenn Cottbus gleich wieder aufsteigen würde. Aber das ist unrealistisch. Cottbus befindet sich nach dem knappen, bitteren Abstieg 'im tiefen Tal der Tränen'. Wir sind ganz unten! In jederlei Hinsicht. Geht es noch tiefer? Mit dem Losglück Bayern München hatte der liebe Gott wohl doch ein Einsehen. Der Beste soll gewinnen - Nordhausen, BAK und Lok sehe ich vorne. RBB live wenigstens als Stream wäre wünschenswert.

  4. 2.

    Ich würde mal sagen, da steht der nächste Abstieg an.
    Oberliga, Cottbus ist dabei!

  5. 1.

    Es ist schön das RBB mal über den Regionaliga Nordost berichtet. Ich komme aber nicht zu dem Schluss das Cottbus um den Aufstieg mitspielt. Klare Favoriten sind Nordhausen und BAK. In Reichweite sind erfurt, Lok und Viktoria. Bin gespannt wie viele RBB live zeigt. Am ersten und dritten Spieltag sind zwei Knaller Viktoria gegen Erfurt und dann gegen Lok. RBB live leider Fehlanzeige.

Das könnte Sie auch interessieren

Austin Ortega in einem Spiel der Eisbären Berlin. Quelle: imago images/Eibner
imago images/Eibner

4:2 in Ingolstadt - Eisbären feiern vierten Sieg in Serie

Die Eisbären Berlin bleiben auch im vierten Spiel in Folge ungeschlagen. Das Team von Serge Aubin setzte sich dank einer ansprechenden Leistung beim ERC Ingolstadt durch. Nach dem missglückten Saisonstart sind die Berliner damit zurück in der Erfolgsspur.