Die Spieler des Berliner Ak bejubeln einen Sieg gegen Chemnitz in der Saison 2018/19. Bild: imago/Picture Point
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Regionalliga-Serie | Berliner AK - "Wir wollen oben mitspielen"

Der Trend spricht für den Berliner AK. In den letzten Jahren arbeitete der Verein sich kontinuierlich an die Ligaspitze heran. So gesehen ist es nicht überraschend, das Trainer und Mannschaft die Meisterschaft als Ziel ausgeben. Von Simon Wenzel

Eine ganze Region im Dauer-Derby-Fieber: Ende Juli startet die Regionalliga Nordost in die neue Spielzeit - mit gleich zehn Vereinen aus Berlin und Brandenburg. rbb|24 stellt bis zum Saisonstart alle Klubs vor, schaut auf ihre Kader, ihr Umfeld und die Ziele.  Der achte Teil der Serie widmet sich dem Berliner AK.

Eine Karte zeigt die Vereine der Regionalliga Nordost 2019/2020 (Quelle: Imago/ Montage: rbb)
Die Vereine der Regionalliga Nordost in der Saison 2019/2020. Bild: Imago/ Montage: rbb

Die sportliche Ausgangslage

Der Trend spricht für den Berliner AK: Sechster, Dritter, Zweiter, das sind die Abschlussplatzierungen der letzten drei Spielzeiten für den Verein. Dank Präsident und Quasi-Mäzen Ali Han bleibt der BAK seit Jahren finanziell stabil und hat sich so trotz personeller Umbrüche in der Spitzengruppe der Liga etabliert. Trainer Ersan Parlatan ließ sein Team offensiven und ballbesitzorientierten Fußball spielen, das sorgte für Begeisterung in der Liga. "Wir haben letztes Jahr von vielen Konkurrenten und Zuschauern Lorbeeren bekommen für unsere Spielweise", sagt Parlatan.

Wichtiger dürfte ihm aber gewesen sein, dass der Spielstil seines Teams auch erfolgreich war. Mit 70 Punkten gelang dem BAK die zweitbeste Reginoalligabilanz der Vereinsgeschichte. Doch auch wenn es damit an der Tabellenspitze enger wurde, als in den Vorjahren, reichte es nicht für einen spannenden Meisterschaftskampf. Sieben Punkte fehlten am Ende zu Platz eins und Aufsteiger Chemnitz. Im Sommer verließen, wie so oft, einige Leistungsträger den Verein. Der Umbruch ist laut Trainer Parlatan in diesem Sommer aber nicht so groß wie in den Jahren davor: "Jetzt sind wir schon weiter, als wir es letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt waren", sagt er eine Woche vor dem Saisonstart.

Die Neuen

Das Gerüst ist endlich einmal stehen geblieben. Verstärkt hat sich der BAK mit Spielern wie Yusuf Coban (22, offensives Mittelfeld) und Alexander Siebeck (25, Außenbahn), die zuletzt in den zweiten Ligen der Türkei und Österreichs spielten. Auch Rückkehrer Niklas Brandt (27, Defensives Mittelfeld) könnte als körperlich starker Abräumer wieder wichtig werden für die Regionalliga-Schönspieler. "Gezielt verstärkt" habe sich sein Team, sagt der Trainer zufrieden. Er weiß aber auch: Verletzen sich Stammspieler, wird es schwer mit der Meisterschaft, denn breiter ist der Kader nicht geworden. "Wir haben keine 22 gleichwertigen Spieler, da sind auch einige aus der Jugend dabei", gibt Parlatan zu.

Nicht mehr ganz neu ist der ehemalige Herthaner Shawn Kauter, aber er könnte nach einem starken ersten Jahr beim BAK in eine neue Rolle rücken und die Mannschaft in diesem Jahr als Kapitän aufs Feld führen. "Als Typen" habe sich die neue Mannschaft schon gefunden, sagt Kauter, taktisch liege noch etwas Arbeit vor dem Team. Geht es nach ihm, ist der neue Kader aber gerüstet für den Meisterschaftskampf, auch weil die Konkurrenz auf dem Transfermarkt keine Wunder vollbracht habe. "Wir haben ein sehr sehr gutes Team und ich denke, dass Cottbus nicht so viel eingekauft hat. Ich glaube wir sind der Favorit der Liga", sagt Kauter selbstbewusst.

Die Stärke des BAK soll auch in diesem Jahr der Ballbesitzfußball bleiben. Leidvoll erfahren durfte das bereits Ligakonkurrent Rathenow, den die Berliner in einem Testspiel mit 7:2 abfertigte.    

Ich glaube wir sind der Favorit der Liga.

Shawn Kauter

Der Trainer

Ersan Parlatan und der Berliner AK, das scheint jetzt gut zu passen. Vor einem Jahr kehrte der 41-jährige zum insgesamt vierten Mal (zuvor als Spieler und Co-Trainer) zurück zum Verein - und erlebte direkt seine beste Saison im Poststadion. "Ich kenne den Verein sehr, sehr gut", sagt Parlatan. Er hat die Entwicklung des BAK immer verfolgt - und der Verein die seine. Als Parlatan die höchste Trainerlizenz erwarb, kam der Verein schnell auf ihn zu und machte ihn zum Cheftrainer.

Was sie von Parlatan bekamen ist offensiver Fußball, am besten mit viel Ballbesitz und in einem 4-3-3 System. Schon zu seinem Amtsantritt sagte Parlatan, dass er den BAK im zweiten Jahr zu einem ernsthaften Aufstiegskandidaten machen will. An diesem Ziel hält er fest: "Ich bin von mir als Trainer und von der Mannschaft überzeugt. Wir können um den ersten Platz spielen." In der Fußballlehrer-Ausbildung hospitierte Parlatan übrigens unter anderem für acht Wochen beim SC Freiburg und dessen Kulttrainer Christian Streich.   

Das Umfeld

Eine der großen Stärken des BAK im Ligavergleich ist aktuell die finanzielle Stabilität. Die Betonung liegt allerdings auf aktuell: Solange Präsident Ali Han Lust hat, geht es dem Verein gut. Und gerade scheint er wieder richtig Lust zu haben. Das sah vor zwei Jahren auch schon mal anders aus. Damals zweifelte Han, der seit 2002 in den Berliner AK investiert, an seiner Vision. Der Drittliga-Aufstieg rückte für die sportlichen Verantwortlichen vorübergehend in weite Ferne.

Aber das Blatt hat sich wieder gewendet. "Nicht immer ganz einfach" sei der Präsident, gibt Trainer Parlatan zu, er selbst habe aber "Hochachtung" vor ihm und spüre "eine Gier" bei seinem  Chef. Der Berliner AK kann also ruhig am sportlichen Erfolg arbeiten, ein Luxus in einer Liga, in der zuletzt bei vielen potentiellen Großclubs Chaos herrschte.

In der Stadt scheint sich die gute Entwicklung des Teams und das Flair des Poststadions allerdings noch nicht so richtig rumzusprechen. Fans, die an den Wochenende nach Moabit pilgern, sucht man trotz der respektablen Ergebnisse weiterhin vergeblich, mehr als 500 Zuschauer sind selten da. "Ich denke, dass wir mit mehr Zuschauern noch mehr Erfolg haben und die Jungs nochmal anders pushen könnten", sagt Trainer Parlatan. Der Verein kennt das Problem und versucht mehr Leute zu locken, aber es rechnet keiner damit, dass das Poststadion in der kommenden Saison regelmäßig voll wird.

Das Ziel

Platz eins. Das ist das selbstbewusste Ziel des Berliner AK. Die Vorzeichen sind gut, Absteiger Cottbus hat fast den kompletten Kader getauscht und muss sich noch finden und der BAK selbst entwickelt sich bestens. "Wir machen da keinen Hehl draus, dass wir oben mitspielen wollen", sagt Trainer Parlatan.

rbb|24-Prognose

Dem BAK gelingt seit einigen Jahren das Kunststück, trotz großer Umbrüche im Kader eine konstante Entwicklung zu verfolgen. Gute Voraussetzungen in einem Regionalliga-Meisterschaftskampf, der so ausgeglichen wie schon lange nicht mehr werden dürfte. Gegen Energie Cottbus und Wacker Nordhausen kann der BAK um den Platz in der Aufstiegs-Relegation kämpfen. Voraussetzung ist ein besserer Saisonstart, als im Vorjahr.
Tipp: Platz eins bis drei.

Sendung: Inforadio, 23.07.2019, 10:15 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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