Der neue BFC-Coach Christian Benbennek gibt im Training Anweisungen. / imago/Matthias Koch / Montage/rbb sport
Audio: Inforadio | 22.07.2019 | 10:15 Uhr | Friedrich Rößler | Bild: imago/Matthias Koch / Montage/rbb sport

Regionalliga-Serie | BFC Dynamo - Mit neuem Stil die Fans begeistern

Es herrscht Aufbruchstimmung beim BFC Dynamo. Nach einer verkorksten Spielzeit will der Verein seine leidgeprüften Fans wieder begeistern. Der neue Trainer verspricht attraktiven Fußball - doch die Voraussetzungen sind alles andere als einfach. Von Johannes Mohren

Eine ganze Region im Dauer-Derby-Fieber: Ende Juli startet die Regionalliga Nordost in die neue Spielzeit - mit gleich zehn Vereinen aus Berlin und Brandenburg. rbb|24 stellt bis zum Saisonstart alle Klubs vor, schaut auf ihre Kader, ihr Umfeld und die Ziele.  Der siebte Teil der Serie widmet sich dem BFC Dynamo.

Eine Karte zeigt die Vereine der Regionalliga Nordost 2019/2020 (Quelle: Imago/ Montage: rbb)
Die Vereine der Regionalliga Nordost in der Saison 2019/2020. | Bild: Imago/ Montage: rbb

Die sportliche Ausgangslage

Beim BFC sind alle darauf bedacht, den Blick nach vorne zu richten. Verwunderlich ist das nicht. Denn die vergangene Saison war in weiten Teilen eine zum Vergessen. Als René Rydlewicz kurz vor Weihnachten zurücktrat, kam sein Schritt zu diesem Zeitpunkt zwar überraschend - beim Blick auf die sportliche Situation wirkte er aber folgerichtig. Die Mannschaft hatte gerade wieder vier Liga-Spiele in Folge verloren und dabei nicht ein einziges Tor erzielt. So stand sie auf dem drittletzten Tabellenplatz in der Regionalliga Nordost. Die Abstiegsgefahr war akut.

Es übernahm Matthias Maucksch. Dessen Rettungsmission verlief äußerst erfolgreich. Sechs Siege holte er aus 14 Spielen - und sorgte dafür, dass die Abstiegssorgen relativ schnell verflogen. Am Ende stand der BFC mit 42 Punkten auf Tabellenplatz zwölf. Dennoch blieb es für Maucksch ein Kurzzeit-Job. Auf seinen eigenen Wunsch wurde der Vertrag mit dem 50-Jährigen aufgelöst. Während er nun bei Liga-Konkurrent Union Fürstenwalde coacht, heißt der Neue beim BFC Christian Benbennek. Er versprüht jede Menge Aufbruchstimmung. Doch seine Mission ist äußerst kompliziert. "Wir bewegen uns beim Etat eher im unteren Drittel der Liga", sagt Teammanager Jörn Lenz. Das Geld ist für diese Saison weniger geworden. "Der Verein hat sich entschlossen, ein bisschen die finanzielle Bremse zu ziehen."

Die Neuen

Der Umbruch ist gewaltig. "Wir haben eine Menge Spieler dazubekommen und eine Menge Spieler abgegeben oder abgeben müssen. Das ist ja immer so eine zweiseitige Geschichte", sagt Lenz. Dass dabei wohl auch Geld eine Rolle spielte, zeigt sich bei Ex-Keeper Bernhard Hendl. Als Hendl Mitte Mai seinen Abschied verkündete, richtete er sich auf seiner Facebook-Seite an die BFC-Fans. Ihm sei in einem Gespräch mitgeteilt worden, "dass für nächstes Jahr quasi kein Geld mehr zur Verfügung steht und daher kräftig eingespart werden muss. Das abschließende Angebot, welches mir vorgelegt wurde, war für mich finanziell absolut nicht machbar", schrieb er dort.

Im aktuellen Kader ist die eine Hälfte der Spieler neu, die andere alt. "Das muss man erst einmal auf dem Platz zusammenkriegen", sagt Christian Benbennek. Eine große Herausforderung. Doch er strahlt Optimismus aus - ja: Den festen Glauben, dass es gelingt. "Es macht einen riesigen Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten. Die Jungs ziehen gut mit und haben den richtigen Charakter für die Sache hier." 

Die Zugänge sind nach einem klaren Profil verpflichtet worden. "Es sind viele jüngere Spieler, die jedoch schon ein bisschen Erfahrung in der Regionalliga haben - und teilweise auch höherklassig gespielt haben. Das wird interessant", sagt Lenz. Sie sollen für den neuen BFC stehen. Benbennek hat die Vision einer "gierigen Mannschaft, die attraktiv und aggressiv nach vorne spielt." Wer ihm zuhört, spürt die Energie, die er dem Team einimpfen will. Ein zwei Baustellen gibt es derzeit noch im Kader. "Die werden wir aber schließen", sagt Lenz.

Es macht einen riesigen Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten. Die Jungs ziehen gut mit und haben den richtigen Charakter für die Sache hier.

Christian Benbennek

Der Trainer

Christian Benbennek ist in der Region kein Unbekannter. In der Saison 2012/13 stand er bei Babelsberg an der Seitenlinie - jedoch ohne großen Erfolg. In chaotischen Zeiten beim damaligen Drittligisten rutschte er mit dem Team tief in den Tabellenkeller. Als der Club am Ende abstieg, war der heute 46-Jährige schon nicht mehr im Amt. Es folgten Stationen beim TSV Havelse, Alemannia Aachen, der Greuther Fürth II sowie in Österreich beim SV Ried.

Der in Soltau geborene Trainer ist für seine gute Arbeit mit Nachwuchsspielern bekannt. Insofern ist es keinesfalls erstaunlich, dass der BFC ihn für mindestens zwei Jahre als Manager des Umbruchs geholt hat. Und Benbennek fühlt sich wohl beim neuen Arbeitgeber. Gerade die Infrastruktur am Sportforum Hohenschönhausen - Trainingsrevier des BFC - fasziniert ihn. "Ich bin restlos begeistert, was für Möglichkeiten man hat. Das Miteinander mit den anderen Mannschaften ist besonders. Man bekommt mit, wer hier trainiert und ist im Kontakt. Das ist eine tolle Anlage. Wir haben für die Regionalliga beste Bedingungen."

Das Umfeld

"Es geht eine richtige Euphorie durch den Club. Es tut sich ganz, ganz viel", hat Benbennek beobachtet und macht das auch an Zahlen fest. Als sein Team jüngst gegen Magdeburg testete, fanden sich 1.500 Zuschauer auf den Rängen ein. An einem Mittwochabend in den Sommerferien. Auch der Dauerkarten-Vorverkauf läuft gut. Mehr als 500 konnte der Verein bereits absetzen. Das bedeutet Nachwende-Rekord. "Und es geht immer noch weiter. Das freut uns natürlich riesig - und ist auch wichtig für den Verein", sagt Lenz.

Und die Fans packen auch sonst an. "Sie helfen sogar mit, unsere Kabine umzugestalten", erzählt Benbennek. Seine Spieler waren ebenfalls handwerklich aktiv. "Alles ein bisschen neu. Nicht nur innen, sondern auch außen", sagt der Trainer - und weiß auch, dass es auf dem Platz passen muss, um die Stimmung zu halten. "Da geht es natürlich darum, die kleine Flamme größer werden zu lassen mit der Art, wie wie in die Saison starten."

Er will den zuletzt er leiderprobten Zuschauern etwas bieten. "Wir haben das Stadion ein bisschen leer gespielt in den vergangenen zwei Jahren. Jetzt geht es darum, dass wir die Fans mit Herz und Leidenschaft zurückgewinnen." In diesem Jahr werden sie wohl noch in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark pilgern. Ab der Saison 2020/21 - wenn er abgerissen wird - plant der BFC dann im Stadion des Sportforums Hohenschönhausen zu spielen. "Es wäre regionalligatauglich im Übergangsjahr. Danach müsste dann sicherlich Flutlicht installiert werden. Wir fühlen uns hier auf dem Gelände natürlich wohl und heimisch."

Das Ziel

Einen konkreten Tabellenplatz wollen sie beim BFC nicht als Ziel ausgeben. Die Art und Weise der Auftritte soll - ganz bewusst - im Fokus stehen. "Es ist das Wichtigste, dass wir uns in jedem Spiel zerreißen und uns als junge Mannschaft weiterentwickeln", sagt Benbennek. Selbstbewusst wollen sie dabei auftreten - auch gegen finanzkräftigere Gegner. "Wir wollen uns gut auf sie einstellen und vorbereiten, aber gleichzeitig auch unser Spiel durchdrücken. Egal, wie der Gegner heißt. Der BFC ist auch ein großer Name in dieser Liga, wenn nicht sogar der größte", sagt er.

rbb|24-Prognose

Der DDR-Traditionsverein hat nach der Katastrophen-Saison seinen Etat und damit wohl auch die Ansprüche runtergeschraubt. Viele Leistungsträger sind weg, der Trainer hat erneut gewechselt. Christian Benbennek will erst den Umbruch und dann den Aufbruch meistern - leicht wird das jedoch nicht. Was vergangenes Jahr noch überraschend war, wäre es diese Saison nicht mehr: Der BFC pendelt sich im unteren Mittelfeld der Liga ein. Tipp: Platz zehn bis zwölf.

Sendung: Inforadio, 19.07.2019, 10:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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