Spieler von Viktoria Berlin bejubeln den Sieg im Berliner Landespokalfinale 2019 (Quelle: imago images / Camera 4)
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Regionalliga-Serie | FC Viktoria 1889 Berlin - Einfach nur nach vorne blicken

Hinter Viktoria Berlin liegen schwere Zeiten. Geld aus China sollte für einen Aufschwung sorgen, stattdessen kam die Insolvenz. Der Sieg im Berliner Landespokal war das versöhnliche Ende der turbulenten Saison. Nun setzt der Klub auf einen neuen Trainer.

Eine ganze Region im Dauer-Derby-Fieber: Ende Juli startet die Regionalliga Nordost in die neue Spielzeit - mit gleich zehn Vereinen aus Berlin und Brandenburg. rbb|24 stellt bis zum Saisonstart alle Klubs vor, schaut auf ihre Kader, ihr Umfeld und die Ziele.

Die sportliche Ausgangslage

Wer in der Tabelle der Regionalliga-Nordost nach Viktoria Berlin sucht, findet den Verein erst auf Platz elf. 43 Punkte stehen dort. Eigentlich wären es aber mehr. Weil der Club Insolvenz anmelden musste, wurden ihm Gemäß der Ordnung des NOFV neun Punkte abgezogen.

Die schwierige Situation hat alle im Verein noch näher zusammengebracht. Und zumindest sportlich gab es dann doch noch ein versöhnliches Ende. Im Landespokalfinale besiegte Viktoria Tennis Borussia und qualifizierte sich damit auch für die 1. Runde des DFB-Pokals. Ein "extremes Highlight" sei dieser Sieg gewesen, bekräftigt der Sportliche Leiter, Rocco Teichmann.

Die Neuen

Seit knapp vier Wochen wird bei Viktoria wieder trainiert und es herrscht eine "richtig gute Stimmung" in der Mannschaft, wie Rocco Teichmann erzählt. Einen großen Umbruch hat es nicht gegeben, vor allem junge Spieler haben die Berliner verpflichtet. Torhüter Elian Clasen (U19 des HSV) und Abwehrspieler Fatih Baca aus dem eigenen Nachwuchs sind verletzt und nehmen nicht am Mannschaftstraining teil.

Rechtsverteidiger Mattis Daube, der die Nachwuchs-Mannschaften von Werder Bremen durchlaufen hat, hat sich per Mail beim Verein "beworben" und die Verantwortlichen überzeugt. Stürmer Johannes Manske kommt von Hertha 03 Zehlendorf. Mit Christoph Menz, der in der vergangenen Saison mit Braunschweig den Klassenerhalt in der 3. Liga schaffte, kommt ein erfahrener Spieler dazu. "Er ist sportlich eine absolute Bereicherung für die doch recht junge Mannschaft", sagt Teichmann. Yannis Becker (Mittelfeld) und Lucas Falcao (Stürmer) kennt der neue Trainer Muzzicato von seinem Ex-Verein BSV Rehden.

Einer der Leistungsträger und prominentesten Spieler von Viktoria Berlin verlässt den Verein hingegen. Mittelfeldspieler Timo Gebhart kehrt zur TSV 1860 München zurück. Der 30-Jährige war bereits in der Jugend, sowie in der Saison 2017/2018 für die Münchner aktiv.

Viktoria-Trainer Benedetto Muzzicato gibt Anweisungen (Quelle: imago images / Picture Point)
Viktoria-Trainer Benedetto Muzzicato gibt während eines Testspiels gegen Erzgebirge Aue Anweisungen. | Bild: imago images / Picture Point

Der Trainer

Nach der Entlassung von Jörg Goslar hat Benedetto Muzzicato den Trainerjob bei Viktoria übernommen. Der in Bremerhaven geborene Italiener hat sogar schon eine - wenn auch nur kurze - Vergangenheit in Berlin. In der Saison 2004/2005 stand er als Spieler bei Union Berlin unter Vertrag.

Seit 2011 arbeitet er an seiner Trainerkarriere und coachte zuletzt in der Regionalliga Nord. "Wir wussten relativ früh, dass wir mit ihm arbeiten möchten", sagt Rocco Teichmann. "Muzzi", wie er ihn nennt, sei ein akribischer, detailversessener Trainer, dazu sehr kommunikativ. "Ich wurde sehr gut aufgenommen", freut sich der Italiener, der mit den Berlinern variablen Fußball spielen will.

Das Umfeld

Nachdem Viktoria im Mai 2018 die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Investor Advantage Sports Union bekannt gegeben hatte, schien es so, als stünde dem Club eine rosige Zukunft bevor. Doch weil die Zahlungen ausblieben, musste der Verein Insolvenz anmelden. Durch eine Zwischenfinanzierung konnte der Fortbestand des Spielbetriebs gesichert werden. "Natürlich ist es eine emotionale Geschichte, die im Kopf drin ist. Aber ich glaube, man sollte nicht mehr so viel nach hinten schauen", sagt Teichmann.

Ein Insolvenzverwalter hilft dabei, den Verein langfristig wieder auf einen sicheren Weg zu bringen. Die Ausgliederung der Profimannschaft, die bereits mit dem Einstieg des Investors geplant war, soll fortgesetzt werden. "Das ist ein ganz klarer Auftrag der Mitglieder, dass wir eine Ausgliederung umsetzen möchten", bestätigt der Sportliche Leiter, der mit einem positiven Gefühl in die kommende Saison geht: "Ich habe da ein extrem hohes Vertrauen, dass wir die wirtschaftliche Stabilität haben, um im sichtbaren Bereich des sportlichen Erfolgs davon zu profitieren."

Das Ziel

Konkret heißt das: Viktoria will besser abschneiden, als in der letzten Saison. Mehr Punkte wollen sie holen. "Das Ziel muss sein, dass man die Top 5 erreicht", erklärt Trainer Muzzicato selbstbewusst. "Wir haben natürlich ein brutales Auftaktprogramm", ergänzt Teichmann und verweist auf die Spiele gegen Rot-Weiß Erfurt und Lok Leipzig zu Saisonbeginn. Trotzdem ist er sich sicher, "dass wir eine Mannschaft haben, die sehr erfolgreich Fußball spielen kann".

Eine Motivation ist für die Berliner auch die Teilnahme am DFB-Pokal. "Weil wir das gerne wieder erleben würden", erklärt Rocco Teichmann. Dafür müssten sie den Titel im Landespokal erneut gewinnen. Gegen alle Teams, mit Ausnahme der anderen Regionalligisten, sieht sich Viktoria klar in der Favoritenrolle. "Trotzdem wird es schwer, diesen Titel zu verteidigen."

rbb|24-Prognose

Es scheint so, als hätte sich Viktoria nach den Turbulenzen um den chinesischen Investor wieder stabilisiert. Es stehen immer noch einige starke und namhafte Spieler im Kader: Die Ausgangslage für eine erfolgreiche sportliche Saison ist also gut. Unser Tipp: Ganz vorne wird Viktoria noch nicht mitspielen, aber besser als im Vorjahr schneiden sie in jedem Fall ab.

Die Vereine der Regionalliga Nordost im Überblick

Eine Karte zeigt die Vereine der Regionalliga Nordost 2019/2020 (Quelle: Imago/ Montage: rbb)

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, zuletzt habe Viktoria Berlin im Jahr 2004 im DFB-Pokal gestanden. Das ist falsch, 2014 war richtig. Die Berliner verloren in der ersten Runde mit 0:2 gegen Eintracht Frankfurt. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

Sendung: Inforadio, 19.07.2019, 10:15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich gehe auf jeden Fall hin! Toll, dass es in Berlin so ein grandioses Sportangebot gibt!
    Frankie

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